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Politik

Der lange Schatten der Reaktoren

19.07.2007 | 09:42 Uhr

Was in der Störfall-Debatte untergeht

Nie war es fraglicher als heute, ob sich in diesem Land noch eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für die Energiegewinnung aus Kernkraft herstellen lässt. Der Brand eines Transformatorenhauses im AKW Krümmel, die sprachlos machenden Mängel im Meiler Brunsbüttel und die Vertuschungspolitik des Betreibers Vattenfall haben grundsätzliche Zweifel an der Sorgfalt der Energiekonzerne aus-gelöst: Wie sicher sind die 17 noch am Netz hängenden Reaktoren tatsächlich - und wie fähig ist eigentlich das Personal? Die meisten Verbraucher werden sich nicht mehr mit Alles-in-Ordnung-Beschwichtigungen abspeisen lassen. Sicherheit muss nun haarklein bewiesen werden.

Die Kernkraft steht vor einer neuen Legitimationskrise. Dass Politik und Wirtschaft daraus die langfristig richtigen Schlüsse ziehen, womit ein verlässliches nationales Energiekonzept gemeint wäre, ist leider nicht wahrscheinlich. Mit seinen täglichen Botschaften und der Forderung nach einem schnelleren Atomausstieg tut Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) gewiss viel für seine Popularitätswerte. Er leistet jedoch auch, ob gewollt oder ungewollt, einer fast nur Angst-fixierten irrationalen Atomdebatte Vorschub. Ohne dabei zu sagen, durch welche Energieträger die Versorgungslücke geschlossen werden soll, die ein zügiges Abschalten mehrerer Meiler reißen würde.

Das schweißt die Kernkraft-Befürworter in der Union um die Physikerin Angela Merkel, die mit der Forderung nach längeren Laufzeiten für die Atommeiler in den Bundestagswahlkampf 2009 ziehen wollte und nun stillhalten muss, nur enger zusammen. Die Regierungschefs der Südländer werden niemals erlauben, dass die Union in dieser Frage "grün" wird: In Hessen, Bayern und Baden-Württemberg bildet Atomstrom das Rückgrat der Energieversorgung. Und nicht nur dort. Um Deutschland herum, bis nach China, werden modernere Atomkraftwerke konstruiert und gebaut, als ein Element im Energiemix neben Gas, Öl, Kohle, den erneuerbaren Energien und den Techniken zur Steigerung der Energieeffizienz. Es ist darum zu einfach, den unverantwortlichen Vatten-Fall zu nutzen, um die Kernkraft plakativ in den Senkel zu stellen. Das ändert nichts daran, dass sie eine Technologie darstellt, die so unflexibel ist wie keine andere und deren Langzeitfolgen immer noch ungeklärt sind.

d.hauptkapp@nrz.de

DIRK HAUTKAPP

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