Co-Pilot galt früher als suizidgefährdet

Düsseldorf..  Der Co-Pilot, der die Germanwings-Maschine nach den bisherigen Ermittlungen offenbar absichtlich zum Absturz gebracht hat, war als selbstmordgefährdet eingestuft und in psychotherapeutischer Behandlung. Das hat der Düsseldorfer Staatsanwalt Christoph Kumpa gestern mitgeteilt. Er betonte allerdings, dass der junge Mann in Behandlung gewesen sei, bevor er den Pilotenschein erworben habe.

In der Folge habe es zwar weitere Arztbesuche gegeben und auch Krankschreibungen. Aber dabei, so Kumpa, sei es weder um Selbstmordabsichten noch Fremdaggressivität gegangen. Hinweise auf ein organisches Leiden gebe es in den ärztlichen Dokumentationen bislang nicht. Zudem fehlten Belege auf eine Ankündigung oder ein Bekenntnis zu einer Tat. Auch im beruflichen Umfeld habe man nichts zu einem möglichen Motiv gefunden.

Die Düsseldorfer Polizei hat unter dem Namen „Alpen“ eine Sonderkommission mit 100 Beamten unter der Leitung von Kriminaldirektor Roland Wolff gebildet. Wie Sprecherin Susanna Heusgen bestätigte, stehen zwei Aufgaben im Mittelpunkt: die Lebensumstände des Co-Piloten zu ermitteln, und in Zusammenarbeit mit anderen Polizeistellen DNA-Material in ganz Deutschland einzusammeln, um die mehr als 70 deutschen Opfer zu identifizieren.

Einer der größten Einsätzeseit Jahrzehnten

„Dabei geht es um Dinge wie Kämme und Zahnbürsten“, sagte Heusgen. Die Gegenstände würden verpackt und an das Bundeskriminalamt geschickt. Mit Haut- und Haarpartikeln könne das BKA den genetischen Code bestimmen und die Daten den französischen Kollegen zum Abgleich schicken. „Die Polizisten“, so Heusgen „suchen die Angehörigen der Opfer gemeinsam mit Seelsorgern oder Psychologen in ihren Wohnungen auf.“ Es sei einer der größten Ermittlungseinsätze seit Jahrzehnten.

Eine Mordkommission mit 50 Spezialisten ist mit der Aufklärung der Hintergründe des Absturzes mit 150 Passagieren und Besatzungsmitgliedern an Bord beschäftigt und hat dabei das Umfeld des Co-Piloten im Visier. Heusgen: „Wir liefern die Zeugenvernehmungen, die die Staatsanwaltschaft haben will.“ Was die Ermittler an Gegenständen und Unterlagen aus seiner Wohnung in Düsseldorf mitgenommen hätten, sei untersucht worden. Die Bewertung dauere aber an.