Charlotte Knoblochs Nachfolger könnte Dieter Graumann heißen
03.02.2010 | 13:27 Uhr 2010-02-03T13:27:00+0100
München.Die Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, räumt ihren Posten. Nachfolgediskussionen kommentiert sie nicht, laut Medienberichten ist ihr Stellvertreter Dieter Graumann Favorit für das Amt.
Beim Zentralrat der Juden in Deutschland zeichnet sich ein Führungswechsel ab. Die bisherige Präsidentin Charlotte Knobloch will laut Presseberichten vom Mittwoch auf eine weitere Amtszeit verzichten. Nachfolger der 77-Jährigen soll nach Informationen von «Handelsblatt Online» der bisherige Vizepräsident Dieter Graumann werden.
Potenzieller Nachfolger äußert sich nicht
Knobloch selbst sprach von «Spekulationen», an denen sie sich nicht beteiligen werde. Sie sagte auf ddp-Anfrage: «Meine Amtszeit läuft bis November. Ich werde in Kürze mit den zuständigen Gremien Gespräche führen.» Aus dem Zentralrat verlautete, voraussichtlich gebe es am Sonntag bei einer Sitzung des Direktoriums der Organisation Klarheit.
Auch die Wochenzeitung «Die Zeit» berichtete von einem bevorstehenden Rückzug Knoblochs. Laut «Handelsblatt Online» hat sie dem Präsidium des Zentralrats bereits ihren Verzicht auf eine zweite Amtszeit erklärt. Aus Zentralrats-Kreisen sei zudem verlautet: «Es läuft alles auf Graumann zu, er ist Favorit von Präsidium und Direktorium.» Graumann selbst habe auf Anfrage lediglich gesagt: «Kein Kommentar.»
„Politikwechsel für die Juden in Deutschland“
Der Rückzug Knoblochs wird innerhalb des Zentralrats den Angaben zufolge als «große Zäsur» gesehen, da die 77-Jährige die letzte Holocaust-Überlebende im Präsidium ist. Es gebe nun auch einen «Politikwechsel» für die Juden in Deutschland, habe es in den Kreisen weiter geheißen. So werde zum Ausdruck gebracht, dass sich die Juden hierzulande nicht mehr nur auf das Thema Holocaust konzentrieren wollten, sondern vor allem auch auf die spezifischen Probleme der in Deutschland lebenden Juden.
Knobloch ist seit Juni 2006 Präsidentin des Zentralrates der Juden. Bereits seit 1985 ist sie Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Sie setzte sich vehement dafür ein, dass die Schrecken der NS-Herrschaft nicht in Vergessenheit geraten.
Geboren wurde Knobloch am 29. Oktober 1932 in München. Sie überlebte den Holocaust, weil sie von 1942 bis zum Kriegsende von einer katholischen Bauernfamilie in Mittelfranken versteckt wurde. Nach München kehrte Knobloch 1945 zurück. (ddp)

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