Das Rad des Lebens

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as erste Mal im Paternoster vergisst man nie. Die eichenhölzernen Kabinen dunkler als die klobigen Schuhe meines Großvaters, das Knacken und Knarzen, die Ungewissheit, was hinter dem letzten Stockwerk kommt. Werden wir im Umkehrpunkt oben kopfüber herabstürzen und unten mit den Füßen in der Luft strampeln? Es sind die existenziellen Fragen des Wo-gehe-ich-hin, Wo-komme-ich-her?, die uns der Vaterunser (!) im gleichmütigen Kreislauf vor Augen führt.

Seit meinen flüchtigen Kindertagen wurde der Personenumlaufaufzug wiederholt zum Aussterben verurteilt, die Chronik eines angekündigten, doch nie eingetretenen Todesfalls. Zuletzt sollte er im Juni seine Abschiedsrunde im freien Verkehr drehen, nur noch Unterwiesene benutzungsberechtigt sein. Hohn war die Reaktion. Von Paternosterführerschein war da die Rede, von Gurt- und Helmpflicht, von Türen vor den Kabinen. Das Bundeskabinett hatte ein Einsehen, das Rad des Lebens darf sich für alle weiter drehen. Das nächste Ende ist sicher nah, also springt auf, so lange es noch geht.