Parteien
Der Linksrutsch der Linken in Nordrhein-Westfalen
13.06.2009 | 14:17 Uhr 2009-06-13T14:17:00+0200
Essen. Extremismus pur: Die Linke in NRW stellt den Parlamentarismus infrage und pflegt Kontakte bis ins gewaltbereite Spektrum. Eine Momentaufnahme aus einer Partei, für die bei der Europawahl immerhin 252.438 Nordrhein-Westfalen gestimmt haben.
252 438 Nordrhein-Westfalen haben bei der Europawahl die Linke gewählt. Die Partei hat ihren Anteil gegenüber 2004 verdoppelt. Die Wähler sind Slogans gefolgt, die in Zeiten der Krise nachvollziehbar sind. „Schutzschirm für Menschen” ist einer. Es ist eine Forderung, die auch der CDU-Ministerpräsident hätte aufstellen können.
Doch: Wussten die 252.438, wen und was sie da wählen?
Vor dem Banner mit „Schutzschirm für Menschen” hat auch Hüseyin Aydin Wahlkampf im Ruhrgebiet gemacht. Er sitzt für die Linken im Bundestag und hat einen Rest Hoffnung, dass ihn die Wähler im Duisburger Norden für eine zweite Wahlperiode nach Berlin schicken. Das ginge diesmal nur direkt, mit der Erststimme. Aber der Mann richtet sich auf den Berufswechsel ein. Er hat kaum Chancen, den SPD-Konkurrenten zu schlagen. Er wird sich wohl im Herbst vom Parlament verabschieden und als Gewerkschaftssekretär arbeiten.
"Der Begriff Diktatur ist nicht angemessen"
Die eigenen Leute haben Aydin von der Landesliste verdrängt, die den Wiedereinzug in den Bundestag garantiert hätte. Er ist kein strammer Dogmatiker. Er argumentiert pragmatisch, differenziert gerne. Da hat man ihn abgestraft. NRW entwickelt sich zum Nest der Ultras, die realpolitische Außenseiter wie Aydin nicht zulassen mögen.
Bundesweit wird man auf den Trend aufmerksam. Carl Wechselberg, Mitglied im Berliner Abgeordnetenhaus, der gerade die Partei verlassen hat: „Über die Landeslisten im bevölkerungsreichsten Bundesland werden im September ausnahmslos Sozialrevolutionäre in den Bundestag gelangen.” Bodo Ramelow, linker Spitzenmann in Thüringen, fürchtet: „Diese Sektierer im Westen torpedieren mit kontraproduktiven Äußerungen unsere erfolgreiche Arbeit in den ostdeutschen Ländern.” Auch der gedemütigte Aydin sagt, die Linke habe „eine Debatte nötig” über den großen Einfluss kleiner Gruppen. Er mahnt: „Es ist wichtig, dass unsere Politik bei einer breiten Wählerschaft ankommt.”
Wer sind die neuen Einflussreichen in NRW, die die Linke noch linker machen und die in den Bundestag drängen?
Da ist die Schöne: Sahra Wagenknecht, Sprecherin der Kommunistischen Plattform. Sie kandidiert in Düsseldorf und auf Listenplatz 5. Die Ostdeutsche trauert der DDR nach („...der Begriff Diktatur ist nicht angemessen”), setzt sich für Radikalforderungen ein: 500 Euro monatlich für jeden Hartz-Empfänger, ein Mindestlohn von zehn Euro. Nach NRW kam sie, weil ihr, so geht es aus ihrer der WAZ vorliegenden Bewerbung hervor, „der Landesverband politisch weit näher steht als die Führungsebene des Landesverbandes Berlin, dem ich bisher angehört habe”.
Hilfe für die Rote Hilfe
Da ist die Ex-Grüne: Ulla Jelpke, früher in Hamburg bei den Ökos aktiv, heute Linke-Kandidatin in Dortmund.
Sie hat gute Drähte zu der von westlichen Diensten als terroristisch eingestuften Kurdenorganisation PKK. In Kuba, behauptet sie auch, werden die Menschenrechte eingehalten.
Da ist Sevim Dagdelen aus Bochum. Sie macht bei der vom Verfassungsschutz als verfassungsfeindlich eingestuften Roten Hilfe mit, die in Schriften über Jahre hinweg Polizisten nur als „Bullen” bezeichnet hat. Dagdelen will die „sozialistische Demokratie”. Die Klage der Bundestagsfraktion gegen den neuen EU-Vertrag begründet sie damit, dass darin ein Wirtschaftssystem für Europa festgeschrieben werde. „Wenn die Linke bei der Bundestagswahl 51 Prozent bekäme, könnten wir nicht einmal das Wirtschaftssystem verändern”. Wie, fragt sie, solle man so Kapitalverkehrskontrollen einführen?
Ab Platz 1 fast durchgehend beherrschen Vertreter diverser Szene-Gruppen die Landesliste. Ulla Lötzer an der Spitze kommt aus der globalisierungskritischen Attac. Paul Schäfer (Platz 4) war, heißt es, in der DDR-gesteuerten DKP.
Die Landes-SPD ziert sich, klar Nein zu einer Zusammenarbeit nach der Landtagwahl 2010 zu sagen. Aber auch ihr kann der Inhalt nicht passen, der mit dem personellen Schwenk der Linken verbunden ist. Denn längst stellt sich dort die Gretchenfrage: Wie halten wir es mit der parlamentarischen Demokratie?
Der Landesverband hält nicht nur, wie vom Bundestagskandidaten Anrej Hunko formuliert, „soziale Unruhen” für „notwendig und wünschenswert”. Er will nicht nur „die politische und soziale Mitte neutralisieren”, wie es ein Strategiepapier von 2008 fordert. Sahra Wagenknecht zieht den Druck der Straße auch dem parlamentarischen Opponieren vor: „Wir brauchen Gegenwehr von außerhalb des Parlaments”. „Politischer Streik” gegen den „neoliberalen Irrsinn” sei nötig.
Im Visier des Verfassungschutzes
Am klarsten macht der Aufruf „Widerstand jetzt”, wohin die Reise gehen soll. Er liegt dem NRW-Verfassungsschutz vor. Der Autor ist Beisitzer des Landesvorstands. „Ein Warten auf Gesetze und die Forderungen nach einer irgendwann durch Stimmzettel erreichbaren parlamentarischen Änderung reichen nicht aus”, heißt es, „die Verhältnisse sind hier und jetzt unerträglich.”
Mit größter Wachsamkeit beobachtet die SPD-Parteiführung in Berlin die Entwicklung bei dem – zumindest in den Ländern – potenziellen Partner rot-roter Koalitionen. In der sozialdemokratischen Spitze wird schon von „Staatszersetzung” gesprochen, die da in den Reihen der Linken gepredigt werde.
Der NRW- Verfassungsschutz sieht ähnliche Gefahren. Die Partei arbeite längst „mit anderen linksextremistischen Gruppierungen zusammen - diese Kooperation reicht bis ins gewaltbereite Spektrum”.

22:22
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
22:18
Warum fällt mir plötzlich ein Lied von Morrissey dazu ein? The world is full of crashing bores....
Aber eine strke Opposition brauchen wir...oder Bürgerrechtsbewegung, die Ihr gewählt habt, sind eindeutig Verfassungsfeinde, oh ja! Also, gegen das deutsche Grudndgesetz verstossend, Völkerrecht-wer missachtet stets die Würde des menschen, hat-seit Schröder-Arbeitslose im massiven Stellenabbau zu neuen Sündenböcken der Nation-volksverhetzerisch-erklärt?
WER verstösst gegen die Vertragsfreiheit im Grundgesetz? Die ARGEN, sie schikanieren in Billigstlöhne-wer kritisiert-des Kommunismus unverdächtigt-die BRD wegen ungeschützt Beschäftigter, wer entrechtet, stigmatisiert Arbeitslose mit einer zudem gigantischen Riesenbürokratie, die enorme Steuermittel für Scheinweiterbildung-mit Zahlen moglend (s. Bundesrechnungshof, Berichte-des Kommunismus unverdächtig) verschwendet?
Wen interessiert es nicht mehr, Arbeitsplätze für die asausgegrenzten Menschen zu schaffen, wer hetzt Billigstlöhner auf Arbeitslose, wer......stigmatisiert jeden kritisch-aufgeklärten Bürger-boürgerlichen Menschen, der noch eine Ethik und Moral hat-auch gegen die Kamra-Aufsteller in Umkleidekabinen der prekärarbeitsplätze-des kommunismus, wie in einer Hetzjagd in den 50-ern in den U.S.A.?
Denkt nach, wir brauchen Opposition, am besten eine Bürgerrechtsbewegung, eine demokratische.
22:55
Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.
11:06
@sporkel
ich bin da ganz ihrer Meinung! Die Meinung der Leser werden zensiert, wenn es gegen die eigene Zeitung geht! Ich finde Kommentare zu löschen, die überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen ist ok, aber nicht wie es die Moderatoren hier machen! Sobald etwas gegen den konzern geschrieben wird gelöscht. Die WAZ sollte sich mal Gedanken machen, wie sie mit ihren Kunden umgeht! Ich bin nicht von der WAZ abhängig, aber ich denke der Konzern von seinen Kunden!
11:01
Noch was liebe WAZ! Was hier versucht wird, nämlich Ängste zu schüren, damit die SPD nicht noch mehr absinkt ist echt ein starkes Stück! Was hat dies mit unparteilichkeit zutun, was ihre Zeitung seid Wochen treibt?
10:58
Wenn man sich hier die Kommentare so durchliest, fällt einem Teilweise nicht mehr ein! Auch die Schreiberlinge trifft man in verschiedenen Foren, wo sie immer wieder den selben Müll von sich geben! Genau Ex_Linker, sie sind gemeint! Für diesen Artikel sollte die WAZ sich einfach nur schämen! Ich bin auf mehreren Parteitage bisher gewesen! DIe Journallisten der WAZ-Gruppe haben den Parteitag eigenlich nie Aufmerksam verfolgt, sondern sind teilweise früher gegangen und haben dann einen Mist geschrieben, dass man sich echt überlegen mußte dieses Blatt noch eimal an zupacken! Liee WAZ bitte seien sie doch ein wenig objektiver und versuchen nicht Wahlkampf für die SPD zu machen!
00:59
Ein Gespenst geht um in Deutschland - das Gespenst der Partei Die Linke. Alle Mächte des neoliberalen Deutschlands haben sich zu einer heiligen Hetzjagd gegen dies Gespenst verbündet, der Hombach und der Müntefering Rüttgers und die Merkel, der Kerner und deutsche Polizisten. Wo ist die Oppositionspartei, die nicht von ihren regierenden Gegnern als kommunistisch verschrien worden wäre, wo die Oppositionspartei, die den fortgeschritteneren Oppositionsleuten sowohl wie ihren reaktionären Gegnern den brandmarkenden Vorwurf des Kommunismus nicht zurückgeschleudert hätte? Zweierlei geht aus dieser Tatsache hervor. Der Kommunismus wird bereits von allen europäischen Mächten als eine Macht anerkannt.
19:32
Respekt das hier auch mal ausnahmsweise auf die Gefahr von links hingewiesen wird!
Man hat ja heutzutage bald das Gefühl rechts von der CDU=böse linksrdikaler AntifaSA usw.=etabliert
Gut das Ihr da wenigstens nicht mitmacht.................
zumindest nicht immer :)
18:27
@ Ex Linker
Keine Sorge mein Kommentar wurde Rausgestrichen. Gefiel der WAZ nicht.
Journalsitenfreiheit Ja- Lesermeinung nur Begrent besonders wenn Es gegen das eigene Blatt geht.
Das zeigt mir auch den Weg.
Morgen darf ich dann wieder Lesen wie Toll der SPD Parteitag war und wie Hoffnungsvoll Herr Steinmeier über einen Wahlsieg denkt
Danke
Schön
17:33
Für mich ist klar, es gibt keine Alternative, die etablierten Parteien sind für mich nicht mehr wählbar.
Diese ausgemachte Weltwirtschaftskrise ist ein Produkt der Politik der letzten 10 Jahre. Hier muß unbedingt ein Umdenkungsprozess stattfinden. Der Mensch gehört ins Zentrum der Politik und nicht rein wirtschaftliche Interessen.
Denken wir doch mal an die Zukunft unserer Kinder.
Schönen Sonntag noch.