Der Arzt als Verkäufer

Nicht jede Untersuchung und jede Behandlung ist sinnvoll - sagt die AOK.
Nicht jede Untersuchung und jede Behandlung ist sinnvoll - sagt die AOK.
Foto: Fredrik von Erichsen
Was wir bereits wissen
Da reibt man sich die Augen. Der Patient soll sich die Information am Computer holen? In welcher Welt leben wir, wenn wir die Information nicht vom Fachmann fordern? Vom Arzt!

Ärzte röntgen, dabei bringt es nichts. Ärzte schicken ihre Patienten zum Ultraschall, dabei ist es sinnlos. Wer das hört, könnte Angst bekommen. Sicher, die Studie der AOK macht zu Recht skeptisch. Doch Vorsicht: Viele Untersuchungen sind trotzdem sinnvoll. Dass die Lebenserwartung der Menschen steigt und steigt, liegt auch daran, dass Diagnosen und Therapien immer besser werden.

Das Problem ist wohl eher, dass Patienten nicht wissen, welche Untersuchungen wirklich nützlich sind und welche nicht. Es gebe zu wenig wirklich gute Information im Internet dazu, bemängeln die Experten. Da reibt man sich die Augen. Der Patient soll sich die Information am Computer holen? In welcher Welt leben wir, wenn wir die Information nicht vom Fachmann fordern? Vom Arzt! Der hat keine Zeit, heißt es. Doch für das Anpreisen frei verkäuflicher Produkte und medizinischer Zusatzleistungen, die ihm Geld in die Kasse spülen, nimmt er sich die Zeit. So verwerflich das klingen mag – es ist der Preis eines Gesundheitssystems, das dem Arzt kein Geld für ein beratendes Gespräch bietet. Das ist das eigentlich Fatale.

Umso erstaunlicher ist es also, dass es dennoch eine Reihe Ärzte gibt, die ihren Patienten auch mal klipp und klar sagen, dass eine Reihe dieser Sonderleistungen Quatsch sind. So ein offenes Wort ist übrigens beste Werbung. Es spricht sich herum, welcher Arzt nur was verkaufen will.