CDU-Chefin Merkel nennt Hamburg-Schlappe "bitteres Ergebnis"

Schlechte Stimmung in der CDU: Parteichefin Merkel nennt das Wahlergebnis in Hamburg "bitter".
Schlechte Stimmung in der CDU: Parteichefin Merkel nennt das Wahlergebnis in Hamburg "bitter".
Foto: Christian Charisius
Bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg konnte alle anderen Parteien von ehemaligen CDU-Wählern profitieren. Die größte Wählergruppe wechselte zur FDP.

Hamburg.. Die CDU hat bei ihrer Wahlniederlage in Hamburg an fast alle anderen Parteien Stimmen verloren. Die mit 9000 Wählern größte Gruppe wechselte zur FDP, wie ein Vergleich des Forschungsinstituts Infratest dimap mit der Wahl 2011 zeigt. Ähnlich stark profitierten die regierende SPD und die neu in die Bürgerschaft eingezogene AfD vom Einbruch der CDU: Sie gewannen jeweils 8000 ehemalige CDU-Wähler.

CDU-Chefin Angela Merkel hat die Schlappe als "bitteres Ergebnis" bezeichnet. Es sei im Wahlkampf spürbar gewesen, dass die Machtoptionen für die CDU nur als sehr eingeschränkt angesehen worden seien, sagte die Bundeskanzlerin am Montag nach Sitzungen der CDU-Spitzengremien in Berlin. Zur Schwäche der CDU in vielen Großstädten sagte Merkel: "Wir sollten nicht eine Stadt- und eine Land-Programmatik haben."

Verluste musste aber auch die Wahlsiegerin SPD hinnehmen: Der Zuwachs von der CDU konnte die Abwanderung ehemaliger SPD-Wähler zu anderen Parteien nicht ausgleichen. Allein 7000 einstige SPD-Anhänger machten ihre Kreuzchen diesmal bei der AfD und trugen so dazu bei, dass die Sozialdemokraten diesmal auf einen Koalitionspartner angewiesen sind.

FDP profitiert am stärksten von ehemaligen CDU-Wählern

Die rechtskonservative AfD, die in Hamburg erstmals antrat, mobilisierte zudem 8000 Nichtwähler sowie 9000 Wähler von Parteien, die 2011 nicht ins Parlament gekommen waren. Geringer fiel ihr Zuwachs von FDP (4000), Grünen und Linken (je 1000) aus.

Die FDP profitierte am stärksten von ehemaligen CDU-Wählern. Nachdem der Wiedereinzug der Liberalen in die Bürgerschaft lange auf der Kippe gestanden hatte, wechselten 9000 CDU-Wähler zur FDP.

Die Altersstruktur der Wähler zeigt, dass SPD und CDU ihren größten Rückhalt bei den über 60-Jährigen haben. Linke und Grüne punkten vor allem unter Wählern bis zu diesem Alter. FDP und AfD dagegen haben in nahzu allen Altersgruppen eine annähernd gleich starke Klientel - mit einer Ausnahme: Auch in der FDP ist der Anteil der Wähler über 70 besonders hoch. (dpa)