Das befürchtete Chaos in Nigeria blieb aus

Abuja..  Das befürchtete Chaos blieb aus. Doch ganz ohne Gewalttaten, Klagen über die Nichtberücksichtigung von Wahlberechtigten und folgenreiche technische Störungen gingen die Wahlen in Nigeria nicht vonstatten. In rund 300 der gut 12 000 Wahllokale des westafrikanischen Riesenstaates musste der Urnengang um einen Tag verlängert werden, nachdem es Schwierigkeiten mit den elektronischen Lesegeräten gab.

Selbst die Fingerabdrücke des amtierenden Präsidenten Goodluck Jonathan konnten von den High-Tech-Maschinchen nicht identifiziert werden: Nach über 40 Minuten Wartezeit musste der Staatschef im Wahllokal seines Heimatdorfs Otuoke schließlich manuell registriert werden. Sein Herausforderer Muhammadu Buhari hatte mehr Glück: Ihn erkannte der elektronische Fingerabdruckleser in seinem Wahllokal auf Anhieb.

Trotz der technischen Schwierigkeiten kam es jedoch zu keinen Unruhen. Geduldig warteten Millionen von Nigerianern in langen Schlangen, bis sie an der Reihe waren. Beobachter wie die Afrika-Beauftragte der US-Regierung, Linda Thomas-Greenfield, priesen das Verhalten der über 50 Millionen registrierten Wähler im mit 170 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Staat Afrikas. „In den USA habe ich noch niemals solche Schlangen gesehen, in denen Wähler selbst nach stundenlangen Wartezeiten noch immer ruhig in der Reihe warten“, sagte Thomas-Greenfield: „Das ist wirklich ein gutes Zeichen.“

Wie nicht anders zu erwarten war, wurden aus dem von der extremistischen Boko-Haram-Sekte heimgesuchten Nordosten des Landes mehrere gewalttätige Zwischenfälle gemeldet. Im Bundesstaat Gombe eröffneten islamistische Fanatiker das Feuer auf zwei Wahllokale in Birin Bolawa und Birin Fulani und töteten mindestens sieben Menschen, darunter drei Polizisten. Die Angreifer hätten „Haben wir euch nicht gesagt, dass Ihr nicht wählen sollt?“ gerufen, berichtete ein Augenzeuge. Drei Tage vor den Wahlen hatten die Sicherheitskräfte sämtliche Grenzen geschlossen und für den Tag der Wahl ein allgemeines Fahrverbot verhängt.

Nun halten die Nigerianer den Atem an. Bis zur für Anfang der Woche erwarteten Bekanntgabe des Ergebnisses. Allgemein wird davon ausgegangen, dass das Resultat so knapp wie noch nie in der 55-jährigen Geschichte Nigerias ausfallen wird. Allen Prognosen zufolge liegen der christliche Südnigerianer Jonathan und sein muslimischer Herausforderer Buhari Kopf an Kopf. Womöglich wird eine Stichwahl über den Sieger entscheiden müssen.