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Das Dilemma um Annette Schavans Doktortitel

22.01.2013 | 18:12 Uhr
Das Dilemma um Annette Schavans Doktortitel
Die Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf entscheidet über ein Verfahren zur Entziehung des Doktorgrades von Bundesbildungsministerin Schavan.Foto: dapd

Düsseldorf.  Die Uni Düsseldorf ringt um ein offizielles Titel-Aberkennungsverfahren für die Bundesbildungsministerin Annette Schavan – und kämpft dabei um die Schadensbegrenzung für alle Beteiligten. Am Dienstag soll die Entscheidung fallen, ob ein Verfahren zur Entziehung des Doktortitels gegen Schavan eingeleitet wird.

Der Schein der akademischen Normalität soll gewahrt bleiben. Als der Rat der Philosophischen Fakultät am Dienstagnachmittag in der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf zu seiner turnusmäßigen Sitzung zusammenkommt, wird an der Tagesordnung nicht gerüttelt. Punkt für Punkt soll das Gremium unter Führung des Althistorikers und Dekans Bruno Bleckmann seine Tischvorlage abarbeiten. Top eins bis sechs.

Dabei will der deutsche Wissenschaftsbetrieb an diesem Tag nur eines wissen: Ja oder Nein? Wird die Universität Düsseldorf ihrer ehemaligen Studentin, der aus Neuss stammenden Annette Schavan, den Doktortitel aberkennen oder zumindest ein Verfahren hierzu einleiten? Wird es zu dem beispiellosen Vorgang kommen, dass ausgerechnet die Wissenschaftsministerin der Wissensnation Deutschland des akademischen Frevels überführt wird? Wird hier und heute der Anfang vom Ende der politischen Karriere einer langgedienten CDU-Politikerin und Kanzlerinnen-Vertrauten ausgerufen?

Enthüllungsplattform „Vroniplag“ gab den Anstoß

Der 19-köpfige Fakultätsrat, der sich aus Professoren, Uni-Mitarbeitern und Studenten zusammensetzt, hat nur noch wenig Bewegungsspielraum, als er pünktlich um 14.30 Uhr im Erdgeschoss des Gebäudes 25.22 zusammentritt. Vor der Sitzungstür kauern Dutzende Journalisten auf dem roten Backsteinboden und starren die kargen Betonwände an. Entschlossen dreinblickende Männer einer eigens engagierten Sicherheitsfirma halten sie auf Abstand.

Draußen auf dem verschneiten Parkplatz haben zwischen den Kleinwagen der Studenten wuchtige Übertragungsfahrzeuge aller großen Fernsehstationen Position bezogen. Heute muss eine Entscheidung her in einer Plagiatsaffäre, die bereits vor einem Jahr auf der Enthüllungsplattform „Vroniplag“ im Internet ihren Lauf nahm.

Plagiatsaffäre
Plagiatsaffäre gefährdet Annette Schavans Karriere

Die Universität Düsseldorf prüft die Doktorarbeit von Wissenschaftsministerin Annette Schavan weiter. An 60 Textstellen ihrer 351 Seiten langen Arbeit...

Schavan sieht sich durch Plagiatsvorwürfe in ihrer wissenschaftlichen Integrität getroffen

Anonyme Plagiatsjäger wollten in Schavans Doktorarbeit zahlreiche Textbausteine gefunden haben, die nicht korrekt zitiert oder deren geistiges Eigentum bewusst verschleiert wurde. Die Ministerin hatte 1980 als 25-Jährige mit der Arbeit „Person und Gewissen“ im Fach Erziehungswissenschaften den Doktortitel erworben. Die Dissertation war zugleich Schavans Studienabschluss, was damals nach der Integration der Fachhochschule Neuss in die Düsseldorfer Heinrich-Heine-Universität noch möglich war. Schavan sieht sich durch die Plagiatsvorwürfe in ihrer wissenschaftlichen Integrität getroffen und bat die Uni Düsseldorf schon vor Monaten um offizielle Prüfung. Ihr Doktorvater Gerhard Wehle verteidigt die Arbeit bis heute als „in sich stimmig“.

Mit der Prüfung der 32 Jahre alten Doktorarbeit begann nicht nur die Beschädigung der Wissenschaftsministerin, auch für die Uni Düsseldorf steht plötzlich der gute Ruf auf dem Spiel. Denn im Herbst des vergangenen Jahres machte sich der Vorsitzende des Promotionsausschusses, der Judaistik-Professor Stefan Rohrbacher, ziemlich engagiert ans Werk.

Er durchleuchtete die 350 Seiten starke Schavan-Arbeit offenbar im Stile der Internet-Plagiatsjäger, markierte unsaubere Zitate, suchte Textstellen in der Ursprungsliteratur und kam in einer Tischvorlage für den Promotionsausschuss bereits zu einem vernichtenden Urteil: Schavan habe in ihrer Dissertation eine „leitende Täuschungsabsicht“ gezeigt. Diese ehrabschneidende Bewertung fand fatalerweise den Weg in die Presse. Schavan schaltete Anwälte ein. Gerüchte über ein politisch motiviertes Verfahren machten sogleich die Runde.

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Keine Rücksicht auf Prominenten-Status' Schavans

Seither findet die Uni Düsseldorf nicht mehr zur Ruhe. Renommierte Wissenschaftsorganisationen kritisieren, dass der fachfremde Promotionsausschuss-Vorsitzende Rohrbacher selbst die Erstprüfung vorgenommen habe. Ein unabhängiges Zweitgutachten eines Pädagogik-Professors sei zwingend gewesen. Andere monierten, der wissenschaftliche Wert der Arbeit, die damals den Stand der Literatur habe referieren wollen, sei nicht berücksichtigt worden. Zudem sei außer Acht geblieben, dass die Zitierpraxis des Jahres 1980 mit Zettelkästen nicht mit heutigen Standards vergleichbar sei. Geraunt wurde überdies von einer persönliche Vorgeschichte Rohrbachers, der Schavan in den achtziger Jahren in der Neusser Kommunalpolitik schon einmal begegnet sein soll.

Der Düsseldorfer Uni-Rektor Hans Michael Piper beteuerte stets das „ordnungsgemäße Verfahren“ ohne Rücksicht auf den Prominenten-Status’ Schavans. Der Mediziner, der die Hochschule seit 2008 führt, ließ dennoch mit dem Staatsanwalt nach undichten Stellen in den Uni-Gremien fahnden. Wer lanciert ständig Interna zu der delikaten Angelegenheit an die Öffentlichkeit? Ein eigens eingeholtes Gutachten des Wissenschaftsrechtlers Klaus Gärditz soll der Uni bescheinigen, dass es im Umgang mit der Wissenschaftsministerin zu keinen „rechtlich relevanten Verfahrensfehlern“ gekommen sei.

Kommentare
24.01.2013
08:00
Das Dilemma um Annette Schavans Doktortitel
von vonschwind | #14

Wie schon gesagt, alle akademischen Tietel gehören auf den Müll der Geschichte.
Mahlzeit.

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2013-01-22 18:12
Schavan, Universität, Doktortitel, Düsseldorf
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