Co-Pilot als suizidgefährdet eingestuft

Düsseldorf..  Der Co-Pilot, der die Germanwings-Maschine absichtlich zum Absturz gebracht haben soll, war als selbstmordgefährdet eingestuft und in psychotherapeutischer Behandlung. Das hat der Düsseldorfer Staatsanwalt Kumpa gestern mitgeteilt. Er betonte allerdings, dass der junge Mann in Behandlung gewesen sei, bevor er den Pilotenschein erworben habe.

In der Folge habe es zwar weitere Arztbesuche gegeben und auch Krankschreibungen. Aber dabei, so Kumpa, sei es weder um Selbstmordabsichten noch um Fremd­aggressivität gegangen. Hinweise auf ein organisches Leiden gebe es in den ärztlichen Dokumentationen nicht. Zudem fehlten Belege auf eine Ankündigung oder ein Bekenntnis zu einer Tat. Auch im beruflichen Umfeld habe man nichts zu einem Motiv gefunden.

Die Düsseldorfer Polizei hat unterdessen unter dem Namen „Alpen“ eine Sonderkommission mit 100 Beamten gebildet. Zwei Aufgaben stehen im Mittelpunkt: die Lebensumstände des Co-Piloten zu ermitteln und in Zusammenarbeit mit anderen Polizeistellen DNA-Material in Deutschland einzusammeln, um die mehr als 70 deutschen Opfer zu identifizieren.

„Dabei geht es um Dinge wie Kämme und Zahnbürsten“, sagte Sprecherin Susanna Heusgen. Die Gegenstände würden verpackt und an das Bundeskriminalamt geschickt. Mit Haut- und Haarpartikeln könne das BKA den genetischen Code bestimmen und die Daten den französischen Kollegen zum Abgleich schicken. „Die Polizisten“, so Heusgen, „suchen die Angehörigen der Opfer gemeinsam mit Seelsorgern oder Psychologen in ihren Wohnungen auf.“ Es sei einer der größten Ermittlungseinsätze der letzten Jahrzehnte.

Eine Mordkommission mit 50 Spezialisten ist mit der Aufklärung der Hintergründe des Absturzes beschäftigt und hat dabei das Umfeld des Co-Piloten im Visier. Heusgen: „Wir liefern die Zeugenvernehmungen, die die Staatsanwaltschaft haben will.“