Der Aufstieg der Schottischen Nationalpartei

London..  Den Untergang Labours und den sagenhaften Aufstieg der Schottischen Nationalpartei SNP macht wohl kein Beispiel deutlicher als das der erst 20-jährigen Mhairi Black. Die schottische Politikstudentin wird nach den Parlamentswahlen als jüngste Abgeordnete seit 1667 in das britische Unterhaus einziehen. In ihrem schottischen Wahlkreis Paisley bekam die junge Kandidatin der Schottischen Nationalpartei (SNP) 51 Prozent der Stimmen und nahm damit ausgerechnet dem Wahlkampfmanager der Labour-Partei und Schatten-Außenminister von Ed Miliband, Douglas Alexander, das Direktmandat ab.

Die SNP bekam 56 der 59 möglichen schottischen Sitze im Parlament in Westminster. Kommentatoren sprachen von einem „politischen Tsunami“. Den Erfolg verdankt die SNP auch Nicola Sturgeon (44). Als Schottlands Nationalbewegung im vergangenen Jahr das Unabhängigkeits-Referendum knapp verlor und Alex Salmond als Vorsitzender der Nationalpartei zurücktrat, gab es nur eine logische Nachfolgerin. Nicola Sturgeon, bis dahin außerhalb Schottlands kaum bekannt, hat fast ihr ganzes Leben in den Dienst der sozialdemokratischen SNP gestellt. Die Chefin der Regionalregierung in Edinburgh machte im Wahlkampf mit die meisten Schlagzeilen – obwohl sie gar nicht zur Wahl stand.

Lange stand Sturgeon, die seit 1999 im schottischen Regionalparlament sitzt, als Nummer zwei hinter dem charismatischen Salmond. Ganz heraustreten konnte sie aus seinem Schatten bislang nicht, auch wenn die Presse sie in den vergangenen Wochen recht einhellig zur „Königin der Schotten“ kürte - und sie wahlweise als politische Lichtgestalt vergötterte oder als „gefährlichste Frau Großbritanniens“ verdammte.

Die verheiratete, kinderlose Politikerin übernahm nach dem Referendum ein durch und durch politisiertes Land und führte den Triumphzug der SNP nahtlos weiter. Der hatte mit einem Sieg bei den Regionalwahlen 2007 begonnen und durch das verlorene Referendum kaum einen Knick bekommen: Die Mitgliederzahlen der Partei schnellten danach in die Höhe, die Hälfte der bisher auf nationaler Ebene traditionell Labour wählenden Schotten entschied sich diesmal für die Nationalpartei.

Das ist auch Sturgeon zu verdanken, die, wenn es möglich gewesen wäre, auch viele englische Sozialdemokraten gern unterstützt hätten. Die in ihren Blazern optisch an Angela Merkel erinnernde studierte Juristin glänzte in Debatten als gewitzte, angriffslustige, aber nie zu aggressive Rednerin.

Sturgeon betonte zwar nach dem überwältigenden Erfolg erneut: „Bei dieser Wahl ging es nicht um die Unabhängigkeit.“ Doch dass die SNP von ihrem Herzensprojekt ablässt, ist insbesondere für den Fall nicht zu erwarten, dass Großbritannien tatsächlich in Richtung eines EU-Austritts driften sollte.