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Dauer-Winter kostet Milliarden

26.03.2013 | 00:21 Uhr

Berlin/Dortmund. Verwaiste Baustellen, hoher Krankenstand, halbleere Geschäfte im Einzelhandel: Der lange Winter kostet die deutsche Wirtschaft viel Geld. Hochgerechnete Zahlen der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) ergaben, dass durch krankheitsbedingte Ausfälle mit einem Produktivitätsverlust von bis zu sechs Milliarden Euro im ersten Quartal des laufenden Jahres zu rechnen sei. Der Deutsche Industrie und Handelskammertag rechnet zusätzlich mit zwei Milliarden Euro, die der Wirtschaft verloren gehen.

Wie die KKH gestern mitteilte, blieben allein in diesem Januar ein Drittel mehr Arbeitnehmer mit einer Erkältung im Bett als im Januar 2012. Bundesweit wurde insgesamt 38 220 Versicherten der Krankenkasse im Januar 2013 eine Arbeitsunfähigkeit wegen Erkältungskrankheiten bescheinigt, im Schnitt fehlten sie sieben Tage. Bei der Diagnose „grippaler Infekt“ stieg die Quote sogar um 46 Prozent. Die KKH bezifferte den Produktivitätsverlust aller gesetzlich Versicherten im Januar auf zwei Milliarden Euro. Hochgerechnet bis Ende März kommt die Kasse auf sechs Milliarden Euro. Man könne nicht ausschließen, dass der Verlust noch höher sei, sagte eine KKH-Sprecherin dieser Zeitung. Denn wie aus dem Influenza-Wochenbericht des Robert-Koch-Instituts hervorgeht, ist die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen im Februar noch einmal deutlich gestiegen. „Das trifft den Mittelstand besonders hart, denn große Unternehmen können krankheitsbedingte Ausfälle leichter ausgleichen als ein kleiner Betrieb mit hoch spezialisierten Fachkräften“, sagte der Präsident des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, Mario Ohoven.

Einzelne Branchen trifft der Winter nicht nur wegen erkrankter Mitarbeiter hart – darunter das Transport- und Verkehrsgewerbe, aber auch den Gartenbau. Der Frost hält viele Menschen davon ab, den Garten neu zu bepflanzen. „Das ist eine Katastrophe und für manche Betriebe existenzgefährdend“, klagte Heiner Esser vom Landesverband Gartenbau Rheinland. Vor allem Großhändler blieben auf der Ware sitzen. Ein Betrieb habe von 100 000 Primeln erst 10 000 Stück verkauft.

„Im Januar haben wir bei den geleisteten Arbeitsstunden einen Rückgang von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, heißt es beim Verband der Bauindustrie NRW. Im Tiefbau liege der Rückgang sogar bei 25 Prozent.

Daniel Freudenreich



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