Das aktuelle Wetter NRW 16°C
Politik

China überholt Amerika beim CO2-Ausstoß

26.09.2008 | 19:17 Uhr

Paris. (afp) China hat die USA einer Studie zufolge als weltweit größter Verursacher von klimaschädlichem Kohlendioxid-Ausstoß überholt.

Die Volksrepublik habe vergangenes Jahr 1,8 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus fossilen Brennstoffen ausgestoßen, die USA 1,59 Milliarden Tonnen, heißt es in einer gestern in Washington und Paris vorgestellten Studie des Global Carbon Projects (GCP). Entwicklungsländer sind demnach mittlerweile für mehr als die Hälfte des weltweiten C02-Ausstoßes verantwortlich. Weltweit stieg der Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre laut Untersuchung um 2,2 Teile pro Million (ppm) auf 383 ppm, also 0,0383 Prozent. Damit hat sich der Anstieg noch weiter beschleunigt.

"Die größte Zunahme von Emissionen vollzog sich in den Entwicklungländern, insbesondere in China und Indien", schrieben die Autoren der GCP-Studie. Bei den Industriestaaten sei der Ausstoß 2007 hingegen langsamer gewachsen. Die Anteile von Entwicklungs- und Industriestaaten am Kohlendioxid-Ausstoß veränderten sich deutlich: Waren die entwickelten Länder noch bis 2005 Hauptverursacher des menschengemachten CO2-Ausstoßes, wuchs der Anteil der Entwicklungsländer bis 2007 auf 53 Prozent.

Indien löst Russland ab Während China die USA schon jetzt als größter Verschmutzer überholt habe, werde Indien bald Russland auf dem dritten Platz ablösen, prognostizierten die Wissenschaftler. Russland stieß demnach vergangenes Jahr 432 Millionen Tonnen CO2 aus. Die Organisation Germanwatch hatte Deutschland im vergangenen Jahr in einer Studie als sechstgrößten CO2-Emittenten geführt, dem Land zugleich aber einen Spitzenplatz im Klimaschutz bescheinigt.

Die USA haben wiederholt gefordert, Schwellenländer wie China und Indien müssten bei einem Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kioto-Protokoll ebenfalls Verpflichtungen zur Verringerung der Treibhausgase eingehen. Die Schwellen- und Entwicklungsländer verweisen jedoch darauf, dass die Industrieländer schon viel länger große Mengen Kohlendioxid ausstoßen. Laut GCP wurden vergangenes Jahr fast zehn Milliarden Tonnen Kohlendioxid ausgestoßen. Die Verbrennung fossiler Treibstoffe machte demnach den Großteil von 8,5 Milliarden Tonnen aus, der übrige Ausstoß des Treibhausgases wurde durch veränderte Landnutzung, insbesondere durch die Zerstörung von Wäldern, verursacht. Der Kohlendioxid-Anteil in der Atmosphäre wuchs so 2007 um 2,2 Teile pro Million (ppm) und so deutlich stärker als 2006, als der Zuwachs 1,8 ppm betrug.

Der neue CO2-Anteil an der Atmosphäre lag laut der Studie vergangenes Jahr mit 383 ppm 37 Prozent über dem Bezugsjahr 1750, vor dem Beginn der industriellen Revolution. "Die derzeitige Konzentration ist die höchste in den vergangenen 650 000 Jahren, wahrscheinlich sogar in den vergangenen 20 Millionen Jahren", kritisierten die Forscher. Diese Entwicklungen bewirkten einen stärkeren und schnelleren Klimawandel als bislang angenommen. Im Schnitt stiegen die weltweiten Emissionen der Studie zufolge zwischen 2000 und 2007 jährlich um zwei Teile pro Million.

Facebook
 
Kommentare
Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/1330760/create

Umfrage
Bürger sollen künftig häufiger gefragt werden, ob sie zu einer Organspende bereit wären. Können Sie sich vorstellen, Organspender zu werden?
 
Aktuelle Fotos und Videos
Karikatur vom Tage
Bildgalerie
Fotostrecke
Norbert Röttgen - Aufstieg und Fall
Bildgalerie
Rücktritt
David McAllister geht "baden"
Bildgalerie
Boot kentert
Triumph der Sozialisten
Bildgalerie
Frankreich
Aus dem Ressort
UN-Sicherheitsrat tagt in Krisensitzung zu Syrien-Massaker
Syrien
Der UN-Sicherheitsrat wird sich nach Angaben von Diplomaten noch am Sonntag treffen, um über das Massaker im syrischen Hula mit mindestens 109 Toten zu diskutieren. Das Gremium werde sich um 20.30 Uhr deutscher Zeit treffen, hieß es.
Foto 4 Kommentare 4
Bruder von chinesischem Bürgerrechtler Chen aufgetaucht
Menschenrechte
Der Bruder des blinden chinesischen Dissidenten Chen Guangcheng ist nach Angaben eines Menschenrechtsanwalts in sein Dorf im Osten Chinas zurückgekehrt. Chen war in der vergangenen Woche nach Peking gereist. Kurz darauf verschwand er.