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Kolumne

Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz

09.09.2009 | 13:48 Uhr
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz

Die Parteien wollten den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr unbedingt aus dem Wahlkampf heraushalten. Nun ist der Krieg am Hindukusch Thema Nummer eins. Das kann eine Chance sein – wenn die Diskussion ehrlich geführt würde. Leider sieht es nicht danach aus.

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Wegducken, lavieren, Zeit gewinnen – so könnte das Motto der Parteien lauten. Und so war offenbar auch die Devise, als es jetzt im Bundestag zur Aussprache über den Angriff westlicher Bomber auf zwei Tanklaster bei Kundus kam; ein Luftschlag, der Dutzende Tote forderte, darunter womöglich nicht nur Taliban-Kämpfer, sondern auch Zivilisten – und der von der Bundeswehr angeordnet wurde. Die Truppe wird immer tiefer verstrickt in die kriegerischen Auseinandersetzungen – und die Politik reagiert immer ratloser.

Etwa die SPD. Nur zu gern möchten nicht wenige Genossen, denen der Einsatz in Afghanistan schon immer nicht so recht behagte, die Bundeswehr schnellst möglich heimholen. An der sozialdemokratischen Basis, wo viele SPD-Mitglieder pazifistischen Träumen nachhängen, war der Waffengang ohnehin nie sonderlich geliebt. Dumm nur: Die SPD hat den Beschluss für den deutschen Afghanistan-Einsatz nicht nur zugestimmt, sondern auch unter SPD-Kanzler Gerhard Schröder 2001 maßgeblich auf den Weg gebracht. Eine Revidierung des eigenen Beschlusses käme politischem Selbstmord gleich.

Auch die Union bringt keine Begeisterung mehr auf

Ähnlich sieht es bei den Grünen aus. Sie waren 2001 Regierungspartner der Sozialdemokraten, als der Afghanistan-Einsatz im Bundestag abgesegnet wurde. Auch sie stimmten zu. Allerdings: Anders als die SPD sitzen die Grünen heute nicht mehr auf der Regierungsbank; entsprechend sind deutliche Absetzbewegungen Richtung schnellem Abzug der Truppen erkennbar.

Ein Afghane vor einer Moschee in Kabul. Der Friede im Land bleibt jedoch nach wie vor brüchig. Foto: afp

CDU und CSU stehen zwar hinter dem militärischen Engagement – doch Begeisterung ist auch auf Seiten der Union nicht zu spüren. Die Christdemokraten fürchten offenbar, der auch in weiten Teilen der Bevölkerung unpopuläre Afghanistan-Einsatz könnte in der heißen Phase des Wahlkampfs vor dem 27. September zum Wahlkampf-Schlager der Gegner werden. Zwar droht der Union – siehe oben – keine Kampagne von Seiten der SPD wie 2002, als Gerhard Schröder mit seinem entschiedenen Nein zu einer deutschen Beteiligung am Irak-Krieg der Amerikaner eine schon verloren geglaubte Wahl noch zu einem gefühlten Sieg für seine Partei umbog; aber auch Wahlabstinenz mancher Anhänger könnte für die Union am Wahltag böse Folgen haben. Die Mehrheit für Schwarz-Gelb steht derzeit in den Umfragen nur hauchdünn.

Die Stunde der Linkspartei

Ihre große Stunde gekommen sehen dagegen die Strategen von der Linkspartei. Oskar Lafontaine und Gregor Gysi scheinen nur darauf gewartet zu haben, dass die Lage am Hindukusch eskaliert. Lafontaine war der erste, der nach dem Luftschlag von Kundus vor die Presse trat und in routinierter Empörung den Abzug der deutschen Soldaten forderte. Was danach geschieht? Darauf haben auch die Linken keine Antwort.

So unterschiedlich die Ansätze und Ausgangspositionen der verschiedenen Parteien auch sind – eines haben sie gemeinsam: das Fehlen einer durchdachten und soliden Zukunftsstrategie für das deutsche Engagement in Afghanistan. Stattdessen wirft man mit Jahreszahlen für einen Abzug um sich, so wahllos die genannten Daten auch sein mögen. Selbst Alt-Kanzler Schröder hat sich mit seiner Forderung nach einem Rückzug spätestens im Jahr 2015 aus dem politischen Ruhestand gemeldet.

Eiertanz und halbherzige Strategie

Andere, darunter Schröders Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) fordern nun vehement, es müsse ein klares Szenario für die Übergabe der Macht an die afghanischen Behörden aufgezeichnet werden. Das klingt gut – ist aber in einem Land, das zu einem Drittel von Aufständischen beherrscht wird und dessen Präsident Karsai mehr durch seine korrupte Verwaltung und durch Wahlfälschungs-Vorwürfe Schlagzeilen macht als durch kluge und verlässliche Politik, nur ein frommer Wunsch der Kanzlerin.

Nun rächt sich, dass der Großteil der in der Verantwortung stehenden Politiker den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan über Jahre hinweg gleichsam nur mit spitzen Finger angefasst hat: Man machte mit, weil man irgendwie nicht anders konnte, obwohl man doch lieber nicht gewollt hätte. Man redete sich ein, die Bundeswehr würde in und um Kundus ein paar Brücken reparieren und Brunnen ausheben; als dann die ersten Soldaten tot heimkehrten, tat die Politik ebenso überrascht und hilflos wie betroffen. Der Eiertanz, den Verteidigungsminister Franz-Josef Jung (CDU) und andere vollführen, indem sie beharrlich den Begriff Krieg in Zusammenhang mit dem Einsatz vermeiden, ist symptomatisch für die halbherzige Strategie.

Leidtragende sind in erster Linie die deutschen Soldaten, die in Afghanistan ihr Leben riskieren. Sie vermissen seit langem ein klares Bekenntnis der Politik zu ihrer Arbeit. Und sie vermissen ebenso eine klare Strategie wie es für den deutschen Einsatz in Kundus weitergehen soll. Die letzten Tage in Berlin dürften für die Truppe in dieser Hinsicht wenig Hoffnung gebracht haben.

Walter Bau

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Kommentare
10.09.2009
22:04
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von Abgebrühter Bruder | #21

Waren es eventuell die beiden Dienst-Tankwagen von Ullalalala ?

10.09.2009
21:12
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von Abgebrühte Berlinlustconibrut | #20

18--- Es sind keine Bombentrichter, es sind gebohrte Brunnen .

10.09.2009
17:54
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von rote zora | #19

Die Merkel, der Jung und wie sie alle heissen, die haben gut reden... die müssen ja auch nicht ihre Rüben in Afghanistan hinhalten. Empfehle einmal in Google Earth das Land Afghanistan zu überfliegen.... Bombentrichter an Bombentrichter, keine Wunder das dort kaum noch etwas wächst !

10.09.2009
07:58
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von Sieger08 | #18

Warum tritt Jung nicht zurück? Es scheint ihm das Rückgrat zu fehlen...............

09.09.2009
20:08
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von juergengojny | #17

Man fragt sich, ob nun bei jeder Militäroperation gegen die extremislamistischen Taliban-Terroristen eine hochnotpeinliche juristische Untersuchung angeleiert werden soll. Die Schiefe der Diskussion wird deutlich, wenn man sich vor Augen hält, daß alle möglichen Berufenen und Unberufenen über angebliche zivile Opfer spekulieren, aber eine Opferkategorie geflissentlich ausblenden, nämlich die von den Taliban ermordeten Fahrer der Tanklastzüge. Sind das etwa keine Zivilisten oder passen diese Opfer nicht in das voluntaristische Weltbild der selbst ernannten Kritiker des Militäreinsatzes. Eigenartigerweise hat die Bevölkerung um Kundus den Angriff auf die Talibanextremisten erstaunlich ruhig hingenommen. Gäbe es auch so eine Diskussion, wenn es sich bei den getöteten Taliban nicht um Muslime handeln würde. Die ganze Diskussion, insbesondere das Gebaren der pseudolinken Kurrastodesschützenpartei erinnert fatal an ein Gedicht von Kurt Tucholsky, daß auf die aktuelle Situation abgewandelt lautet: Küsst die Taliban, wo ihr sie trefft!

09.09.2009
19:40
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von mitterschultebob | #16

Die Linken haben deutlich gesagt: Raus aus Afghanistan. Und die Reichen müssen mehr abdrücken. Darum wähle ich sie, mit Genuss!

09.09.2009
18:09
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von Ralf Lehmann | #15

mein gott was für ein volk sind wir eigentlich den amis siind schon mehrerer unglücke in afganistan pasiert jetzt ist den deutschen mal ein tötlicher fehler unterlaufen und die ganze welt schimpft auf die bösen deutschen , wenn das den amis alleine pasiert wäre würde es sich keiner wagen zu schimpfen und zu meckern die engländer und franzosen sollen sich mal an die eigene nase packen wieviele unschuldige sie schon getötet haben aber die dürfen das wahrscheinlich da ist das ja nicht so schlim.und die ganzen poliriker die jetzt einen abzug fordern stimmten im vergangenen jahr noch für den einsatz armes deutschland macht weiter so und gebt den taliban oder el kaida doch gleich eine einladung hier für anschläge in unserem land den die ganze diskutiererei lädt die el kaida geradezu ein um hier zuzuschlagen

09.09.2009
17:06
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von taxpit | #14

Da ging es den Politikern so, wie einigen Bänkern Jahre später. Großmannsssucht und geringer Einsatz waren die Voraussetzungen.
Deutschland ist wieder wer, wir mischen ojne Ahnung zu haben im Weltgeschehen mit bei geringstem Einsatz, das Geld/Leben verlieren die Anderen

09.09.2009
16:20
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von aufrecht | #13

Seit Jahrtausenden haben sich fremde Mächte im heutigen Afghanistan blutige Nasen geholt. Selbst Alexander der Große war noch so schlau mit seiner Armee das Land sehr schnell zu durchqueren. Erobert hat er es nicht. Warum? Das Land war für ihn nicht einen einzigen verlorenen Soldaten wert. Der Mann war halt klug.
Jahrhunderte später bekamen zuerst die Briten, dann die Russen wieder sehr blutige Nasen. Narren, die für ein paar wertlose Geröllhaufen das Leben ihrer Soldaten opferten. Natürlich erfolglos.
Jetzt sind es die Amis, die diesen Schwachsinn wiederholen. Die Russen und Andere schauen feixend dabei zu.
Nur ein paar hirnlose Politiker in Deutschland unterstützen diesen sinnlosen Krieg und schicken ihre Bürger weiter in den Tod.
Deutsche sofort raus aus dem Land.
Es ist sinnlos!

09.09.2009
16:17
Der Eiertanz um den Afghanistan-Einsatz
von kuba4711 | #12

Das wollte ich auch feststellen:Herr Bau ,unterlassen Sie gefälligst solche Aussagen.
Faktisch erfüllen Sie den Straftatbestand der üblen Nachrede.
Kühlen Sie in Zukunft ihr Mütchen an den Schreibtischtätern in Berlin ,die für mehrfachen Tod - in deutschem Namen - verantwortlich zeichnen.
Eine bodenlose Frechheit ist das.

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