Der Polizist, der Benno Ohnesorg erschoss, ist tot

Der Ex-Polizist Karl-Heinz Kurras sitzt im November 2009 im Berliner Amtsgericht Tiergarten.
Der Ex-Polizist Karl-Heinz Kurras sitzt im November 2009 im Berliner Amtsgericht Tiergarten.
Foto: dpa
Fast fünf Jahrzehnte nach dem Todesschuss auf den Studenten Benno Ohnesorg ist der frühere West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras gestorben.

Essen.. Eine aufgeheizte Stimmung liegt über Stadt. Seit dem 27. Mai 1967 sind der Schah von Persien, Mohammed Reza Pahlewi, und seine Frau Farah Diba zu einem Staatsbesuch in Berlin. Bereits am Mittag kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen Demon­stranten und Anhängern des Schah, die mit Holzlatten und Stahlruten auf die Demonstranten einschlagen Die Polizei schaut untätig zu.

Die später als „Jubelperser“ bezeichneten Schläger – darunter wohl auch Mitglieder des gefürchteten persischen Geheimdienstes Savak – sind auch am Abend vor der Deutschen Oper zur Stelle, wo das umstrittene Herrscherpaar eine Galaaufführung der „Zauberflöte“ besucht. Wieder kommt es zu Krawallen. Als sich das Gerücht verbreitet, ein Polizist sei von Studenten niedergestochen worden, machen die Beamten Jagd auf Demonstranten.

Kurras starb mit 87 in Berlin

Panik bricht aus, der 26-jährige Student Benno Ohnesorg flüchtet mit anderen in einen Hinterhof. Zeugen berichten später, dass er von drei Polizisten umstellt und geschlagen wurde. Da zieht Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras die Waffe und schießt Ohnesorg aus kurzer Distanz in den Hinterkopf – der wohl folgenschwerste Schuss in der jungen bundesdeutschen Geschichte.

Wie jetzt bekannt wurde, starb Kurras bereits am 16. Dezember 2014 mit 87 Jahren in einem Spandauer Krankenhaus, er wurde am 15. Januar anonym bestattet.

Kurras blieb ein freier Mann

Verurteilt wurde Kurras für seinen Todesschuss nie. Zweimal wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. 2009 kam heraus, dass Kurras jahrelang für die DDR spioniert hatte. Er hatte seine Dienste 1955 selbst der Stasi angeboten.

Als Inoffizieller Mitarbeiter „Otto Bohl“ war er für seine Führungsoffiziere im Osten eine Top-Quelle, die Interna aus dem Westberliner Polizeiapparat lieferte. Der Verdacht, Kurras könnte im Auftrag der Stasi gehandelt haben, um die Bundesrepublik zu destabilisieren, konnte nie erhärtet werden.

Studentenbewegung radikalisiert sich

Ohnesorgs Tod löst eine Welle von Empörung und Wut unter den Studenten aus. Hunderttausende gehen in der Folge auf die Straße. Die Freisprüche für den Todesschützen gießen zusätzlich Benzin ins Feuer. Die Politik kann sich nicht zu Kritik am Vorgehen der Polizei durchringen, Teile der Presse hetzen gegen die Demonstranten. Ohnesorg wird rasch zur Identifikationsfigur der 68er, zum Symbol für die Unmenschlichkeit des Staates. So wird das Datum seines Todes zu einem historischen Markstein. Die Terrorgruppe „Bewegung 2. Juni“ schrieb sich das Datum gar auf ihre Fahne.

Kurras arbeitete bis zu seiner Pensionierung 1987 weiter als Polizist, zuletzt als Kriminaloberkommissar im Innendienst. Warum er damals schoss, offenbar unbedrängt und unbedroht, ist bis heute unklar. Stets hielt er an der Notwehr-Version fest. Reue hat er öffentlich für seine Tat nie gezeigt. Das Rätsel des 2. Juni 1967, es bleibt ungelöst.

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