Der eine oder keiner - Unna vor kurioser Bürgermeisterwahl

Werner Kolter will erneut Bürgermeister von Unna werden. Die Chancen stehen gut. Einen Gegenkandidaten gibt es aller Voraussicht nach nicht.
Werner Kolter will erneut Bürgermeister von Unna werden. Die Chancen stehen gut. Einen Gegenkandidaten gibt es aller Voraussicht nach nicht.
Foto: Karl Dittrich
Was wir bereits wissen
In Unna steht bei der Bürgermeisterwahl wohl nur ein Kandidat zur Wahl. So mancher denkt schon darüber nach, die Wahl ausfallen zu lassen.

Unna.. Werner Kolter (65), seit 2004 Bürgermeister von Unna, denkt nicht an den Ruhestand. Im September möchte sich der altgediente Rathauschef im Amt bestätigen lassen. Er tritt dann für die SPD zur Wahl an und außer ihm – vielleicht kein anderer. Denn bisher ist in der 60 000 Einwohner-Stadt im östlichen Ruhrgebiet kein Gegenkandidat zu Werner Kolter in Sicht.

Und so könnte es sein, dass die Wähler nur über eine Frage abstimmen dürfen: Soll Kolter nun weitermachen oder nicht? Ja oder nein – schlichter kann ein Stimmzettel nicht aussehen.

Gegen Koller kann man nur verlieren

Kolter wird von den anderen Parteien in Unna derzeit als unbesiegbar eingeschätzt. „Niemand möchte in einem solchen Wahlkampf den eigenen Kandidaten verschleißen“, sagt Uwe Hermanski, Fraktionsgeschäftsführer der Grünen in Unna. Heißt: Gegen Kolter kann man nur verlieren. Beim letzten Mal, im Jahr 2009, holte er 65,4 Prozent der Stimmen. Der damals Zweitplatzierte, Werner Porzybot (CDU), erreichte spärliche 18 Prozent. Solche Peinlichkeiten will man sich in den anderen politischen Lagern diesmal ersparen.

OB-Kandidat Der amtierende Bürgermeister hat einen guten Ruf. Nicht nur bei der SPD und ihrer Klientel. Er gilt als Moderator, ist, wie manche sagen, ein „Typ Olaf Scholz“. Polemik liegt ihm nicht, darin ähnelt er Oberbürgermeistern wie Frank Baranowski (Gelsenkirchen) und Bernd Tischler (Bottrop), die auf vergleichbare Sympathiewerte kommen.

Abwahl auch ohne Gegenkandidat möglich

„Wir sind mit ihm zufrieden. Er ist offen für andere Standpunkte, er geht auf die Menschen zu“, lobt der Grünen-Fraktionsgeschäftsführer. Selbst die Union übt sich in bemerkenswerter Freundlichkeit: „Wir konnten bisher ganz gut mit Kolter leben“, sagt Frank-Holger Weber, stellvertretender Chef des CDU-Kreisverbandes. Allerdings hält sich die CDU offen, ob sie nicht doch noch einen eigenen Kandidaten ins Rennen schickt. Am 24. April soll dies eine Mitgliederversammlung klären. Drei von fünf Ortsunionen haben aber schon abstimmen lassen und sich gegen einen CDU-Bürgermeisterkandidaten ausgesprochen.

Sollte Kolter am 13. September tatsächlich der einzige Bewerber sein, können sich die rund 50 000 Wahlberechtigten immer noch für oder gegen ihn entscheiden. Im NRW-Kommunalwahlgesetz steht: „Gibt es nur einen zugelassenen Wahlvorschlag, ist der Bewerber gewählt, wenn sich die Mehrheit der Wähler für ihn entschieden hat.“ Noch bis 48 Tage vor der Wahl dürfen Vorschläge für weitere Kandidaten eingerecht werden. Inzwischen werden in Unna Stimmen laut, man möge doch – auch Kostengründen – gleich ganz auf diese Wahl verzichten. Aber das lassen die demokratischen Spielregeln nicht zu. Der Wähler muss abstimmen dürfen.

SPD internes Gerangel in Witten

Unangefochten die Nummer 1 – davon kann die Bürgermeisterin von Witten, Sonja Leidemann, ebenfalls seit 2004 im Amt, nur noch träumen. Ihr ärgster Gegner ist ausgerechnet ihre eigene Partei, die SPD. Leidemann möchte unbedingt noch einmal kandidieren, aber die SPD hat sich längst für einen anderen entscheiden: Frank Schweppe, Erster Beigeordneter. In diesem erbitterten Streit werden die schärfsten politischen Waffen gezückt.

Jubiläum Der Unterbezirksvorstand der SPD Ennepe-Ruhr unterstützt sogar ein von Wittener Genossen beantragtes Parteiausschlussverfahren gegen Leidemann. Die SPD will ihre Bürgermeisterin rausschmeißen, weil laut Parteistatuten kein SPD-Mitglied gegen einen bereits nominierten Kandidaten antreten darf. Leidemann und ihre parteiinternen Unterstützer argumentieren ganz anders: Die 54-Jährige habe ihre Kandidatur noch vor der Nominierung Schweppes angemeldet.

Ein Parteiloser in Hattingen am Start

In Hattingen mischt der parteilose Dirk Glaser (56), früherer WDR-Redakteur, Dokumentarfilmer und Fernsehmoderator, die Bürgermeisterwahl auf. Der Journalist hatte erst versucht, bei der SPD anzudocken, verlor aber die interne Abstimmung gegen Manfred Lehmann.

Doch Glaser steckt nicht auf. Er bewirbt sich nun im Alleingang direkt um das Bürgermeisteramt. Dabei hat er durchaus Chancen, Nachfolger der aus dem Amt scheidenden Dagmar Goch (SPD) zu werden. Denn CDU, Grüne und FDP in Hattingen unterstützen Glaser.