Der IS-Henker "Dschihadi John" stammt aus gutem Hause

Bei dieser Person soll es sich um Mohammed Emwasi handeln, den "Henker" der IS-Terroristen.
Bei dieser Person soll es sich um Mohammed Emwasi handeln, den "Henker" der IS-Terroristen.
Foto: dpa
Der Maskenmann aus den Enthauptungs-Videos der Terror-Gruppe Islamischer Staat ist enttarnt: Mohammed Emwasi, 27 Jahre alt, Uni-Abschluss.

Washington.. Die Gesichtsmaske, hinter der sich der aus grausamen Videos bekannte Henker der islamistischen Terror-Miliz IS verbirgt, nutzt ihm ab sofort nicht mehr. Nach Recherchen der „Washington Post“ handelt es sich um den britischen Staatsbürger Mohammed Emwasi. 27 Jahre alt. Gebürtig im Öl-Scheichtum Kuweit. Aufgewachsen in einem soliden Mittelschichts-Haushalt im Londoner Stadtteil Queen‘s Park. Abschluss an der Universität von Westminster in Computer-Technik.

Geheimdienstkreise in Washington bestätigten am Donnerstag inoffiziell die Richtigkeit der Angaben. Sie widersprechen der gängigen Erzählung über die tiefe gesellschaftliche Entwurzelung vieler IS-Kämpfer, die es aus prekären Verhältnissen in Europa nach Syrien verschlagen habe. „Emwasi war nach allem, was bisher bekannt ist, kein Außenseiter ohne Perspektive“, sagte ein Terror-Forscher im US-Fernsehen.

Terrormiliz „Dschihadi John“, wie ihn Geiseln des IS nannten, tauchte zum ersten Mal im August 2014 in dem Propaganda-Video auf, das die Enthauptung des US-Journalisten James Foley (39) zeigte. In dem Film trägt der Henker schwarze Kleidung. Nur ein Sehschlitz in seiner Tarnmaske lässt die Augen und die Nase erkennen. Mit einem großen Messer in der Hand und britischem Akzent droht er dem Westen mit unbarmherziger Gewalt, sollten die Luftangriffe der Koalition gegen den Islamischen Staat nicht gestoppt werden. Später ist Foleys abgetrennter Kopf zu sehen. Das gleiche Schicksal, stets mit „Dschihadi John“ im Bild, ereilte weitere Geiseln wie Steven Sotloff (ebenfalls Journalist), David Haines (Entwicklungshelfer), Alan Henning (Taxi-Fahrer), Peter Kassig (Entwicklungshelfer) und die Japaner Haruna Yukawa und Kenji Goto.

Radikalisierung begann in Afrika

Nach Recherchen der „Washington Post“ startete die Radikalisierung Emwasis mit einem schief gelaufenen Ausflug nach Afrika. Nach der Uni wollte der in seinem Freundeskreis für höfliches Benehmen und elegante Kleidung bekannte Mann gemeinsam mit anderen, darunter einem deutschen Islam-Konvertiten namens Omar, auf eine Safari in Tansania gehen. Stattdessen wurden sie bei der Einreise in Daressalam aus unbekannten Gründen festgesetzt und nach Europa abgeschoben. In Amsterdam wurde Emwasi vom britischen Geheimdienst MI 5 empfangen und beschuldigt, mit der somalischen Terror-Gruppe Al-Shabab zu sympathisieren.

Terror 2010 kehrte Emwasi Großbritannien den Rücken, nahm in seiner Heimat Kuwait eine Stelle bei einer Computerfirma an und bereitete seine Hochzeit mit einer Frau aus dem Scheichtum vor. Bei einem Abstecher nach London wurde er von britischen Behörden festgesetzt, erkennungsdienstlich behandelt und an der Weiterreise nach Kuwait gehindert. Einem Bekannten, Asim Qureshi, der die „Washington Post“ mit entsprechenden E-Mails versorgt hat, sagte Emwasi, er fühle sich in London seines Lebens beraubt und „wie in einem Gefängnis“. Wenige Monate später verliert sich seine Spur. Behörden gehen davon aus, dass sich Emwasi seit 2012 in Syrien aufhält und dort in der Hierarchie des IS nach oben geklettert ist.

Unklar bleibt vorläufig, warum die Identität des Mannes, für dessen Ergreifung amerikanische Stellen eine Belohnung von zehn Millionen Dollar ausgesetzt haben, erst jetzt öffentlich wurde. FBI-Chef James Comey hatte bereits im vergangenen Herbst gesagt, man wisse, wer der Mörder von James Foley sei.