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Christian und Bettina Wulff und ihre Hannover-Connection

14.12.2011 | 18:21 Uhr
Bundespräsident Christian Wulff und seine Ehefrau Bettina wollen zu den Vorwürfen schweigen. Foto: ddp

Berlin. Der reiche Freund des Bundespräsidenten versteht die Welt nicht mehr: Ein „ganz sauberes Geschäft“ sei das Darlehen an Christian und Bettina Wulff gewesen, sagt Egon Geerkens, der Rummel jetzt sei nur „deprimierend“.

Der 67-jährige Unternehmer, der im niedersächsischen Osnabrück ein Millionenvermögen machte und sich vor acht Jahren in die Schweiz zurückzog, ist unfreiwillig eine Hauptfigur geworden in der so genannten „Kreditaffäre“ des Bundespräsidenten. 500.000 Euro hatte Geerkens Ehefrau den Wulffs 2008 geliehen für den Kauf und die Renovierung eines Einfamilienhauses bei Hannover, zu vergünstigten Zinsen und ohne Eintrag ins Grundbuch.

Wulffs Problem: trickreiches Verschweigen gibt Anlass zu Spekulationen

Bisher gibt es keinen Hinweis darauf, dass Geerkens aus der Nähe zum damaligen Ministerpräsidenten einen wirtschaftlichen Vorteil zog oder dass Wulff die großzügige Finanzierung seinem Amt zu verdanken hatte. Wulffs Problem ist bislang vor allem, dass er später dem niedersächsischen Landtag trickreich das Darlehen verschwieg, was nach der Entdeckung Anlass zu Spekulationen und zu Zweifeln an der Glaubwürdigkeit des Staatsoberhauptes gibt.

Aber nebenbei wird auch noch einmal Wulffs auffallende Nähe zu so schillernden wie vermögenden Persönlichkeiten zum Thema. Geerkens bedient da alle Klischees. Er begann als Schrotthändler und brachte es durch den Handel mit Rohstoffen, Schmuck, Antiquitäten und Immobilien zu Reichtum – ein Selfmade-Millionär mit Anwesen am schweizerischen Vierwaldstätter See und in Florida.

Die Geschichte mit den goldenen Wasserhähnen macht die Runde

Einer, der seinen Reichtum gern zur Schau stellte: Die Geschichte von der riesigen Badewanne mit goldenen Wasserhähnen, die der Millionär einst mit dem Autokran in eine seiner Luxuswohnungen schaffen ließ, macht wieder die Runde. Wulff, der selbst in bescheidenen Verhältnissen aufwuchs, ist dieses Milieu vertraut: Geerkens sei in seiner Heimatstadt Osnabrück „ein väterlicher Freund“ gewesen, hat er früher erzählt.

Der Unternehmer war schon Skatbruder seines Stiefvaters, war 1988 Trauzeuge bei Wulffs erster Eheschließung, stellte für die Hochzeitsfeier sein Penthouse zur Verfügung. Man verlor sich nie aus den Augen: Die Wulffs besuchten etwa zu Weihnachten 2009 den Freund in Florida, ein unzulässiges Upgrading beim Flug nach Miami brachte Wulff danach viel Ärger ein.

Geerkens durfte Ministerpräsident Wulff auf drei Auslandsreisen begleiten, in die USA und China – obwohl sich der Unternehmer bereits im Ruhestand befand. Die Reisebegleitung fand die Opposition schon damals seltsam, mehr aber nicht.

Beobachter sprechen  von „Erbfreundschaften“

Das netzwerk
Rotlicht und Rocker

Ebenfalls zur Hannover-Connection darf Bela Anda gezählt werden. Der Sprecher von Kanzler Gerhard Schröder wurde 2006 Kommunikationsdirektor beim AWD. Rechtsanwalt Götz von Fromberg gehört ebenso dazu. Er ist Immobilienbesitzer im Rotlichtviertel Hannovers, vertritt die Rocker der Hells Angels, die dort Bordelle betreiben. Sein Freund Gerhard Schröder war lange Teil der Kanzlei.

Denn Büchsenspanner in Hannover und Berlin, die den Aufstieg der Wulffs seit längerem mit allerlei Gerüchten begleiten, hatten lange Zeit einen anderen Verdacht kolportiert: Sie behaupteten fälschlicherweise, das Einfamilienhaus sei von dem umstrittenen Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer finanziert worden. Auch der Gründer des Finanzvertriebs AWD gehört mit Lebensgefährtin Veronica Ferres zu Wulffs eher schillernden Freunden – und gleichzeitig zu einem früheren Netzwerk von Politikern und Unternehmern in der Landeshauptstadt, das schon mal als „Hannover-Klüngel“ beschrieben wird.

Maschmeyer finanzierte einst anonym eine Werbekampagne für den Landtagswahlkampf von Gerhard Schröder und ist längst auch mit Wulff so eng befreundet , dass er ihm im Sommer 2010 Quartier in seiner Ferienvilla auf Mallorca bot. Der Urlaub kurz nach seinem Amtsantritt als Bundespräsident brachte Wulff viel Kritik an, er hat die Reise als einen seiner größten Fehler bezeichnet. Als „Erbfreundschaften“ haben Beobachter die fortgesetzte Kumpanei von Politik, Unternehmern, lokaler Prominenz und Showgrößen bezeichnet, die mehrere Regierungswechsel in Hannover überlebte.

Bundespräsident Wulff will schweigen

Erst Wulffs Nachfolger David McAllister (CDU) hat sich von diesem Klüngel distanziert, andere Akteure sind aus Altersgründen nicht mehr dabei. Wulffs Faible für die Welt der Reichen und Schönen, das er in Hannover entwickelt hat, ist geblieben – und von seiner ehrgeizigen, jungen Frau Bettina wohl noch bestärkt worden. Nie allerdings, vom Florida-Flug abgesehen, ist Wulff da eine Verfehlung ernsthaft unterstellt oder gar nachgewiesen worden. Noch glaubt Wulff, so werde es auch diesmal sein. Am Ende werde nichts hängen bleiben von den Vorwürfen, heißt es in seinem Umfeld.

Die Opposition im Bundestag verlangt Aufklärung, gar eine Entschuldigung – Wulff aber will schweigen.

Christian Wulff in Düsseldorf

 

Christian Kerl

Kommentare
13.01.2012
16:10
einfache Rechnung
von reinschiff | #17

500 000 € zu 0,9 % geliehen macht 4500.00 € Tilgungs-Zins.
415 000 € kostet das Haus
85 000 € habe ich über , tue noch 15 000 € zu macht 100 000 €...
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2011-12-14 18:21
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