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Kampf um Jerusalem spitzt sich nach Synagogen-Massaker zu

19.11.2014 | 18:10 Uhr
Der Tempelberg, auf dem Felsendom und Al Aksa-Moschee stehen, ist Juden und Muslimen gleichermaßen heilig.Foto: Archiv/Getty

Jerusalem.  Nach dem Synagogen-Massaker spitzt sich die Lage weiter zu. „Wir befinden uns im Kampf um Jerusalem, unsere ewige Hauptstadt“, sagte Israels Ministerpräsident Netanjahu. Im Zentrum des Streits zwischen Juden und Muslimen steht der Tempelberg, der Muslimen und Juden heilig ist.

„Wir befinden uns in einem Kampf um Jerusalem, unsere ewige Hauptstadt“, sagte Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu nach dem Massaker, das zwei Palästinenser in einer Synagoge im Westteil der Stadt angerichtet hatten. Sieben Menschen starben – die beiden Attentäter, vier Rabbiner, ein Polizist. Neu ist die Aussage Netanjahus nicht. Jerusalem, die Stadt, die Juden, Muslimen und Christen heilig ist, war stets umkämpft und umstritten.

Viele Vermittler bemühten sich vergebens um eine Lösung. Die Vereinten Nationen wollten in ihrer Teilungsresolution Jerusalem (mit Bethlehem) zu einem eigenständigen Gebiet unter internationaler Kontrolle machen, verwaltet durch die UN. Im Krieg von 1948 wurde Ost-Jerusalem wenig später von Jordanien eingenommen, West-Jerusalem von Israel. Eine Mauer machte es Israelis unmöglich, an der Klagemauer zu beten. Nach dem Sechstagekrieg 1967, als Israel Ost-Jerusalem eroberte, wurde „Jeruschalajim“ („Stadt des Friedens“) zur „auf ewig ungeteilten“ Hauptstadt. Die Palästinenser nennen Jerusalem „Al Kuds“ („Die Heilige“): Ost-Jerusalem, so das erklärte Ziel, soll Hauptstadt ihres unabhängigen Staates werden.

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Anders als die Palästinenser im Westjordanland, die durch eine Sperranlage fast vollständig von Israel getrennt sind, leben die knapp 300 000 Palästinenser und 500 000 jüdischen Israelis in einer Stadt zusammen – wenn auch hinter unsichtbaren Mauern. Die Bewohner des wohlhabenderen Westteils brauchen auf den Baustellen, in Hotels und Restaurants die billigen Arbeitskräfte aus dem arabischen Osten. Bisher konnten sich die Palästinenser in der Stadt frei bewegen. Nun will die Regierung Straßensperren einrichten, um sie stärker zu kontrollieren. Doch Einzeltäter, wie die beiden palästinensischen Autofahrer, die vor wenigen Wochen in Wartende an einer Straßenbahnhaltestelle rasten und drei Menschen töteten, sind für die Polizei weiter schwer zu entdecken.

Bei lebendigem Leib verbrannt

Seit Anfang Juli gibt es in Jerusalem immer wieder Anschläge und Straßenschlachten. Damals war ein 16-jähriger Palästinenser von jüdischen Extremisten bei lebendigem Leibe verbrannt worden. Sie wollten damit den Tod von drei jüdischen Religionsschülern rächen, die im Westjordanland entführt worden waren. Seitdem kommt die heilige Stadt nicht mehr zur Ruhe.

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Einer der Brennpunkte ist das arabische Stadtviertel Silwan. Hier leben inzwischen etwa 500 jüdische Israelis zwischen rund 50 000 Palästinensern, die ihre Nachbarn als Siedler betrachten. Bei den arabischen Einwohnern verstärkt das den Eindruck, man wolle sie aus ihrer Stadt verdrängen. Sie sorgen sich auch, dass die neuen israelischen Bauvorhaben die Verbindung zwischen Ost-Jerusalem und dem Westjordanland kappen könnte. Dann wäre ein eigener Staat mit Ost-Jerusalem als Hauptstadt nicht mehr möglich.

Schwerpunkt des Konflikts aber ist der Tempelberg in der Altstadt mit Al Aksa-Moschee und Felsendom. Die Muslime glauben, dass der Prophet Mohammed von dort aus in den Himmel aufgestiegen ist. Sie sind die einzigen, die auf dem Plateau beten dürfen.

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Doch auch den Juden ist die Stelle heilig, an der einst der von den Römern zerstörte jüdische Tempel stand. So heilig, dass sie ihn eigentlich nicht einmal betreten dürfen. Sie beten an der stehengebliebenen Westmauer des Tempels, der Klagemauer.

Argwohn vieler Muslime geweckt

Aber diese seit 1967 geltende Regelung würden immer mehr rechte und religiöse Israelis gern ändern. Einige von ihnen wollen neben der Al Aksa-Moschee beten, andere dort oben den dritten Tempel errichten. Immer mehr von ihnen besuchten in den vergangenen Monaten den Tempelberg. Unter ihnen war auch eine Reihe von Abgeordneten, die versuchten, im Parlament mit einem Gesetz Juden besseren Zugang zu verschaffen.

Das weckte den Argwohn vieler Muslime, die fürchten, dass jüdische Israelis die drittheiligste Stätte des Islam ganz unter ihre Kontrolle bringen wollen. Der Konflikt spitzte sich so sehr zu, dass Ende Oktober ein Palästinenser den jüdischen Tempelbergaktivisten Yehuda Glick niederschoss und lebensgefährlich verletzte.

Ministerpräsident Netanjahu hat angekündigt, der Status quo auf dem Tempelberg werde nicht angetastet. Beruhigt hat das die Lage nicht.

Gudrun Büscher

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2014-11-19 18:10
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