Charlie Hebdo meldet sich zurück

Paris..  Neue Mohammed-Zeich­nungen, drei Millionen Exemplare Auflage, weltweite Aufmerksamkeit: Wenn die Attentäter von Paris gehofft haben, „Charlie Hebdo“ mit ihren Morden zum Schweigen zu bringen, sind sie gescheitert. Heute wird wie gewohnt eine neue Aus­gabe des Magazins in den Kiosken liegen. Spätestens am Samstag soll sie auch in Deutschland erhältlich sein. „Wir lassen uns nicht einschüchtern“, lautet die Botschaft.

Bei dem Anschlag starben acht Redaktionsmitglieder – darunter Mohammed-Karikaturist und Redaktionsleiter Stéphane Charbonnier (47) alias Charb. „Wir haben uns gefragt, wie wir uns selbst treu bleiben können“, sagte Chefredakteur Gérard Biard. Ziel für die neue Ausgabe sei es gewesen, ein Titelbild zu schaffen, das die Leute trotz der Geschehnisse zum Lachen bringe.

„Ich habe angefangen zu weinen“

Ob das gelungen ist, muss jeder ­Käufer für sich entscheiden. Das ­bereits am Montagabend vorab veröffentlichte Cover zeigt den Propheten Mohammed, der trauernd ein Schild mit der Aufschrift „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) in den Händen hält. Darüber steht „Tout est pardonné“ (Alles ist vergeben). Die Botschaft scheint klar und bis auf die bildliche Darstellung des Propheten politisch korrekt. Sie lautet: Selbst der so oft von „Charlie Hebdo“ verunglimpfte Mohammed hätte ein solches Verbrechen ­niemals gutgeheißen. „Ich habe ­geschrieben ,Alles ist vergeben’, und ich habe angefangen zu weinen“, ­erzählt Zeichner Luz mit Tränen in den Augen über die Entstehung der Karikatur. „Das war die Titelseite.“

Mit Spannung wurde erwartet, welche Zeichnungen den Weg ins Heft gefunden haben. Das blieb ­zunächst geheim. In der Vergangenheit hatte das Blatt mit Karikaturen für Aufsehen gesorgt, die mindestens an die Grenze der Geschmacklosigkeit gingen. Morddrohungen brachte der Redaktion eine Aus­gabe aus dem Jahr 2012 ein.

Düstere Prophezeiung

In einer der Zeichnungen war ­beispielsweise der Hauptdarsteller eines umstrittenen Mohammed-Schmähvideos aus den USA mit einem Schweinekopf in der Hand zu sehen. Die Redaktion druckte damals direkt neben ihren derben Karikaturen eine bissige Rechtfertigung, die heute wie eine düstere Prophezeiung wirkt. „Malst Du einen glorreichen Mohammed, stirbst Du, zeichnest Du ihn lustig, stirbst Du. Mit diesen Faschisten gibt es nichts zu verhandeln“, ­kommentierte der am Mittwoch erschossene Charb damals.

Ägyptische Islamgelehrte übten am Dienstag scharfe Kritik am jüngsten „Charlie Hebdo“. In Kairo wertete die wichtige religiöse Einrichtung Dar al-Ifta („Haus der Rechtsprechung“) die Veröffent­lichung neuer Mohammed-Karikaturen als „rassistischen Akt“.