Dänische Polizei nimmt mehrere Männer in Internetcafé fest

Bei der Suche nach Komplizen des erschossenen Attentäters von Kopenhagen hat die dänische Polizei mehrere Männer festgenommen.
Bei der Suche nach Komplizen des erschossenen Attentäters von Kopenhagen hat die dänische Polizei mehrere Männer festgenommen.
Foto: Imago
Was wir bereits wissen
Terror in Kopenhagen: Ein Attentäter greift ein Kulturcafé und eine Synagoge an. Bei der Suche nach möglichen Komplizen gab es mehrere Festnahmen.
  • Bei einem Angriff auf eine Veranstaltung mit Mohammed-Karikaturist Vilks ist am Samstagnachmittag ein Mann gestorben.
  • Bei einem weiteren Angriff am Samstagabend vor einer Synagoge in Kopenhagen ist ein jüdischer Wachmann getötet worden.
  • Am Sonntagmorgen haben Polizisten nahe einer Bahnstation in Kopenhagen den mutmaßlichen Attentäter erschossen. Er hatte das Feuer auf die Polizisten eröffnet.
  • Innenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht keine erhöhte Terrorgefahr für Deutschland

Kopenhagen.. Nach Stunden der Terrorangst hat die Polizei in Kopenhagen am frühen Sonntagmorgen den mutmaßlichen Attentäter gestellt und getötet. Der Mann ist den Polizeiangaben zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit für den Mord an einem 55 Jahre alten Gast einer Diskussionsveranstaltung sowie an einem jungen jüdischen Wachmann vor einer Synagoge verantwortlich.

Die dänische Polizei hat den mutmaßlichen Attentäter identifiziert. Er sei den Ermittlern bekanntgewesen, hieß es bei einer Pressekonferenz am Sonntagmittag. Die Identität des Mannes wollten Polizei und Sicherheitsbehörde zunächst aber nicht preisgeben. "Er kommt aus Kopenhagen, das ist alles, was wir sagen können", sagte der Chef der dänischen Sicherheitsbehörde PET, Jens Madsen.

Polizei durchsucht Internetcafé

Bei den Ermittlungen nach den beiden Terroranschlägen von Kopenhagen hat die Polizei laut Medienberichten am Sonntag ein Internetcafé durchsucht. Dem dänischen Fernsehen zufolge gab es dabei Festnahmen. Das Café liege im Stadtteil Nørrebro.

Dort hatte die Polizei den Attentäter am frühen Sonntagmorgen erschossen, nachdem er bei Angriffen in der dänischen Hauptstadt zwei Menschen getötet und mehrere verletzt hatte. Der genaue Hintergrund des Polizeieinsatzes in dem Internetcafé blieb zunächst unklar.

Der Anschlag gegen das französische Satiremagazin "Charlie Hebdo" im Januar in Paris könnte den Attentäter nach Einschätzung von PET zu den Taten inspiriert haben. Nichts deute bislang darauf hin, dass der Mann einen Komplizen gehabt habe, sagte Madsen, noch gebe es Hinweise darauf, dass der mutmaßliche Täter sich als Dschihadist in Syrien oder im Irak aufgehalten habe. Die Ermittler fanden eine Waffe, die die Tatwaffe sein könnte.

Terroranschlag auf Veranstaltung zu Gotteslästerung

Am späten Samstagnachmittag hatte ein Unbekannter mit einer automatischen Waffe auf ein Kulturcafé geschossen, in dem eine Veranstaltung mit dem Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks stattfand. Zeugen zufolge feuerte der Angreifer etwa 30 Schuss ab, in den Fenstern waren später zahlreiche Einschusslöcher zu sehen. Die Polizei ging davon aus, dass Vilks Ziel des Anschlags war. Die Regierung sprach von einem Terrorakt. Ein 55-jähriger Mann starb.

Wenige Stunden später fielen nahe einer Synagoge in der Kopenhagener Innenstadt erneut Schüsse. Nach Polizeiangaben wurde ein Mensch am Kopf getroffen und getötet, zudem erlitten zwei Polizisten Schusswunden an Armen beziehungsweise Beinen. Der Täter sei zu Fuß vom Tatort geflohen, hieß es. Bei dem Getöteten handele es sich um einen jungen jüdischen Mann, sagte der Präsident der jüdischen Gemeinde, Dan Rosenberg Asmussen, dem Fernsehsender TV2 News. In der Synagoge sei zum Zeitpunkt des Vorfalls eine Bar Mitzwa gefeiert worden.

Ausnahmezustand in Kopenhagen ausgerufen

Fünf Wochen nach dem blutigen Anschlag auf die französische Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" und den anschließenden Terrorattacken in Paris mit insgesamt 20 Toten lösten die Schüsse in Kopenhagen einen Ausnahmezustand aus. Die Polizei riegelte die Innenstadt ab und errichtete Straßensperren.

Mohammed-Karikaturist Vilks sollte Ziel des Anschlags sein

In dem Kulturcafé hatten der Zeichner Vilks und zahlreiche andere Menschen über Kunst, Gotteslästerung und freie Meinung diskutiert. Eine Zeitung hatte 2007 eine Zeichnung des bekannten Karikaturisten aus Schweden veröffentlicht, die den Propheten Mohammed als Hund darstellte. Daraufhin wurde im Internet von einem Al-Kaida-Ableger im Irak ein Kopfgeld von 150 000 Dollar auf ihn ausgesetzt. Seither war der Künstler bereits mehrfach Ziel von Extremisten, er wird deshalb von Sicherheitskräften bewacht.

Als der Täter das Feuer eröffnete, brachte sich Vilks gemeinsam mit der Mitorganisatorin der Veranstaltung, der Journalistin Helle Merete Brix, in einem Kühlraum in Sicherheit. Der französische Botschafter in Kopenhagen, François Zimeray, und die bekannte Aktivistin Inna Schewtschenko von der Feministinnen-Gruppe Femen waren ebenfalls unter dem Gästen der Veranstaltung. Schewtschenko hatte gerade ihre Rede begonnen, als die Schüsse fielen. Beide blieben unverletzt.

Gedenkfeier schon am Montag

Die Polizei gab nach dem Angriff bekannt, dass sie einen etwa 25 bis 30 Jahre alten Mann arabischen Aussehens sucht. Der Täter flüchtete nach dem ersten Vorfall mit einem dunklen VW Polo. Später wurde der Wagen in Kopenhagen gefunden. Die Ermittler veröffentlichten ein Bild aus einer Überwachungskamera in der Nähe dieser Stelle. Die Aufnahme zeigt einen dunkel gekleideten Mann mit einer roten Mütze.

Die Stadt Kopenhagen will am Montagabend der Opfer der beiden Terroranschläge vom Wochenende gedenken. Zu der Feier um 20.00 Uhr, die am ersten Tatort, dem Kulturcafé Krudttønden stattfinden soll, haben sich auch die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und ihr Stellvertreter Patrick Klugman angekündigt. Das teilte das Büro des Kopenhagener Oberbürgermeisters Frank Jensen am Sonntag mit.

Vor kurzem hätten sich alle Blicke weltweit auf Paris und das schreckliche Attentat auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" gerichtet. "Jetzt hat der Terror sein hässliches Gesicht in Kopenhagen gezeigt", sagte Jensen laut Mitteilung. "Es ist wichtig, dass wir in dieser schweren Zeit zusammenstehen." Bei den Attentaten in der dänischen Hauptstadt waren zwei Menschen getötet und fünf verletzt worden, bevor die Polizei den mutmaßlichen Täter erschoss.

Angeblich keine erhöhte Terrorgefahr für Deutschland

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sieht nach den Anschlägen von Kopenhagen weiter eine hohe Terrorgefahr in der Bundesrepublik. "Die Gefährdungslage in Deutschland ist unverändert hoch", erklärte de Maizière am Sonntag. "Die Sicherheitsbehörden von Bund und Ländern gehen dabei jedem Hinweis und jeder Information, die sie erreicht, mit größter Sorgfalt nach." Sofern Maßnahmen nötig seien, würden sie ergriffen.

"Deutschland ist eine wehrhafte Demokratie, die ihre Gegner mit allen zur Verfügung stehenden rechtsstaatlichen Mitteln bekämpft", betonte er. De Maizière verurteilte die Anschläge in der dänischen Hauptstadt und sprach den Angehörigen und Freunden der Opfer sein tiefes Mitgefühl aus. (dpa)