Das explosive Erbe der Kriege beschäftigt das Land noch heute

Düsseldorf..  Wegen eines Bombenfundes und der Entschärfung müssen in Köln morgen 20 000 Menschen ihre Wohnungen verlassen. Kleine Entschärfungsaktionen sind in NRW an der Tagesordnung.

Wie viele Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg liegen verborgen in Nordrhein-Westfalen?

Dazu gibt es keine belastbaren Zahlen. Denn es ist nicht bekannt, wie viele Bomben später explodierten, wie viele bereits während oder in den Jahren nach dem Krieg entschärft oder geborgen wurden. Was sich aber sagen lässt: Im Zweiten Weltkrieg wurden 2,7 Millionen Tonnen Sprengkörper abgeworfen. Jede zweite Tonne über dem damaligen Deutschen Reich, davon die Hälfte auf das Industriezentrum und die Invasionsregionen der Alliierten in NRW.

Warum gibt es Blindgänger?

Wegen technischer Defekte sind Bomben damals nicht wie geplant in die Luft gegangen, manche waren auch beim Abwurf nicht entsichert.

Kann ein Blindgänger grundlos in die Luft gehen?

Das ist selten. Bleiben Blindgänger über Jahrzehnte im Boden, ist damit nicht zu rechnen. Anders ist das zum Beispiel bei Bauarbeiten oder bei Arbeiten mit Schrott: Im Januar 2013 wurde bei der Explosion eines Blindgängers in Euskirchen ein Baggerfahrer getötet, 13 Menschen wurden verletzt. Der Baggerfahrer hatte Bauschutt umgeschichtet.
Was passiert mit einer geborgenen Bombe?

Wird ein Blindgänger entdeckt, entschärft und geborgen, wird er nach Hünxe oder nach Ringelstein bei Arnsberg in die dortigen Munitionszerlegebetriebe (MZB) gebracht und „thermisch vernichtet“, also: verbrannt. Während Hünxe die Artillerie- und Infanteriemunition zerstört, ist Ringelstein zuständig für abgeworfene Bomben. Kampfmittel wurden bislang noch zerlegt, um sie danach überwiegend offen zu verbrennen. Nun wird der MZB Hünxe von Grund auf modernisiert. Sprengkörper sollen danach nicht mehr offen, sondern in geschlossenen Systemen verbrannt werden, um Schadstoffe zu vermeiden. Künftig sollen dann auch Bomben in Hünxe zerlegt werden können, der MZB Ringelstein wird dicht gemacht.

Was kostet die Beseitigung?

2013 schlug die Kampfmittelbeseitigung im Landeshaushalt mit 17,1 Millionen Euro zu Buche.