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Christian Wulff: "Europa kann auch zerstört werden"

18.01.2016 | 21:48 Uhr
Christian Wulff: "Europa kann auch zerstört werden"
Der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff warnte am Montag in der Philharmonie Essen: Wenn alle nur noch auf sich selbst und die eigene Nation schauen, könne Europa scheitern.Foto: Sebastian Konopka

Essen.  Der Altbundespräsident gab sich als Redner in der Philharmonie Essen nachdenklich. Deutschland habe aber Chancen, die Unsicherheiten zu überwinden.

Christian Wulff mahnte und warnte: Angesichts der vielen neuen Unsicherheiten überall – Flüchtlinge, Bürgerkriege, aufkommender Nationalismus – stehe Deutschland vor einer historischen Herausforderung. „Sie ist ähnlich groß wie die im Jahr 1945“, sagte der Altbundespräsident (56) gestern Abend als Gast des Politischen Forums Ruhr in der Essener Philharmonie. 2016 sei ein echtes Schicksalsjahr, ließ er seine rund 2000 Zuhörer wissen.

Alt-Bundespräsident
Wulff warnt vor Krieg und fordert Entwicklung des Islam

Alt-Bundespräsident Christian Wulff warnt vor der Gefahr eines dritten Weltkrieges, besonders gefährlich sei islamistischer Terror.

Frieden, Freiheit, Demokratie, die großen Errungenschaften der vergangenen 50 Jahre, sieht Wulff in größter Gefahr. Besonders riskant: Der Hang einiger europäischer Partner wie Polen und Ungarn, vor allem auf sich selbst zu schauen und die Presse- und Meinungsfreiheit aufs Spiel zu setzen. „Europa kann auch zerstört werden“, erklärte Wulff.

Was aber bedeutet dies für Deutschland? Gibt es Grund zum Verzagen? Zur Rückkehr in alte Denkmuster und zu alten Grenzen?

Der Altbundespräsident hält das für den völlig falschen Weg. Abschotten, das bringe gar nichts. Und wenn ein Land in Europa die Voraussetzungen mitbringt, solche Herausforderungen zu meistern, dann ist es dieses, ist seine Botschaft. Wulff zeichnet das Bild eines starken, kreativen, im Ausland geradezu bewunderten Deutschlands. Wir neigten zwar zu „ultrakritischer Selbstkasteiung“, aber in anderen Ländern würden unsere Errungenschaften der letzten Jahrzehnte hoch geschätzt: das Grundgesetz, der ehrliche Umgang mit der eigenen Vergangenheit, der Hang zum Forschen und Tüfteln, der Föderalismus, der den Wettbewerb von Regionen und Städten fördere.

„Den Weltkrieg vermeiden“

Deutschland sei in der aktuellen Krisensituation gut beraten, den bewährten „Kurs der Mitte beizubehalten“. Dazu passe nicht, Religionen und Menschen pauschal zu verurteilen. Eine gemäßigte, auf Ausgleich ausgerichtete Politik sei sogar „die einzige Chance, um einen Weltkrieg zu vermeiden“. Die Offenheit gegenüber Fremden sei genauso wichtig wie eine „klare Haltung zu Rechtsstaatlichkeit und Sicherheit“.

Die berühmten und umstrittenen Worte der Kanzlerin – „Wir schaffen das“ – sind nach Einschätzung von Wulff keine Feststellung, sondern eine Aufforderung an alle.

Der Vorsitzende des Politischen Forums Ruhr, Stephan Holthoff-Pförtner, lobte den Gast als einen, „der sich eingesetzt hat für die Integration von Migranten und für den Dialog zwischen den Religionen“.

Das Politische Forum Ruhr fördert seit 25 Jahren den gesellschaftspolitischen Dialog und engagiert sich gegen Politik- und Parteienverdrossenheit. Seine Veranstaltungen erreichen ein großes Publikum. Zu den Gästen zählten zum Beispiel Joachim Gauck, Helmut Kohl, Angela Merkel, Karl Kardinal Lehmann und viele weitere Prominente.

Matthias Korfmann

Kommentare
19.01.2016
19:49
Christian Wulff: "Europa kann auch zerstört werden"
von JohnCusack45 | #5

Tut mir leid, aber wenn ich sehe, wer sich da im Dunstkreis des Politischen Forums tummelt und vor allem, wer der Vorsitzende ist, bekomme ich das...
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2016-01-18 21:48
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