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Regelstudienzeit

Der Realität anpassen

13.02.2012 | 17:46 Uhr

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Regelstudienzeit. Als wäre es die Regel, sein Studium innerhalb der vordefinierten Zeitspanne, beim Bachelor also „in der Regel“ sechs Semester, mit einer Abschlussarbeit beenden zu können. Als wäre eine Überschreitung dieser Zeit die Ausnahme. Doch, das zeigt jetzt die vom nordrhein-westfälischen Wissenschaftsministerium erstellte Statistik: Die Ausnahme ist die Regel. Beim Bachelor ist es gerade die Hälfte der Studenten, die regelkonform das Studium beendet. In anderen Abschlussarten ist die Abweichung von der Regel noch größer.

Tatsächlich ging man bei der Berechnung der Regelstudienzeit von idealisierten Bedingungen aus, die es aber zunehmend in der Realität nicht mehr gibt: Ein optimales Angebot von Seiten der Unis ist in Zeiten von übervollen Hörsälen und Seminaren nur noch Wunschdenken. Probleme bei der Studienorganisation, wie beispielsweise parallel liegende Pflichtveranstaltungen, sind keine Ausnahme.

Dazu kommen auf der anderen Seite Studenten, die angesichts steigender Lebenshaltungskosten hinzuverdienen müssen – und den verdichteten Semesterstoff einfach nicht mehr in der gewünschten Zeit ableisten können. Wer dann noch auf eigene Initiative Praxissemester oder Auslandsaufenthalte einschiebt, um seine Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu verbessern, wird mit einem roten Eintrag „Regelstudienzeit überschritten“ gebrandmarkt. Oder wird, besonders unsozial, als BAföG-Empfänger mit einer gestrichenen Förderung bestraft.

Die Situation wird sich in der nächsten Zeit nicht bessern. Mit dem Ansturm auf die Unis geraten diese weiter unter Druck, ihre Kapazitäten auszubauen. Schnell, weil jetzt die neuen Studenten kommen, aber auch nicht dauerhaft, weil absehbar der demografische Wandel die Studentenzahlen wieder sinken lässt.

Eine Verlängerung der Regelstudienzeit und damit Anpassung an die Realität sollte dabei noch die einfachste Übung sein. Sie ist fair und würde die Qualität des Studiums unterstreichen.

Heinz Krischer

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