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"Das ist alles ganz schwer nachzuvollziehen"

05.05.2008 | 19:10 Uhr

Neuss. "Entsetzlich". Das ist der erste Kommentar von Maria Elisabeth Thoma, Bundesvorsitzende des Sozialdienstes katholischer Frauen, der unter anderem in der Schwangerschaftskonfliktberatung engagiert ist. ...

... "Nachdenklich" ist ihre zweite Reaktion: "Die Tatsache, dass die Taten schon so lange zurückliegen, gibt mir sehr zu denken. Heute tun doch alle so, als ob Kindstötungen erst jetzt das große Problem sind. Dieser Fall zeigt aber, dass das nicht so ist."

Wie aber kann man Menschen wie die Mutter erreichen, bevor es zu spät ist? Maria Thoma: "Bei einem solchen psychopathologischen Verhalten gibt es wohl keine Möglichkeit, die Betroffenen zu erreichen." Es ging ja wohl nicht um Not in der Familie, auch nicht um drückende Schulden. Die Frau hatte ja schon drei Kinder bekommen und großgezogen. Und die Frau hat das Schreckliche ja nicht nur einmal, sondern gleich dreimal hintereinander gemacht. "Das ist alles ganz schwer nachzuvollziehen."

Bei der Schwangerschaftskonfliktberatung suchen vor allem junge Frauen Rat, die ungewollt schwanger geworden sind. "Die Angebote sind hilfreich, die Frauen erfahren, dass sie nicht allein mit ihrem Problem da stehen", beschreibt Maria Thoma den Beratungsalltag. "In diesem Fall ist die Akteurin aber eine erwachsene, reife Frau, die offenbar keine Not hat und sich die Verantwortung für den Nachwuchs mit dem Ehemann teilen kann."

Manche junge Frauen erkennen während der Schwangerschaft nicht, was so alles auf sie zu kommt. Thoma: "Die erleben dann die Geburt beinahe ungläubig, fühlen sich plötzlich allein und überfordert, so kann es zu Kurzschlusshandlungen kommen. Aber eine Frau, die schon Kinder hat, weiß doch genau, was sie erwartet."

Prävention verstärken Wie kann man solche Taten verhindern? "Wir sehen nur die Möglichkeit, die Prävention zu verstärken. Was nötig sind, sind Netzwerke aller Hilfsangebote von der Hebamme über den Kinderarzt, den Gynäkologen bis zur Kinderkrippe. Und es ist für das Umfeld der Betroffenen wichtig, nicht weg- sondern hinzuschauen. Wir besuchen auch Mädchen schon im frühen Alter in den Schulen und sprechen mit ihnen. Gegen mentale Überforderung mit einem Baby hilft zum Beispiel ein Babysimulator: Eine Puppe, die bababyähnliche Betreuung rund um die Uhr braucht."

Dass zahllose Eltern in spe nur darauf warten, ein Pflegekind anvertraut zu bekommen und dass man im äußersten Notfall ein Neugeborenes per Babyklappe in vielen Krankenhäusern in die Obhut anderer Menschen geben kann, die bereit sind, sich darum zu kümmern - eine dieser Möglichkeiten hätte die Mutter wohl auch gehabt.

Doch die kleinen Babys sind tot. Jetzt geht es darum, alles zu tun, um zu verhindern, dass sich eine solche Tragödie wiederholt.

Von Ulrich Friske

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Kommentare
06.05.2008
10:05
Das ist alles ganz schwer nachzuvollziehen
von Maria Heinzl | #2

Diese Nachricht erschüttert mich zutiefst, ich habe selbst zwei Kinder und ich weiss daß es eine Lebensaufgabe ist , Kinder zu haben. Jede Mutter kennt Situationen die extrem sind und man als Mutter oft am Limit ist, doch ist es zu einer Tötung noch ein weiter Schritt. Mir drängt sich die Frage auf ob es ein nicht viel tieferes Problem ist, welches eine Mutter dazu bringt, einem kleinen Wesen welchem sie das Leben geschenkt hat, selbiges sofort wieder zu beenden. Wie kann man so eine Tat nur über Jahrzehnte hinweg verdrängen und das nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach. Mit verlaub, mein Geist kann das nicht nachvollziehen.Ich bin einfach nur sprachlos und schreibe diese Zeilen mit Gänsehaut.

06.05.2008
07:14
Das ist alles ganz schwer nachzuvollziehen
von Stefan Dernbach | #1

Zwischen Schein und Sein

In diesem Fall ist die Akteurin aber eine erwachsene, reife Frau, die offenbar keine Not hat und sich die Verantwortung für den Nachwuchs mit dem Ehemann teilen kann, so die Expertin.

Der Begriff - Not - muss auf den Prüfstand gestellt werden. Materielle, psychologische, seelische Not.
Es ist eben zu kurz gedacht, wenn man nur auf die vordergründige Familien-Idylle schaut. Warum wurde nichts bemerkt? Es sind eben auch Scheinwelten, die sich gegenseitig schützen, bewusst und unbewusst.

Stefan Dernbach, Siegen ( Flimmerwelt)

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