Der letzte Funke Hoffnung

Nein, vom Frieden im Donbass bleiben wir weit entfernt. Der Hass auf beiden Seiten ist so groß, selbst international ausgehandelte Waffenruhen wurden nur unzureichend eingehalten. Und doch: Die gestrigen Gespräche in Moskau haben zumindest einen Funken Hoffnung zurückgebracht in den Osten der Ukraine. Die Hoffnung, dass es irgendwann doch vorbei sein könnte mit dem Töten, mit einem Krieg, mitten in Europa, den so viele Mächtige in Ost und West anfangs gar nicht ernst genommen hatten. Und der mittlerweile ganz oben steht auf der Agenda unserer Welt.

Auch deshalb ist die überraschende Reisediplomatie der deutschen Kanzlerin und des französischen Präsidenten nicht hoch genug einzuschätzen. Europa hat das Heft des Handelns zurückgewonnen, auch wenn es noch ein langer Weg zu einer endgültigen Ukraine-Lösung ist. Angela Merkel und Francois Hollande haben der Debatte um US-Waffenlieferungen an Kiew von Beginn an die kalte Schulter gezeigt. Eine Aufrüstung der Ukraine hätte die Reise nach Kiew und Moskau unmöglich gemacht. Natürlich wussten Deutsche und Franzosen, dass sie vermutlich die letzten Protagonisten sind, die noch vom russischen Präsidenten akzeptiert werden. Ein Gesprächsfaden, der nie abgerissen ist.

Der Argwohn vieler Russland-Kritiker, der Westen werde letztlich den Preis zahlen und eine unabhängige und eng an Moskau gebundene Ost-Ukraine hinnehmen, wird jetzt wieder zunehmen. Doch die Alternative zur Diplomatie wäre irgendwann der Flächenbrand. Niemand kann das wirklich wollen.

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