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Hinrichtungen

Chamenei droht Saudi-Arabien mit „göttlicher Rache“

03.01.2016 | 14:21 Uhr
Chamenei droht Saudi-Arabien mit „göttlicher Rache“
Der Iran protestiert gegen die Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien. Foto: dpa

Teheran/Riad.  Saudi-Arabien hat 47 Menschen hingerichtet. Das löst weltweite Kritik aus. In Teheran ist die saudische Botschaft gestürmt worden.

Nach der Hinrichtung des schiitischen Geistlichen Nimr al-Nimr in Saudi-Arabien haben Demonstranten in der Nacht zum Sonntag die Botschaft Riads in Teheran gestürmt und Teile des Gebäudes in Brand gesetzt. Das berichteten Augenzeugen der Deutschen Presse-Agentur. Andere Bereiche innerhalb der Botschaft seien von den Demonstranten verwüstet worden. Es kam zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizei. Mehrere Randalierer wurden festgenommen.

Die Polizei war auf den plötzlichen Angriff in der Nacht nicht vorbereitet. Zwar bekam sie die Lage letztendlich in den Griff, aber die Verwüstung konnte sie nicht verhindern. Auch die Feuerwehr kam erst später, um den Brand zu löschen. 

Der oberste Führer des Irans, Ajatollah Ali Chamenei, hat Saudi-Arabien göttliche Rache in Aussicht gestellt. „Zweifellos wird das zu Unrecht geflossene Blut dieses Märtyrers Folgen haben, und die saudischen Führer werden die Rache Gottes spüren“, sagte Chamenei am Sonntag. Al-Nimr habe nie zu einem bewaffneten Aufstand aufgerufen, er sei nur seinen religiösen Pflichten nachgekommen, erklärte der Ajatollah nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Isna.

Internationale Kritik

Al-Nimr war am Samstag mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorismusvorwürfen exekutiert worden. Der Iran - der schiitische Rivale des sunnitisch geprägten Saudi-Arabien -  hatte mit Empörung auf die Hinrichtung reagiert.

Das iranische Außenministerium verbot in einer Presseerklärung nach dem Angriff alle Versammlungen vor der saudischen Botschaft in Teheran und dem Konsulat in Maschhad im Nordostiran vorläufig.

Die Hinrichtungen in Saudi-Arabien lösten überdies international Besorgnis vor neuen Spannungen in der Region aus. Auch EU, Europarat und deutsche Oppositionspolitiker kritisierten die Massenhinrichtungen. Die USA riefen Saudi-Arabien auf, „die Menschenrechte zu respektieren und zu schützen“.

Demonstrationen angekündigt

Iranische Demonstranten wollen am Sonntag in Teheran gegen die Tötung al-Nimrs auf die Straße gehen. Nach einem Aufruf der islamischen Studentengemeinde sollen die Demonstranten vor das Gelände der saudischen Botschaft ziehen.

Der 55-jährige Al-Nimr war wegen seiner Kritik an der Unterdrückung der religiösen Minderheit in Saudi-Arabien durch das sunnitische Königshaus eingesperrt worden. Der Aktivist war für seine Unterstützung friedlichen Protests bekannt. Inspiriert von den Protesten der arabischen Aufstände hatte er im von Schiiten bewohnten saudischen Osten ab 2011 Demonstrationen organisiert.

Irans Regierung bestellte den Vertreter des saudischen Botschafters ein. „Anstatt sich mit den (IS-) Terroristen zu beschäftigen, die die Region und die ganze Welt gefährden, lassen die Saudis eine Persönlichkeit wie al-Nimr hinrichten“, sagte Irans Außenamtssprecher Dschaber Ansari.

151 Hinrichtungen 2015

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty hatte in der Vergangenheit kritisiert, Saudi-Arabien setze das Todesurteil auch als politisches Instrument gegen die schiitische Minderheit ein, die etwa 15 Prozent der Bevölkerung ausmacht. In dem überwiegend sunnitischen Land waren bereits in den vergangenen Monaten schiitische Geistliche und Aktivisten zum Tode verurteilt worden.

In sozialen Medien kursieren diverse Aufrufe zu Protesten in Saudi-Arabien. Zunächst wurden aber keine Demonstrationen aus dem ultrakonservativen Königreich gemeldet. Im benachbarten Bahrain, wo Schiiten die Mehrheit der Bevölkerung stellen, kam es dagegen zu Protesten.

Saudi-Arabien rechtfertigte die Exekutionen mit den terroristischen Taten der Betroffenen. Diese folgten „den Fußstapfen des Teufels. Durch ihre terroristischen Taten ist unschuldiges Blut vergossen worden mit dem Ziel, die Stabilität in diesem Land zu erschüttern“, hieß es nach Angaben der staatlichen saudischen Nachrichtenagentur SPA in einer Stellungnahme des Innenministeriums in Riad vom Samstag.

Saudi-Arabien hatte 2015 laut Menschenrechtlern so viel Todesurteile vollstreckt wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der Anstieg geht einher mit der Machtübernahme von König Salman im Januar. Von Januar bis November waren demnach mindestens 151 Menschen hingerichtet worden, hatte Amnesty mitgeteilt - im gesamten Jahr 2014 seien es 90 gewesen. Die Verurteilten werden entweder enthauptet oder erschossen.

SPD-Spitze mahnt Menschenrechte an

Nach den Massenhinrichtungen in Saudi-Arabien drängt die SPD-Spitze zur Unnachgiebigkeit in Menschenrechtsfragen gegenüber der Regierung des Königreichs. Der stellvertretende SPD-Vorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel sagte unserer Redaktion, die Hinrichtungen seien schockierend. Saudi Arabien sei „ein Partner gerade mit Blick auf die Stabilität in der Region“. Doch fügte er hinzu: „Das wird uns aber nicht zur Nachgiebigkeit in der Frage der Menschenrechte verleiten. Die Führung in Saudi-Arabien ist aufgefordert, die Einhaltung der Menschenrechte sicherzustellen.“

Der SPD-Vize fügte hinzu: „Wir lehnen die Todesstrafe klar und deutlich ab, leider ist sie kein Einzelfall.“ Schäfer-Gümbel nannte die Lage in Saudi-Arabien und im Iran „besorgniserregend“. Alle Seiten in Saudi-Arabien wie auch im Iran seien aufgefordert, jetzt nicht zu weiteren Eskalationen, sondern zu rhetorischer Abrüstung beizutragen. (mit dpa) 

Kommentare
04.01.2016
13:20
Chamenei droht Saudi-Arabien mit „göttlicher Rache“
von RiostattBio | #3

Wenn das da unten so weiter geht, hat es den Vorteil, das die WM 2022 nicht in Katar stattfindet. Die schaffen das.

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Chamenei droht Saudi-Arabien mit „göttlicher Rache“
Chamenei droht Saudi-Arabien mit „göttlicher Rache“
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2016-01-03 14:21
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