Das aktuelle Wetter NRW 10°C
Menschenrechte

Chinas Polizei schießt auf Anhänger des Dalai Lama in Tibet

09.07.2013 | 07:58 Uhr
Chinas Polizei schießt auf Anhänger des Dalai Lama in Tibet
Ein junger Mönch bei den Feierlichkeiten zum Geburtstag des Dalai Lama in Kathmandu. In Tibet ging die Polizei mit Gewalt gegen Gläubige vor, die den Geburtstag ebenfalls feiern wollten.Foto: Reuters

Peking.  Neue Zwischenfälle in den tibetischen Gebieten: Bei Feiern zum Geburtstag des Dalai Lamas eröffnete die chinesische Polizei das Feuer. Dabei wurden mindestens acht Menschen schwer verletzt. Eine Lockerung der chinesischen Politik gegenüber den Tibetern ist nicht in Sicht.

Beim Vorgehen chinesischer Sicherheitskräfte gegen Gläubige, die den Geburtstag des Dalai Lamas feiern wollten, sind mindestens acht Tibeter durch Schüsse schwer verletzt worden. Wie exiltibetische Organisationen und der US-Sender Radio Free Asia (RFA) am Dienstag unter Hinweis auf Augenzeugen berichteten, sind zwei Opfer mit Kopfschüssen in einem lebensgefährlichen Zustand. Rund 20 Tibeter seien festgenommen worden.

Die Sicherheitskräfte hätten am Samstag im Kreis Daofu in der Provinz Sichuan das Feuer eröffnet, um eine Menge von rund 1000 Tibetern aufzulösen, die den 78. Geburtstag des religiösen Oberhauptes der Tibeter an einem heiligen Berghang mit Gebeten und Opfergaben vor seinem Foto begehen wollten. Chinas Behörden betrachten den Dalai Lama als Separatisten und verbieten jede Ehrerbietung für den Religionsführer.

Polizisten sollen auch mit Steinen geworfen haben

Das harte Vorgehen der chinesischen Sicherheitskräfte erfolgt vor dem Hintergrund von Hoffnungen, dass Chinas neue kommunistische Führung vielleicht eine zurückhaltendere Politik gegenüber den Tibetern verfolgen könnte. Anlass waren unbestätigte Berichte über Diskussionen in Tibet, dass sein Foto wieder erlaubt werden könnte. Die Regierung in Peking dementierte die Angaben aber sofort und betonte, das Verbot seiner Bilder sei weiter in Kraft.

Lesen Sie auch:
China erlaubt offenbar wieder Bilder des Dalai Lama

Die Tibeter lehnen sich seit Jahren gegen die chinesische Fremdherrschaft auf. Bislang reagierte Peking mit harter Hand, versucht aber jetzt etwas Neues. Die Tibeter sollen den Dalai Lama religiös verehren dürfen - aber nicht als politischen Führer. Ein kleiner Erfolg für die unterdrückten Tibeter.

Die Polizisten hätten auch Tränengas eingesetzt, Tibeter verprügelt, mit Steinen geworfen und Scheiben von Fahrzeugen, berichtete Radio Free Asia. Mönche und Nonnen aus den Klöstern Tawu Nyitso und Gedhen Choeling seien in einem Konvoi zu dem Machen Pomra genannten Berghang gefahren, als plötzlich mehrere hundert Polizisten aufmarschiert seien und sie umzingelt hätten.

Einer der Mönche habe versucht, die Polizeisperren mit dem Auto zu durchbrechen, berichtete die exiltibetische Webseite Phayul. Die Polizei habe das Feuer eröffnet. Der Mönch sei der jüngere Bruder einer Nonne, die sich im November 2011 aus Protest gegen die chinesische Herrschaft über die Tibeter selbst verbrannt habe. Er sei durch Schüsse auch schwer verletzt worden. Nach den Zwischenfällen wurde die Lage in den tibetischen Gebieten der Provinz als sehr angespannt beschrieben. (dpa)



Empfehlen
Themenseiten
Kommentare
Kommentare
Aus dem Ressort
Saarländische Ministerpräsidentin will weniger Bundesländer
Föderalismus
Sechs bis acht Bundesländer sind genug, findet die saarländische Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer. Aus 16 Ländern könnten dann sechs bis acht werden. Gerade die kleineren Länder ächzen unter Schulden. Eine Fusion könnte diese besser verteilen - und jährliche eine halbe Million Euro einsparen.
Briten und Polen bremsen beim Klima-Kompromissder EU
Klima-Gipfel
Nach zähem Ringen haben sich Europas Staats- und Regierungschefs am Freitagmorgen auf gemeinsame Ziele zur Drosselung der Treibhausgase geeinigt. Gipfelchef van Rompuy mahnte, der Klimawandel sei „eine Frage des Überlebens“. Trotzdem sind die Ziele bis zum Jahr 2030 nur unverbindliche Vorgaben.
Maut laut Dobrindt vor allem für große Transitstrecken
Verkehr
Die geplante Pkw-Maut soll den Grenzverkehr nach Worten von Verkehrsminister Dobrindt (CSU) nicht stören. Es gehe ihm vor allem um die großen Transitstrecken, sagte Dobrindt kurz vor der Vorlage seines Gesetzentwurfs. Dieser soll im Oktober vorgestellt werden - also spätestens bis kommenden Freitag.
NRW-Justiz veranlasst Finanz-Razzia bei Schweizer Banken
Finanz-Razzia
Polizeibeamte haben Dutzende Banken und Kanzleien durchsucht. Es geht um Geschäfte, durch die der deutsche Fiskus mutmaßlich Milliarden verloren hat. Die Konten etlicher Prominenter, wie Finanz-Unternehmer Carsten Maschmeyer, Veronica Ferres, Mirko Slomka und Clemens Tönnies könnten betroffen sein.
Deiche und Polder - 102 Projekte sollen Flüssen Raum geben
Hochwasserschutz
Mit 102 Hochwasserschutzprojekten wollen Bund und Länder den Flüssen Rhein, Donau, Elbe, Oder und Weser mehr Raum geben. Mit dem nun beschlossenen Nationalen Hochwasserschutzprogramm sollten etwa Deiche zurückverlegt werden und Polder entstehen.
Umfrage
Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?

Vielen Deutschen könnte die Zeitumstellung gestohlen bleiben. Wir wüssten gerne von Ihnen: Was halten Sie von der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit?