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China auf deutschen Tellern

Qualitätskontrolle bei einem chinesischen Lebensmittelhersteller. Produkte aus China werden nach dem Norovirus-Skandal strenger beäugt.Foto: Reuters/David Gray

Doch nicht nur die Rohstoffe für „deutsche“ Erdbeermarmelade stammen aus China. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2011 in 34 Nahrungsmittelbereichen Importe: Darunter 862 Tonnen Milchprodukte, 1647 Tonnen Reiserzeugnisse oder 10 277 Tonnen frisches Gemüse. Butter, Käse oder Weizen- und Gerstekörner werden hingegen nicht mehr eingeführt. Welche Mengen importiert werden, zeigt das Beispiel der Brötchen-Rohlinge.

2011 wurden etwas mehr als 18.071 Tonnen „Backwaren und andere Zubereitungen aus Getreide“ aus China nach Deutschland importiert. Gemeint sind damit gefrorene Teiglinge, die eine Selbstbedienungsbäckerei nur noch aufbacken muss, um Brötchen und Brot zu erhalten. Mit der Menge lassen sich gut 282 Millionen Brötchen backen. Ein Teigling wiegt anfangs gut 65 Gramm. Nach dem Backen bringt das Brötchen dann 52 Gramm auf die Waage.

Was alles aus China importiert wird

282 Millionen Brötchen, das ist so viel wie 916 normal große Bäckereien in einem Jahr produzieren. Zum Vergleich: Die zwei Groß-Bäckereien in Borken und Ungarn, die zur Sprockhöveler Selbstbedienungskette Mr. Baker gehören, produzieren täglich gut eine Million Brötchen. Mit den Liefermengen aus China ließe sich also fast der Jahresbedarf einer großen Brötchenkette decken.

Wo die China-Rohlinge landen – beim Discounter, beim SB-Bäcker oder an Tankstellen – ist unklar. Das Essener SB-Franchiseunternehmen Back König etwa betont, e in Deutschland und bei einem französischen Hersteller einzukaufen. Backwerk erklärt, man habe ausnahmslos deutsche, schweizerische und österreichische Rohwaren für Brot und Brötchen im Programm. Statt über Teig aus China verfüge man über feste Lieferanten aus den Regionen, in denen man selbst vertreten ist. „Aber es gibt andere, die ordern über internationale Händler“, fügt Dirk Richards, von der BackWerk Service GmbH, an. Doch auch Discounter wie Lidl oder Netto erklären, ihre Backautomaten-Ware komme aus deutschen Landen.

Norovirus
Tiefkühl-Erdbeeren aus China verunreinigt

Erstmals sind in einer Probe der verdächtigen Erdbeeren Noroviren festgestellt worden. Das teilte das Robert-Koch-Institut mit. Diese Noroviren sind offenbar die Ursache für den Ausbruch von Brechdurchfall in Deutschland. Rund 11.000 Kinder und Jugendliche waren davon betroffen.

Wer die chinesischen Teigrohlinge kauft, weiß Frank Köster, Geschäftsführer der Bäcker-Innung Rhein-Ruhr, auch nicht: „Das wird niemand zugeben, weil der Imageverlust doch sehr groß ist.“ Die Bäckerei von nebenan wäre mit den beschriebenen Liefermengen überfordert, sagt Köster. Deren Kühlkapazitäten reichten nicht aus. Sie hätten also nichts davon, dass China Brot-Rohstoffe günstig liefert.

Deutsches Brötchen kostet 35 Cent

Mancherorts wird gemunkelt, ein chinesischer Teigrohling koste sogar nur zwei Cent. In Deutschland könnte man damit nicht einmal die Back-Materialien für ein Brötchen kaufen, denn die kosten drei Cent. Laut Alice Thiel-Sonnen, Ernährungsexpertin des Südwest-Rundfunks, kostet ein in China produzierter Tiefkühl-Brötchenrohling 15 Cent statt 35 Cent, wenn ein deutscher Bäcker knetet.

Ein Ende der Lebensmittelimporte aus Fernost ist nicht in Sicht. Als Lieferant von Apfelsaftkonzentrat ist China auf dem deutschen Markt bereits führend. Aber auch 137.000 Tonnen Fleisch und Fisch, Dosenmandarinen, Knoblauch oder Blattspinat sind hierzulande nicht mehr wegzudenken.

Felix Lee, Frank Meßing und Anne Wohland

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Kommentare
15.10.2012
18:52
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von nachtigallfan | #15

Da mich das schon länger beschäftigt (woher kommen meine Lebensmittel?), kaufe ich Milch, Getreide, Obst und Gemüse im Hofladen oder beim Gärtner auf dem Wochenmarkt. Oder pflücke Erdbeeren selber auf dem Feld. Also alles direkt vom Erzeuger. Und wenn man die Dinge zur jeweiligen Saison kauft, kann man sich sogar Bio-Qualität (von Bioland, nicht das einfache EU-Bio) leisten.

Leider sind die Wochenmärkte im Revier teilweise nicht gut bestückt.

Jedenfalls kein Vergleich zu Freiburg/Breisgau, wo montags bis samstags die Bauern der Umgebung ihre Waren anbieten. Auf der einen Seite des Münsterplatzes nur bäuerliche Produkte aus der Region, auf der anderen Seite dann die überregionalen und internationalen Produkte.

Wenn man Produkte der Saison wählt, kann man sich auch z.B. als Hartz IV-ler Bio-Produkte leisten!
Und es wäre auch ein wichtiger Beitrag, um die regionalen Bauern zu unterstützen.

Auch hier verfügbare Lebensmittel dennoch um die halbe Welt zu karren, ist ABSOLUT NICHT NÖTIG!

13.10.2012
14:19
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von Dortmund4Life | #14

Schön, dass wir alle einer Meinung sind... nun fehlt nur noch die Politik.

Es kann nicht sein, dass im Supermarkt "aus Deutschland" draufsteht, wenn ein Produkt nur nochmal neu verpackt wurde, was eigentlich woanders her kommt.

Es kann nicht sein, dass wir die Herkunft von Zutaten aus Produkten nicht erfahren können! Wo kommen die Teigrohlinge meiner Brötchen her? Sind die Eier in den Eiernudeln aus Deutschland? aus Freilandhaltung? Und woher bekommt mein Lieblingsrestaurant seine Ware?

12.10.2012
15:33
Fratze des Kapitalismus
von nzkiwi | #13

Jetzt tropfen schon kontaminiertes Obst und Gemüse sowie Apfelsaft und Teiglinge aus dem Schlund der Fratze des Kapitalismus. Einfach nur widerlich und ekelhaft. Alles m u s s deklariert werden, damit so ein Dreck boykottiert werden kann. Nicht vergessen: auch das ist die Wende, die der sogenannte schwarze Riese, in Wahrheit eher ein Gnom, einst propagierte. Die Globalisierung ist in Wirklichkeit ein nie gekannter Turbokapitalismus, ein Dämon, dem unsere, ach, so christlichen und sozialen Politiker nichts entgegenzusetzen haben. Sicherlich fährt das christliche Merkel nur zum Erhalt deutscher Arbeitsplätze in die Rekord-Rübe-ab-Länder China und USA.

12.10.2012
11:28
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von katzwiesel | #12

Zum Teil trägt der Verbraucher Schuld daran, dass immer mehr Ware aus China importiert wird. Denn der Verbraucher will es ständig und vor allem billig kaufen können. Zum anderen haben hier die Politiker versagt, die ein Gesetz zur strengen Lebensmittelkontrolle verabschieden müßten, um den Verbraucher zu schützen (dieses Gesetz sollte auch unbedingt beinhalten, dass die Herkunftsländer genannt werden MÜSSEN). Nur so hat der Verbraucher die Möglichkeit der Wahl: kauft er das billige Dr.ckszeug aus China oder ist er gewillt, mehr Geld für mehr Qualität auszugeben!!!

12.10.2012
05:15
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von Meinemal | #11

Da faselt die Bäckerinnung im Sommer von notwendigen Preisanpassungen aufgrund gestiegener Weizenpreise, und gleichzeitig wird das Billigzeug (s. Teigrohlinge) verstärkt aus China eingeführt. Gewinnmaximierung fpr ever, Volksverblödung for ever!

12.10.2012
00:38
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von Throki | #10

Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen...

Deutschland, das Land der guten Brote & Brötchen importiert "Teigrohlinge" aus China die hier zu fertigen "Brötchen" (Ha! Eine Beleidigung für jedes echte, gute Brötchen!) aufgebacken werden. Eine Schande ...
Ich werde meine kleine, sehr gute und richtige Bäckerei (so mit Backstube und so...!) um die Ecke jedenfalls weiter unterstützen - es ist es wert!

1 Antwort
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von Altenessener | #10-1

Glückwunsch, dass es so was bei Ihnen gibt...

11.10.2012
23:41
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von Jorgel | #9

"Obst und Gemüse aus der Volksrepublik seien aber wegen des Einsatzes von Jauche-Dünger anfälliger als Produkte aus EU-Anbau."

Da ist ja lustig, in Deutschland gibt es also keine Jauche auf den Feldern.

Nur, was ist das dann für ein stinkendes Zeug, was die Bauern hier ständig auf die Felder verteilen?

"26,9 Millionen Schweine und 12,7 Millionen Rinder produzieren in Deutschland Urin und Kot. Jährlich verteilen die Bauern auf deutschen Äckern und Wiesen mehr als 200 Millionen Tonnen Gülle."
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BClle

Na, dann können wir uns ja bei Produkten aus der deutschen Landwirtschaft entspannt zurücklehen - und beim Rest der EU wird es sicherlich nicht anders sein. Immer die bösen Chinesen...

3 Antworten
aber
von lospolloshermanos | #9-1

in unserer Gülle sind die Antibiotika quasi präventiv enthalten. Nur logisch, daß China Gülle nicht deutschen Standards entspricht...

Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von Jorgel | #9-2

Ha ha...

Ist
von lospolloshermanos | #9-3

alles ein Kreislauf. ;)

11.10.2012
23:19
TreuerLeser | #6
von peerbeinstueck | #8

Es ist unfair, jetzt die Schuld auf die Verbraucher abzuwälzen.

Wenn ich die Wahl habe, billiges Obst aus China oder hochwertiges aus einheimischer Produktion zu kaufen, dann stimmt das ja.

Aber ich glaube nicht, dass irgendjemand bewusst Obst aus China kauft.
Und die Kinder, die die Sch**** fressen mussten, hatten schon mal gar keinen Einfluss, genauso wenig wie dei Eltern.

2 Antworten
@peersteinstueck
von lospolloshermanos | #8-1

Tatsächlich ist es nur der Verbraucher Schuld.

Wollen Sie der Werbung die Schuld geben? Sind die Menschen wirklich so verblödet den Versprechungen der bunten Werbung, die ein gesundes und langes Leben verspricht zu glauben.

Sind nicht die Eltern diejenigen, die ihre Kinder vor diesem Wahnsinn schützen müssten?

Heutige Eltern. Diese arme Spezies. Total überfordert, schon mit dem eigenen Leben.

Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von peerbeinstueck | #8-2

Sie haben meinen Beitrag überhaupt nicht verstanden.
Damit kann ich leben.

Aber bitte, was können die Eltern dafür, wenn die Cateringfirma, die die Schulen beliefert hat, verseuchte Erdbeeren aus China verarbeitet?

11.10.2012
23:04
Brötchen, Spinat, Apfelsaft– alles kommt aus China
von ultron | #7

Das kranke ist: Auf fast jedem Computer- oder Elektronikbauteil steht drauf "made in china" (oder Taiwan, Indonesien, was-weiß-ich.) Aber bei Lebensmittelprodukten heißt es oft nur: Hergestellt für "xxx"[=Name des Discounters]. Der Verbraucher hat hier somit kaum eine Chance, beim Einkauf zwischen deutschen/europäischen Produkten oder Ware aus Fernost zu wählen.

Ein Wort zu #6: völlig richtig, die Verbraucher sind es z. T. selber Schuld (Beispiel das ganze Jahr frische Erdbeeren) aber ich glaube, wenn man wüsste, wo die Ware herkommt, würde sich das Kaufverhalten auch ändern!

11.10.2012
22:42
Als ich dieser Tage erstmals von diesen Lieferwegen hörte…
von TreuerLeser | #6

…habe auch ich spontan gedacht „Welch ein Blödsinn“. Bei einigem Nachdenken kommt man aber zu differenzierten Ergebnissen.

Heutzutage möchte jeder Konsument jedes Produkt zu jeder Zeit essen können. Da finden sich dann Zwiebeln aus Chile, Äpfel aus Neuseeland und Zwetschgen aus Ungarn im Angebot neben den Dingen, die bei uns ohnehin nicht massenhaft wachsen (etwa Orangen oder Kiwis).

Und bei Erdbeeren ist es ähnlich.

Gab es sie zu meiner Kinderzeit lediglich zur hiesigen Ernteperiode im Juni und Juli, würden doch vermutlich heutzutage Eltern klagen, wenn ihren Kindern in Schulen auch im Oktober oder Dezember lediglich „biedere Kost aus deutschen Landen“ geboten würde und Erdbeeren nicht dabei wären.

Hier zeigt sich dann die Kehrseite!

Und es ist eben nicht allein „unser Wirtschaftssystem“ (zwar guter Begriff, da anonym!), sondern es sind auch selbst wir als Verbraucher.

3 Antworten
Dieser Tage, das erste mal?
von lospolloshermanos | #6-1

Tja, @TreuerLeser,

lesen bildet zwar, aber diese Erkenntnisse sind nun wirklich nicht neu.

Neu ist, daß Gen-Mais wohl Krebs fördert. Bin mal gespannt, wann die WAZ diese Meldung bringt...

Aber, mal ehrlich, es juckt doch eh niemanden.

P.S.
von lospolloshermanos | #6-2

Gen-Soja könnte impotent machen.

lospolloshermanos - #6-1 und -2
von TreuerLeser | #6-3

In Bezug auf die Breite der betroffenen Lebensmittel (z. B. Erdbeeren und Teigrohlinge, die ja nicht täglich "im Fokus" stehen), war es mir tatsächlich nicht klar.

Insofern bildet Lesen wirklich.

Vielen Dank auch für Ihre Zusatzhinweise.

#6-2 sollten Sie als eigenen Kommentar einstellen, da es ja von allgemeiner Bedeutung sein dürfte!

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