Das Frauenproblem der CDU
20.06.2007 | 08:48 Uhr 2007-06-20T08:48:46+0200Das weibliche Geschlecht wählt lieber sozialdemokratisch. Das wollen die Konservativen nun ändern - mit einer Mitgliederkampagne, die mit alten Rollenmustern und Klischees aufräumt
Berlin. Das erste Wort hatte ein Mann, was in diesem Fall einmal nicht als Selbstverständlichkeit im politischen Betrieb abgetan werden konnte. Denn eigentlich ging es um die Frauen, genauer gesagt um die Frauen in der CDU - beziehungsweise die Frauen, die der CDU fehlen. Aber zunächst einmal sprach Generalsekretär Ronald Pofalla über die neuen "Alpha-Mädchen" und die erste deutsche Kanzlerin, darüber, dass die im CDU-Grundsatzprogramm propagierte "Erziehungsverantwortung der Männer" noch vor Jahren Reaktionen hervorgerufen hätte, die weit über "das Stadium des Stirnrunzelns" hinausgegangen wären.
Doch die Zeiten ändern sich. Auch im Konrad-Adenauer-Haus irritiert es niemanden mehr, wenn bei einer Podiumsdiskussion leise ein Baby quengelt.
Es ist insbesondere Familienministerin Ursula von der Leyen, die daran arbeitet, das Frauenbild der Union zu revolutionieren. Tausende zusätzliche Krippenplätze, mehr Ganztagsbetreuung in Kindergärten und Schulen - dies alles soll nicht nur jungen Familien helfen, sondern auch der CDU. Denn die Partei mit konservativen Wurzeln ist auf die Gunst jener Wählerinnen angewiesen, die beides wollen: Kinder und Karriere.
Gerade einmal jedes vierte der 550 000 CDU-Parteibücher gehört heute einer Frau. "In einigen Altersgruppen, besonders bei den Jüngeren, ist der Frauenanteil sogar gravierend niedriger", räumt die Parteispitze offen ein.
Zwar ist die CDU die einzige deutsche Partei mit einer alleinigen Vorsitzenden und stellt mit Angela Merkel die erste Bundeskanzlerin überhaupt, doch vor allem bei jungen Frauen kann die Union nicht so recht punkten. "In allen Altersgruppen der Frauen bis zum 60. Lebensjahr liegt die SPD vor der Union", heißt es unverblümt in einem Parteipapier.
Eine Mitgliederkampagne soll nun das Frauenproblem lösen. Das Ziel lautet: Die CDU soll weiblicher werden. Und so versorgt die Partei ihre Mitglieder mit Argumenten für "Werbegespräche". Auf den Einwand etwa, in der CDU gebe es "immer noch alte Frauenbilder und Rollenklischees", lautet die vorgegebene Antwort aus dem Adenauer-Haus: "Das mag vereinzelt zutreffen, mehrheitlich ist aber das Gegenteil der Fall."
Derlei Botschaften mit Leben zu füllen, war am Mittwoch Aufgabe von Ursula von der Leyen. "Habe ich einen Babysitter?" Diese Frage habe zu Beginn ihrer politischen Karriere regelmäßig im Vordergrund gestanden, erzählte die Ministerin und Mutter von sieben Kindern. Sie habe immer effizienter arbeiten wollen, sagte sie, im Hinterkopf den Gedanken: "Mein Babysitter muss nach Hause." Womöglich sind auch solche Alltagssorgen Ursache für den Befund von Bildungsministerin Annette Schavan: Mehrheitlich seien es zwar Frauen, die ein Studium beginnen. Doch kaum jede zehnte Professur erhalte eine Frau.
Das erste Wort im Adenauer-Haus hatte Pofalla, das letzte Maria Böhmer, die Vorsitzende der Frauen-Union und Staatsministerin im Kanzleramt. Sie rief gewissermaßen das Ende der Männerclub-Politik aus: "Wir sind angekommen im Zentrum der Macht." Und mit "Wir" meinte sie wohl nicht nur die Kanzlerin. Auf dem Podium, wo der Generalsekretär von sieben Frauen umgeben wurde, regte sich jedenfalls kein Widerspruch.

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