CDU arbeitet Wahl-Desaster auf, Studie gibt Röttgen Schuld

Trägt laut Studie einen nicht unerheblichen Anteil an der Wahlniederlage der CDU: der damalige Spitzenkandidat Norbert Röttgen.
Trägt laut Studie einen nicht unerheblichen Anteil an der Wahlniederlage der CDU: der damalige Spitzenkandidat Norbert Röttgen.
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Warum schnitten die Christdemokraten beim letzten Urnengang in NRW so schlecht ab? Vier Monate nach dem Schock beginnt die Fehleranalyse in der Partei – bei einem Treffen zwischen Landeschef Armin Laschet und Wahlexperten. Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung gibt erste Aufschlüsse.

Düsseldorf.. Knapp vier Monate nach dem Wahlschock im Mai geht die geschlagene NRW-CDU an die späte Fehleranalyse. Am Samstag trifft sich die CDU-Führung um Landeschef Armin Laschet hinter verschlossenen Türen mit Wahlexperten zur Aufarbeitung der Pannen und Pleiten im Wahlkampf. Eine Studie der Konrad-Adenauer-Stiftung gibt erste Aufschlüsse.

Danach trägt CDU-Spitzenkandidat Norbert Röttgen einen nicht unerheblichen Teil der Verantwortung für die Niederlage bei der NRW-Landtagswahl. 57 Prozent der CDU-Anhänger begründeten das schlechte Abschneiden auch damit, dass sich Röttgen nicht festgelegt habe, auch als Oppositionsführer in NRW zu bleiben. Nur 19 Prozent der Wähler hielten Röttgen für glaubwürdiger als Ministerpräsidentin Kraft, 52 Prozent sprachen dies Kraft zu.

Ursachen reichen tiefer

Trotz schwerer Fehler des CDU-Spitzenmannes – die Ursachen für das Wahldesaster reichen tiefer. In nur sieben Jahren hat die NRW-CDU ihr Image als Wirtschaftspartei eingebüßt. 2005 betrug der Vorsprung zur SPD noch zwölf Punkte – 2012 rangiert die SPD zwei Punkte vor der CDU. Landeschef Laschet pocht deshalb darauf, die Wirtschaftskompetenz der NRW-CDU wieder zu stärken. Der versierte Wirtschaftsfachmann Friedrich Merz konnte das Ruder in der Endphase des Wahlkampfs nicht herumreißen.

Selbst Krafts „Achillesferse“, die Haushalts- und Finanzpolitik, konnte die CDU nicht nutzen. Trotz Verfassungsklage, trotz gescheitertem Haushalt, trauten 38 Prozent Kraft in der Finanzpolitik mehr zu als ihrem Herausforderer Röttgen (29 Prozent). Der verbaselte sogar das zentrale Schuldenthema, indem er keine konkreten Sparvorschläge präsentierte und selbst die Abschaffung der Studiengebühren und Elternbeiträge im letzten Kita-Jahr durch Rot-Grün unterstützte.

450 000 Wähler verloren

450 000 Wähler hatte die NRW-CDU bei ihrem Absturz auf 26,3 Prozent im Mai verloren. Vor allem bei den Älteren und bei den Frauen waren Wähler abgewandert. Nicht nur Fraktionschef Karl-Josef Laumann drängt nun darauf, „Konservative“ und die Stammwähler wieder stärker in den Blick zu nehmen. Einen Wahlschlager hatte sich Röttgen mit dem „Schulfrieden“ selbst genommen. Die Folge: Die Basis war für die Schulpolitik nicht zu mobilisieren.

Um nicht als alleiniger Buhmann dazustehen, kann Röttgen auf eine Zahl verweisen. Schon zwei Jahre vor seiner Kandidatur wurde die NRW-CDU im Zufriedenheits-Ranking mit plus 0,6 Punkten deutlich schlechter eingestuft als die Bundes-CDU mit 1,2 Punkten. Damals hieß der CDU-Landeschef Jürgen Rüttgers. Der hatte nach der verlorenen Wahl 2010 auf eine Aufarbeitung verzichtet.