Der Preis des Jobwunders

Fast schon kann einem mulmig werden angesichts der anhaltend guten Nachrichten aus der Wirtschaft. Die Arbeitslosigkeit – so niedrig wie seit fast einem Vierteljahrhundert nicht mehr. Die Einzelhandelsumsätze – die höchsten seit der Jahrtausendwende. Ansonsten: eine wirtschaftlich rundum stabile Lage, wohin man auch schaut, ob auf die Börse, den Export oder die Binnenkonjunktur.

Man darf also sagen: Deutschland erfreut sich eines echten kleinen Wirtschaftswunders, das bei einer richtig gemachten Digitalisierung von Industrie und Mittelstand noch bis weit ins nächste Jahrzehnt reichen könnte. Vorausgesetzt natürlich, die Euro-Krise wird gelöst. Gut so. Doch darf der Blick auf die eindrucksvolle Oberfläche nicht den Blick auf die tiefer liegenden Probleme am Arbeitsmarkt verstellen.

Das Heer der Benachteiligten in Deutschland wird trotz der sinkenden Arbeitslosenquote nämlich keineswegs kleiner. Im Gegenteil: Weniger gut Qualifizierte und Minijobber, Langzeitarbeitslose und Ältere, die der immer rasantere Wandel im Berufsalltag zunehmend überfordert, drohen auf der Strecke zu bleiben. Schon heute sieht sich jeder dritte Arbeitnehmer jenseits seiner Leistungsgrenzen. Der ökonomische Effizienzgedanke ist zum alles beherrschenden Prinzip am Arbeitsplatz geworden. Die deutsche Wirtschaft mag derzeit laufen wie eine gut geölte Maschine. Den Preis dafür aber zahlen die Menschen – ob mit oder ohne Arbeitsplatz.