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Fortbildung

Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart

05.02.2012 | 18:54 Uhr
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
Nicola Nothoff (Mitte) und Heidrun Schauerte (re.) unterrichten an der Gemeinschaftsschule Bochum in den Hauptfächern als Team. Hier arbeiten sie mit den Fünftklässlern Büsra, Ceyda und Eyüphan (v.l.). Individulles Lernen in kleinen Klassen steht hier im Vordergrund. Foto: Matthias Graben

In diesen Tagen laufen die Anmeldungen an den 50 genehmigten Sekundarschulen, den Gemeinschaftsschulen und den Gesamtschulen. Im August soll der Unterricht starten. Doch wer die Lehrerkollegien dafür wann und wie fortbilden soll, ist noch weitgehend offen. Die Lehrerverbände drücken aufs Tempo.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnt vor einem Fehlstart für die soeben genehmigten 50 Sekundarschulen im Land. GEW-Chefin Dorothea Schäfer fürchtet, dass die Lehrer auf den Start im August nicht ausreichend vorbereitet werden: „Die Lehrer brauchen dringend Fortbildung. Bisher steht im Haushalt aber kein Extra-Budget dafür. Auch die maximale Klassengröße müsste festgeschrieben werden. Bisher heißt es nur ,mindestens 25 Schüler’ Beim Modellprojekt Gemeinschaftsschule gilt das als Höchstzahl. “

In Sekundarschulen sollen Kinder mit Förder-, Haupt- und Realschulempfehlung gemeinsam unterrichtet werden, unter Beachtung gymnasialer Standards.

Auch der Verband Bildung und Erziehung (VBE) drückt aufs Tempo. „Im April müssten die Moderatoren qualifiziert sein, die die neuen Lehrerteams fortbilden sollen. Dabei steht das Konzept noch nicht einmal, es ist noch gar nicht klar, ob es genug Moderatoren gibt,“ drängt VBE-Vorsitzender Udo Beckmann. Das Schulministerium wollte auf WAZ-Anfrage keine Termine nennen. Das Konzept sei „in Arbeit und rechtzeitig zur Aufbauphase fertig.“

Unterricht startet im August

Voll bei der Sache: Diab und Cheyenne (v.r.) mit ihrem Arbeitsblatt. Für Nicola Nothoff ist es die erste Stelle als fertige Lehrerin. Und sie ist begeistert von der Gemeinschaftsschule. Foto: Matthias Graben

Viel Zeit bleibt nicht mehr, um Lehrer, die bislang nur mit Kindern aus einer einzigen Schulform wie Haupt-, Real- oder Förderschule oder auch mit Gymnasiasten gearbeitet haben, auf die Herausforderung Sekundarschule vorzubereiten. Im Februar laufen die Anmeldungen, im März steht fest, wie viele Schulen gegründet werden, im August startet der Unterricht.

GEW-Vorsitzende Dorothea Schäfer: „Das Problem ist, dass es kein landesweites Fortbildungsinstitut mehr gibt. Das hat die Rüttgers-Regierung aufgelöst. Es soll zwar wieder etwas Neues aufgebaut werden; aber das dauert noch.“ Und dass individuelle Förderung künftig im Vordergrund stehen muss, stehe zwar schon lange im Schulgesetz. „Aber passiert ist dabei noch nicht viel.“ Koordinierte Fortbildungsangebote gibt es kaum.

Gesamtschullehrer bieten Senior-Experten an

Der Verband der Gesamtschullehrer (GGG) hat nun eigens Senioren-Experten-Team zusammengestellt, um den Kollegen bei der Umstellung zu helfen. Wolfgang Kerski vom Vorstand der GGG: „Viele dieser Lehrer sind überhaupt nicht gewohnt, so differenziert zu arbeiten. Viele träumen noch von einheitlichen Lerngruppen statt von individueller Förderung mit verschiedenen Standards. Wer soll denn die Kollegen alle qualifizieren?“

Dr. Elmar Philipp, Doktor der Pädagogik und als Referent und Fortbildungsexperte schon lange vor allem im Regierungsbezirk Düsseldorf aktív, hat ein erstes Vorbereitungsprogramm für Sekundarschulen bereits erarbeitet. „Aber da kommt noch eine Menge auf uns zu. Das wird sich ja fortsetzen. Ich weiß von vielen weiteren Gemeinden, die im nächsten Jahr einsteigen möchten. Da braucht es viele Berater, viel Schulung.“ Philipp berät auch Gemeinden, die die Umstellung vorbereiten möchten. Auch er hofft, dass die Landesregierung jetzt schnell reagiert, es noch mehr Fotbildungsbudget gibt.

Erste Seminare in Arnsberg im Mai

Birgit Linden leitet die Gemeinschaftsschule in Bochum. Erfahrung mit individueller Förderung hatte sie allerdings auch vorher schon reichlich gesammelt. Foto: Matthias Graben

Die Koordination der Lehrer-Fortbildung liegt bei den Bezirksregierungen, „Kompetenzteams“ aus den Städten sollen sie übernehmen. Doch die sind sehr unterschiedlich aufgestellt. Im Regierungsbezirk Arnsberg (östliches Ruhrgebiet/Westfalen) gibt es immerhin schon erste Seminartermine für den Mai, wo der genau Bedarf der neuen Teams abgeklärt werden soll.

Beim Modellversuch Gemeinschaftsschule, der im August 2011 startete, waren die Startbedingungen günstiger, obwohl die Anforderungen in beiden Schulformen sehr ähnlich sind. Maximal 25 Kinder je integrierter Klasse, ein Extra-Budget für Fortbildung, viele engagierte Lehrer für die wenigen Pionierschulen. Wie in der Bochumer Gemeinschaftsschule. In den Hauptfächern unterrichten stets zwei Lehrer, ergänzen einander. Die Stimmung in den kleinen Klassen ist ausgezeichnet, die Unterrichtsmethoden sind vielfältig. Jeder lernt hier nach seinen Möglichkeiten. Individueller geht Förderung kaum. Allerdings: 23 Kinder und zwei Lehrer, davon kann manche andere Schule auch nur träumen.

Insgesamt 69 neue, integriert arbeitende Schule geplant

Schulleiterin Birgit Linden hat vorher eine Hauptschule geleitet, die mit Förderschülern gearbeitet hat. Sie fühlte sich gut vorbereitet auf die neue Herausforderung. Und sie ist – zumindest für die beiden für Bochum genehmigten – auch in Sachen Sekundarschule optimistisch. Weil sie von vielen engagierten und in differenzierter Arbeit erfahrenen Kollegen wisse, die mitmachen wollen.

Um all die Lehrer ohne Erfahrungen mit integrierter Arbeit müsste sich die Landesregierung nun allerdings sehr bald kümmern. Und bei 50 Sekundar- plus 19 neuen Gesamtschulen dürften das eine ganze Menge sein.

Sibylle Raudies

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Kommentare
06.02.2012
11:48
@8 khowalski:
von Syndikus | #9

Jetzt vermischen Sie aber unzulässigerweise familiäre Herkunft und schulische Leistungsfähigkeit. In der 5. Gymnasialklasse meines Sohnes gehört bspw. ein Junge mit schwarzafrikanischer Abstammung ganz selbstverständlich zu den Klassenbesten - weil er wissbegierig und fleißig ist. Wir sind sehr froh, dass unser Sohn mit diesem netten und ausgesprochen höflichen Jungen mittlerweile sehr gut befreundet ist. Natürlich gibt es in der Klasse leider auch Rabauken - aber das verteilt sich recht gleichmäßig auf Kinder mit und ohne Migrationshintergrund.

Im Vergleich dazu hört man etwa vom Privatgymnasium Stadtkrone und/oder Mallinckrodtgymnasium in Dortmund auch nicht nur Positives. Wenn die Eltern den Kindern zu viele Wege ebnen, alle Steine aus dem Weg räumen und Erziehung durch Verwöhnen ersetzt wird, ist das nicht unbedingt förderlich für die kindliche Entwicklung. Und allein ein privat finanziertes Whiteboard im Klassenzimmer macht noch keinen guten Unterricht ...

06.02.2012
11:21
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
von khowalski | #8

Meine Kleine kommt auf ein privates Gymnasium. Wenn ich schon das Bild und die Namen und den "Kopfschmuck" in der 5. Klasse sehe und wenn das exemplarisch für den linksgrün demagigischen Schulversuch am lebenden Objekt sein soll, dann gute Nacht Deutschland.

06.02.2012
10:55
Kardinalfehler
von bearny | #7

Die Sekundarschule soll die Hauptschule aufwerten, indem sie mit der Realschule zusammengelegt wird. Nettt gedacht, aber der Kardinalfehler ist, daß die Realität anders aussehen wird als gedacht:
Anstatt auf-, wird abgewertet. Bekam man manche Ausbildungsplätze vorher schon schwer mit Realschulabschluß, geschweige denn als Hauptschulabsolvent, so steuert man jetzt auf eine Zweiklassengesellschaft zu. Sekundarschule? Tut uns leid, aaaber.. viel Glück auf dem weiteren Lebensweg. Nicht schwächeren Schülern werden mehr Möglichkeiten gegeben, sondern den erfolgreicheren mehr Steine in den Weg gelegt.
Nicht zuletzt auch durch die Wahrscheinlichkeit, daß im Schulalltag zuvor lernunwillige Kinder nicht automatisch zu Lernmonstern werden, sondern den Rest mit behindern.
Es sei denn, man hat das Glück, gymnasial befähigt zu sein, das dürfte dann fast wie eine Eintrittskarte ins Berufsparadies sein. Ergo wird nun schon in der Schule und nicht erst auf dem Arbeitsmarkt die Klassengesellschaft zementiert. Frühe Vorbereitung nennt sich das dann.

06.02.2012
10:05
Nirgendwo auf der Welt wird schon
von meigustu | #6

vorpubertär sortiert. ALso warum daran jetzt die Welt untergehen sollte ist ein Rätsel.

Die alten Kämpfer für die konkurrenzlose Vererbung von Eliteposten sollen doch nach England rüber machen. Da kriegt auch der dümmste Edelmann einen Posten.

In einem modernen Land mit schrumpfender Bevölkerung können wir uns allerdings nicht so ein hirnlosen Luxus erlauben den die Briten sich gönnen.

06.02.2012
09:53
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
von Syndikus | #5

Die Sekundarschule ist und bleibt eine Mogelpackung. Wie soll man Förderschüler, Hauptschüler und Realschüler "unter Beachtung gymnasialer Standards" gemeinsam unterrichten? Dann könnte man doch der Einfachheit halber gleich alle Schulen in Gymnasien umbenennen. Es liegt auf der Hand, dass eine solche Gleichmacherei von vorneherein zum Scheitern verurteilt ist. Auch den Kindern tut man damit im Zweifel keinen Gefallen: entweder man überfordert sie oder gibt ihnen nicht die Entwicklungsmöglichkeiten, die sie eigentlich verdienen. Spätestens in zehn Jahren wird die Unzulänglichkeit des neuesten Schulprojektes praktisch erwiesen sein - und die rot-grüne Landesregierung wird einmal mehr nicht die Verantwortung für eines ihrer ideologisch belasteten Politexperimente übernehmen, sondern sonstwen für das eigene Scheitern verantwortlich machen (war das nicht auch eigentlich der Rüttgers schuld?). Die armen Kinder, die das ausbaden müssen! Aber das sind ja auch nicht die Kinder der verantwortlichen Landesminister, den die die gehen auf Gymnasien oder private Eliteschulen!

1 Antwort
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
von Irabu | #5-1

Wie das funktioniert? Das machen doch seit Jahren die Gesamtschulen erfolgreich vor.
Wenn sie sich mit dem System besser auseinandergesetzt hätten wüßten sie dass es differenzierten Unterricht gibt, in dem alle Kinder ihrer Fähigkeit entsprechend lernen.

06.02.2012
09:13
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
von Hausmeister1 | #4

Irgendwie verkommen wir immer mehr zur DDR 3.0

Kinderkrippen oder Hort=wurde kaputt geredet und ist jetzt wieder salonfähig.
Gemeinschaftsschule,schönen Gruß an alle dummen Ausländer und integratinsstreuber.

Früher war ich für die Gesamtschule offen,da war aber noch nicht so eine Verwahrlosung auf der Schulform.Heute möchte ich nicht mal mehr in die Nähe so einer Schulform.

Was in Deutschland los ist,ist erschreckend.Das sich die Deutschen von den Ausländern und den Menschen abgrenzen wollen die zu Miete wohnen und der Vater bei TK arbeitet und die Mutter putzt ,kann ich auch nicht nachvollziehen.Hier fängt doch schon die 3 Klassengesellschaft an.


Aber mal unter uns, ich möchte auch nicht das meine Kinder mit einem hohen Anteil an Migranten in einer Klasse kommt und mit einem hohen Anteil an Hartz4 Empfängern.


Dann lieber mit Menschen die einen schönen Vorgarten haben und 3 Autos in der Familie.
Die sind so schön Oberflächlich-einfach. ;) Schönen Gruß

06.02.2012
09:07
Wo wir gerade beim neumachen sind
von meigustu | #3

wäre das doch auch eine gute Gelegenheit, sich von den Kosten und den unflexibelen Schulbüchern zu befreien. Ein Umstieg auf E-Ink Reader böte sich geradezu an. Die Dinger haben anders als Eipott und Co keinen Schickinicki drauf und können nach und nach mit den Materialien gefüttert werden, die staatlich bezahlt an den Unis und im Alltag entwickelt werden.

1 Antwort
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
von joshi33 | #3-1

ich möchte einen Schulraum sehen, dermit 25(+) Steckdosen für das Nachladen ausgestattet ist.

Mal abgesehen davon, dass es bei solchen Unterrichtsmaterialien ERST RECHT einen riesen Schulungsbedarf für die Lehrkräfte gäbe - die Schüler kämen da sicher mit zurecht...

Hätte ich ein Kind im entsprechenden Alter würde ich auf eine "klassische" Schulform setzen, wenn der Lehrplan erst noch entworfen und erprobt werden muss. Die Schulzeit ist zu kurz bemessen, um 1 oder 2 Jahre, die im Versuchskanickel-Status ggf. schief laufen bei einer späteren Jobsuche verschmerzbar zu machen!!

06.02.2012
08:59
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
von OttoZausel | #2

Von solchen "Fachleuten", die sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen ein Amt erschlichen haben, indem sie allen Kompetenz vorgetäscht haben, ist nichts anderes als eine Katastrophe zu erwarten.
Aus Erfahrung weiß ich, dass zumeist abgetakelte, unfähige arbeitsmüde Lehrer sich um Posten bemühen. Dort wüten sie dann aus Rache so lange herum, bis die Schullandschft wieder mal am Boden liegt.
Ich fordere konstante Schulpolitik, an der keine sich gerade an der Macht befindliche unfähige Minister herumdoktorn dürfen!

06.02.2012
08:16
Hoffentlich sind wenigstens die Bücher da,
von meigustu | #1

nicht das die SPD sich als genauso unfähig erweist wie die CDU bei der Einführung von G8.

An dem Start der Gemeinschaftsschule wird man erkennen können ob die SPD mehr kann als die CDU, ob sie mehr als schwätzen kann und auch das Tagesgeschäft einer Regierung beherrscht.

1 Antwort
Den neuen Sekundarschulen droht ein Fehlstart
von Irabu | #1-1

Ich glaube kaum, dass man die Partei dafür verantwortlich machen kann wie letztendlich die Sekundarschule umgesetzt wird vor Ort. Es werden doch nur Richtlinien vorgegeben die viel Spielraum lassen für die jeweilige Situation in den Gemeinden.
Außerdem wurde auch frei gestellt wann die Sekundarschule startet. Also verantwortlich sind auf jeden Fall die Städte

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