Der Tod eines Topstaatsanwalts erschüttert Argentinien

Staatsanwalt Alberto Nisman ermittelte die Hintergründe eines schweren Anschlags. Schon länger fühlte er sich bedroht.
Staatsanwalt Alberto Nisman ermittelte die Hintergründe eines schweren Anschlags. Schon länger fühlte er sich bedroht.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Der Ermittler Alberto Nisman erhob brisante Vorwürfe gegen Staatschefin Kirchner und den Iran. Sein gewaltsamer Tod im Badezimmer wirft Fragen auf.

Buenos Aires.. Argentinien ist erschüttert über den mysteriösen Tod des Staatsanwalts Alberto Nisman, der Sonntagnacht tot in seiner Wohnung in Buenos Aires aufgefunden wurde. Nisman, einer der hartnäckigsten und bekanntesten Ankläger des Landes, lag im Bad seiner Wohnung in einer Blutlache, daneben eine Pistole Kaliber 22 und eine Hülse.

Nisman (51) hatte kürzlich geäußert, dass er um sein Leben fürchtet. „Es ist möglich, dass ich wegen dieser Geschichte sterbe“, hatte Nisman einer Reporterin der Zeitung „Clarín“ gesagt.

Der Staatsanwalt ermittelte seit zehn Jahren die Hintergründe des schrecklichsten Attentats in der argentinischen Geschichte. Bei einem Bombenanschlag im Juli 1994 auf das jüdische Gemeindezentrum Amia in Buenos Aires wurden 85 Menschen getötet und 300 verletzt. Hinter dem Anschlag wurde der Iran vermutet. Lange stockten die Ermittlungen und kamen erst voran, als Nisman 2003 die Ermittlungen übernahm und dann vor zwei Jahren ranghohe Vertreter Irans beschuldigte, Drahtzieher des Anschlags gewesen zu sein.

War ein Ölgeschäft mit dem Iran in Gefahr?

Vergangene Woche aber beschuldigte der Ermittler auch die argentinische Präsident Cristina Fernández de Kirchner und ihren Außenminister Héctor Timerman. Die Präsidentin habe „Unschuldige konstruiert“, um den Verdacht von den iranischen Verdächtigen abzulenken. Hintergrund sei, dass das Land seine Beziehungen zu Iran nicht gefährden und vor allem ein Ölgeschäft mit Iran abschließen wollte.

Die Regierung hat die Anschuldigungen als hanebüchen zurückgewiesen. Fernández’ Kabinettschef Jorge Capitanich bezeichnete Nismans Vorwürfe letzte Woche als „absurd“ und „lächerlich“.

Nisman stand seit Jahren unter Polizeischutz. Die argentinische Justiz setzte eine Sonderkommission ein, die seinen Tod aufklären soll.