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Frankreich

Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien

09.09.2012 | 16:06 Uhr
Wie kein anderer Franzose verkörpert Bernard Arnault Fleiß und Erfolgshunger. Deshalb schockte seine Ankündigung, Belgier werden zu wollen, viele seiner (Noch-)Landsleute.Foto: AFP Photo/Francois Guillot

Paris.   Bernard Arnault, Chef der LVMH-Gruppe (Louis Vuitton, Moet & Chandon, Hennessy, Bulgari) möchte Belgier werden. Will er so sein Vermögen von 32 Milliarden Euro vor der Reichensteuer schützen?

Die Nachricht schlug ein wie die sprichwörtliche Bombe: Bernard Arnault (63), mit einem märchenhaften Vermögen von 32 Milliarden Euro der reichste Franzose und zugleich der viertreichste Mensch der Welt, möchte gerne Belgier werden. Die von der Brüsseler Zeitung „La Libre Bélgique“ halb genüsslich, halb stolz ausposaunte Indiskretion findet in Frankreich einen krachenden Widerhall. Die hochpolitische „Causa Arnault“ könnte sich sogar zu einer deftigen Staatsaffäre ausweiten. Denn alle Welt mutmaßt: Der Luxus-Zar flieht vor der geplanten 75-Prozent-Reichensteuer der Sozialisten.

In diesen Tagen voller Ungewissheit, in denen die Franzosen über schmerzliche Steuererhöhungen mutmaßen, wirkt Bernard Arnaults Handeln wie eine schallende Ohrfeige für Präsident François Hollande. Die schwächelnde Opposition zeigt unverhohlene Schadenfreude.

Kommentar
Patient Frankreich - von Gerd Niewerth

François Hollande hat ehrgeizige Pläne. So soll das Staatsdefizit Frankreichs im nächsten Jahr unter drei Prozent bleiben. Doch um das zu erreichen, müsste Hollande die Ursachen der Krise angehen und nicht lediglich an den Symptomen rumdoktern.

François Fillon, Ex-Premier unter Sarkozy und Kandidat für den Parteivorsitz der konservativ-bürgerlichen UMP, sieht in Arnaults Absicht ein „desaströses“ Symbol und ätzt: „Die ganze Welt wird sagen: Frankreich ist ein Land, das den Erfolg nicht liebt und auch jene nicht, die das Land erneuern.“ Beistand erhält Fillon von dem Geschäftsmann und Ex-Minister Bernard Tapie. Auch dieser, einst schillernder Boss von Olympique Marseille, kritisiert, dass die Erfolgreichen schon seit Jahren an den Pranger gestellt würden.

Fleiß und Erfolgshunger

Wie kein anderer Franzose verkörpert Bernard Arnault Fleiß und Erfolgshunger, Genialität und Geschäftssinn. Seine Bilderbuchkarriere begann vor vierzig Jahren, als er die ersten Millionen mit Immobilien verdiente und marode Firmen sanierte. Seitdem ist der Bauunternehmer-Sohn zum Herrscher eines weltumspannenden Luxusgüter-Imperiums aufgestiegen.

Die reichsten Menschen

Unter dem Dach seiner LVMH-Gruppe (82 000 Mitarbeiter; ca. 2500 Boutiquen) tummeln sich gut sechzig Luxusmarken – von Louis Vuitton, Moet & Chandon und Hennessy über Dior, Kenzo und Givenchy bis hin zu Guerlain, Bulgari, und Marc Jakobs. Mit Mode und Accessoires, Parfüm und Kosmetika, Champagner und Cognac, Uhren und Juwelen erwirtschaftet Arnault jedes Jahr einen Umsatz von über 20 Milliarden Euro.

Belgischer Pass soll "schwierige Investitionen" erleichtern

Um die Gemüter zu besänftigen, verbreitete Arnault ein Kommuniqué. Darin stellt der vermeintliche Steuerflüchtling klar, dass er „weiterhin französischer Steuerzahler“ bleiben werde. Der belgische Pass, so heißt es, solle offenbar nur dazu dienen, „schwierige Investitionen“ in Belgien zu erleichtern. Kein Wort hingegen über die umstrittene 75-Prozent-Reichensteuer, mit denen die Sozialisten jene zu belegen gedenken, die mehr als eine Million Euro im Jahr verdienen.

Mode aus Paris

Die pikierten Wortführer der Linken rücken Bernard Arnault bereits in die Nähe von Vaterlandsverrätern. „Wenn man Frankreich liebt, verlässt man es nicht bei Schlechtwetter“, empört sich Harlem Désir, Vize der regierenden „Parti Socialiste“. Die große Sorge in Frankreich, wo angeblich etliche Vermögende auf gepackten Koffern sitzen: Arnault könnte, gewollt oder nicht, den fatalen Startschuss geben zu einem schmerzvollen Exodus reicher Franzosen in Richtung Belgien, England oder Schweiz.

Umfrage

Der reichste Franzose, Bernard Arnault will auswandern, vermutlich wegen der geplanten Reichensteuer in Frankreich. Wo würden Sie Ihr Milliarden-Vermögen vor dem Finanzamt schützen wollen?

 

Gerd Niewerth



Kommentare
12.09.2012
07:24
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von Gothaur | #20

Jeder hat das Recht dahin zu gehen und zu ziehen, wohin er will. Und jeder hat das legitime Recht, seinen Besitz zu schützen.
Beim Normalverdiener heißts dann 100und1 legale Steuertricks, und kommt sogar noch als Ratgeber DVD auf den Markt.
Der Mann macht also nichts anderes, als seinen verbrieften Rechten nachzukommen, und fördert natürlich so den profanen Neid vieler, die zwar hehr dahergeschwätzt kommen, und letztendlich doch nur liebend gern an seiner Stelle wären.
Gruß

11.09.2012
19:37
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von Herby52 | #19

Eine Geldausfuhrsteuer wäre doch eine Idee

11.09.2012
18:50
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von woelly | #18

Geld ist eben wie ein scheues Reh und ganz schnell weg, wenn es aufescheucht wird. Es sei denn, es wird in einem eingezäunten Gehege eingesperrt oder erlegt. Das will aber doch keine! Mit einem Zaun hat es ja schon mal einen vergeblichen Versuch gegeben.

11.09.2012
11:05
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von H.Koch | #17

Eigentlich ist die Rechnung ganz einfach:
Selbst wenn man Herrn Arnault 99% seines derzeitigen Vermögens von 32 Mrd. als Steuer entziehen würde, könnte er, auch wenn er 100 Jahre alt würde, mit dem verbleibenden Betrag jeden Tag ca. 23.700 Euro verprassen.
Jeder möge selbst bewerten, ob derartige Vermögen in Privathand noch anständig und verhältnismäßig sind.

1 Antwort
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von Gothaur | #17-1

Schreiben immer diejenigen Clowns, die es natürlich nicht haben. :Grins:
Der Mann hat sein Geld gewiß nicht gemacht, indem er zu Hause am Rechner, oder auf dem Sofa saß und an den Eiern rumspielte.
Gruß

10.09.2012
20:05
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von aufkoks | #16

habe doch glatt ein " m " vergessen.

10.09.2012
20:04
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von aufkoks | #15

mit soviel kohle wäre ich auch weg. für die ganzen faulpelze und sozialscharotzer die keinen bock zum arbeiten den sugardaddy spielen nein danke. aber liebe leute die kohle habe ich nicht und ich arbeite trotzdem die herrschaften.

10.09.2012
15:40
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von drasos | #14

Was gebraucht wird ist ein monatlicher Maximalverdienst von 20000/Monat...
Und zwar aus ALLEN vorstellbaren Einnahmequellen...
ALLES was darüber hinausgeht sollte der Staat zu 100% abschöpfen und es sollte der Allgemeinheit zugute kommen...

1 Antwort
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von Ergonomy | #14-1

Wieso 20000€, ab 1500€ fänd ich besser.

10.09.2012
15:33
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von mit_offenen_Augen | #13

Nun,
ich arbeite 40 Std die Woche und bringe gerade mal fast 2000 € nach hause, das ist für viele nicht wenig!
Aber getz frage ich mich, wieviel Std in der Woche muss ich der Woche arbeiten, damit ich ein Vermögen von nur ein bis zwei Millionen anhäufen kann?
Leider hat die christliche Leitkultur keine abendländischen "Zöglinge" mehr. Dumm, dass sich die Menschen immer noch in Christen-Muslime/... oder Deutsche, Franzosen, ... unterscheiden lassen
So lange wir auf diesen Unsinn reinfallen, können solche Halunken sich bis zum Erbrechen bereichern.

10.09.2012
13:56
Der reichste Franzose packt die Koffer und will nach Belgien
von lass_mal_laufen | #12

Reisende soll man nicht aufhalten. Auch Schumacher, Beckenbauer und diverse andere "Reiche" sind aus Deutschland "abgehauen" nachdem sie die ersten Millionen auf dem Konto hatten. Weil es in der Schweiz so schön ist. Nicht wegen der Steuern!!! Wer doof genug ist, diesen Leuten das Geld in den Rachen zu schmeißen, sollte anschließend auch nicht heulen, wenn sie abziehen. Ich für meinen Teil hielte es für mehr als korrekt, wenn jeder in Deutschland, der über die finanziellen Mittel verfügt, für eine begrenzte Zeit (nennen wir diese Zeit Haushaltskonsolidierung und Schuldenabbau) zur Kasse gebeten werden. Wer -wie dieser "Herr aus Frankreich"- ein Vermögen von 32 Milliarden Euro angehäuft hat, und sich dann nicht an einer Reform beteiligen will, die dafür sorgen soll, dass es allen im Land wieder besser geht, der sollte nicht freiwillig gehen, den sollte man aus dem Land jagen. Apropros: War da nicht mal etwas? So um 1789? Historie repeating?

10.09.2012
11:06
#9 was solls ob der sich vom Acker macht
von meigustu | #11

oder keine Steuern zahlt ? Selbst in der Schweiz fängt gerade das Nachdenken an, da die ein oder andere Gemeine die große Namen mit Steuerdumping lockte merkt, dass sie nichts davon hat.

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