Der Scharfmacher von Athen

Athen..  Kämpferische Reden halten, das kann Panos Kammenos. Er spricht davon, Griechenland sei ein „besetztes Land“, das Volk müsse sich „erheben“ gegen das „Spardiktat“ der verhassten Troika. Jetzt wird der Rechtspopulist Kammenos neuer griechischer Verteidigungsminister. Für den 49-Jährigen ist das wohl seine Traumrolle.

Dass sich der radikal-linke Ministerpräsident Alexis Tsipras für Kammenos und seine ultranationalen Unabhängigen Griechen (AE) als Koalitionspartner entschied, obwohl die Partei ideologisch am entgegengesetzten Rand steht, ist nur auf den ersten Blick ein Widerspruch. Einig sind sich beide in der Totalopposition gegen den Sparkurs.

Bis zum Ende 2011 gehörte Kammenos der konservativen Nea Dimokratia (ND) an. Nachdem er im Parlament gegen die Parteilinie gestimmt hatte, wurde er aus der Partei ausgeschlossen. Er gründete die AE und kam bei den Wahlen vom Mai 2012 auf fast elf Prozent . Vor allem auf Angela Merkel hat sich der Scharfmacher eingeschossen. „Wir werden niemals wie Bettler auf Knien zu Merkel rutschen, sondern ihr aufrecht gegenübertreten, wie Griechen es tun“, sagt Kammenos. Der Kanzlerin wirft er vor, sie wolle aus Deutschland „das Vierte Reich“ machen.

Kammenos ist politisch gewieft, aber auch unbeherrscht. Er leistete sich viele Entgleisungen. So verbreitete er im Internet geschmacklose Schwulenwitze über den früheren deutschen Außenminister Guido Westerwelle. Gelegentlich kommen auch antisemitische Ressentiments zum Vorschein – wenn er etwa behauptet, in Griechenland zahlten die Juden keine Steuern. 2013 rief er dazu auf, den Bürgermeister der Gemeinde Aristotelis zu „lynchen“, weil er sich für ein umstrittenes Goldminenprojekt einsetzte.