Dalai Lama: NRW will Flagge zeigen
15.05.2008 | 12:12 Uhr 2008-05-15T12:12:58+0200Düsseldorf. Heute wird der Dalai Lama in NRW erwartet. Für die Politik beginnt damit ein protokollarischer und medialer Eiertanz. ...
... Während Bundespräsident, Kanz-lerin und Außenminister abtauchen, will die Landespolitik bei der brisanten Visite Flagge zeigen - zumindest ein bisschen. Wenn Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) heute das religiöse Oberhaupt der Tibeter trifft, dann wird nicht etwa sein Amtssitz, die Düsseldorfer Staatskanzlei, den Rahmen bilden. Der Regierungs-chef trifft den berühmten Gast im Bochumer Renaissance Hotel, in dem der Dalai Lama während seines NRW-Besuchs Quartier macht. Man wolle den "halb-privaten Charakter" des Treffens betonen, hieß es gestern in Regierungskreisen. Gleichwohl werden Kamerateams zugegen sein, wenn sich der Politi-ker und der Mönch die Hände reichen.
"Das ist kein Treffen gegen China", betonte auch Rüttgers selbst. Der Dalai Lama sei "ein faszinierender Mann", und schließlich sei die Politik des Tibeters "ausdrücklich nicht gegen China gerichtet". In China sieht man das bekanntlich anders. Auch Rüttgers weiß, dass jeder Termin des von der Pekinger Staatsführung als "Separatist" beschuldigten Dalai Lama dort argwöhnisch beäugt wird.
Am Freitag will der Dalai Lama in Bochum zunächst eine Kirche und einen Kindergarten besuchen und später im Ruhr-Congress zum Thema Menschenrechte reden. Auch die nordrhein-westfälische Oppositionsführerin, SPD-Landeschefin Hannelore Kraft, wird den 72-Jährigen während seines fünftägigen Deutschlandbesuchs treffen. Die beiden hatten sich be-reits im vorigen Jahr in Münster kennengelernt. Der Dalai Lama, so heißt es, habe ausdrücklich um ein Grußwort von Kraft gebeten, wenn er am Samstag in Mönchenglad-bach einen Vortrag zum Thema "Frieden und Menschenrechte - die Grundlagen der modernen Gesellschaft" hält. Auch in Mönchengladbach wird nahezu jeder Schritt des Friedensnobelpreisträgers von TV-Kameras verfolgt. Ein US-Nachrichtensender will sogar live auf Sendung gehen.
Selbst die Bundesregierung, die zunächst geschlossen auf Distanz zum Dalai Lama ging, lenkte gestern ein. Am Montag will nun Entwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) den Tibeter empfangen. Auch Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hat einem Treffen mit dem Dalai Lama zugestimmt. Die Rede des Dalai Lama am gleichen Tag vor dem Brandenburger Tor gilt als Höhepunkt der Visite des charismatischen Religionsführers. Weitere Stationen seines Deutschlandbesuchs werden Nürnberg und Bam-berg sein.
Bundespräsident Horst Köhler und Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) hatten unter Verweis auf Terminschwierigkeiten erklärt, sich nicht mit dem Dalai Lama zu treffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), die in dieser Woche Lateinamerika besucht, hatte den Dalai Lama im September 2007 im Kanzleramt empfangen - und damit die chinesische Führung verstimmt.

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