Das aktuelle Wetter NRW 20°C
Kampf um Plätze

Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin

28.08.2008 | 09:29 Uhr

Essen. Rekord: Wer Medizin studieren will, muss zehn Semester auf einen Studienplatz warten. Die ZVS meldet 59.000 Bewerber für 14.000 Studienplätze. Viele Studierwillige versuchen, sich einen Platz vor Gericht zu erstreiten.

Viele Studenten haben von der ZVS eine Absage erhalten. (Foto: Mike Röser)

Die Wartezeit für einen Studienplatz in Medizin haben einen neuen Rekord erreicht: Zehn Semester muss warten, wer kein Einser-Abi hat. Das Fach gehört zu den Studiengängen, bei denen die Zulassungen über die Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) in Dortmund gehen. Die verschickte kürzlich rund 53.500 Ablehnungsbescheide.

Fünf Jahre warten für Psychologie, vier für Zahnmedizin

Insgesamt 59.176 Studierwillige haben sich zum Wintersemester 2008/09 für einen von bundesweit 13.814 Studienplätzen in Biologie (Diplom), Medizin, Pharmazie, Psychologie (Diplom), Tiermedizin oder Zahnmedizin beworben. Die Wartezeiten für einen Teil der betroffenen Studiengänge sind im Vergleich vergangenen Wintersemester erneut gestiegen. „Das ist ein schlimmer Schock für Abiturienten”, sagt ZVS-Sprecher Bernhard Scheer. Auch Psychologie und Tiermedizin haben zehn Wartesemester, Zahnmedizin acht, Biologie vier und Pharmazie zwei.

Wem das zu lange dauert, der wählt nicht selten den Weg zum Rechtsanwalt. „Wenn man nicht vier oder fünf Jahre warten will, ist die einzige realistische Möglichkeit auf einen Studienplatz häufig die Klage”, erklärt Kölner Rechtsanwalt Dr. Christian Birnbaum.

Klagen wird teuer

Die Möglichkeit, eine Hochschule zu verklagen und so zum ersehnten Studienplatz zu gelangen, basiert auf dem Recht der Ausbildungsfreiheit. Hochschulen müssen so viele Studierende aufnehmen, wie sie können. Sind nicht alle Kapazitäten voll ausgeschöpft, müssen die Hochschulen weitere Plätze vergeben. Die werden unter den Klägern ausgelost. Die Erfolgschancen bei einer Klage hängen vom Studiengang ab. Um in Medizin eine 50-prozentige Erfolgschance zu haben, müsste ein Mandant zehn Hochschulen verklagen, nennt Birnbaum ein Beispiel. „Das wird richtig teuer: 15.000 bis 18.000 Euro”, sagt er. „Es gibt aber Rechtsschutzversicherungen, die das zahlen.”

Die Anzahl der Klagen sei in den vergangenen Jahren nahezu unverändert geblieben, sind sich Karsten Herfort, Vorsitzender Richter am Verwaltungsgericht Gelsenkirchen, und sein Kollege Klaus-Peter Uhlenberg vom Verwaltungsgericht Köln einig. „Wir haben jedes Semester mehrere Hundert solcher Verfahren”, sagt der Vorsitzende Richter Uhlenberg. Die Erfolgschancen einer Studienplatzklage hingen vom Einzelfall ab, betont Herfort.

Letzte Hoffnung Losverfahren

20 Prozent der Plätze vergibt die ZVS nach Wartezeit, 20 Prozent nach Abinote. Der Rest läuft über das Auswahlverfahren der Hochschulen. Wer einen Ablehnungsbescheid von der ZVS erhalten hat, muss daher noch nicht alle Hoffnungen aufgeben. Zwar sind die Plätze nach Wartezeit und Abinote vergeben – rund 5700 Zulassungen ergeben sich aus diesen beiden Quoten – aber die Auswahlverfahren der Hochschulen laufen noch.

Daher nennt Scheer die Ablehnung von der ZVS eine „Zwischenmitteilung”. Ab September gehen die ersten Zulassungen für das Hochschulverfahren heraus. Also heißt es warten. Bewerber, die dann keinen Platz erhalten haben, können noch auf ein Losverfahren der einzelnen Hochschulen hoffen.

Mehr zum Thema:

Hochschulzulassung wird grundlegend reformiert

Astrid Stolberg

Facebook
 
Kommentare
04.09.2008
19:55
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von im_herzen_mediziner | #15

Tja, ich werde wohl im Ausland studieren sollte ich dieses Semester keinen Platz bekommen.
Andere Leute träumen von meinem Schnitt und ich bekomme damit in Deutschland noch nichtmal einen sicheren Studienplatz.
Recht der Ausbildungsfreiheit - das ich nicht lache.

25.08.2008
20:11
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von Elektrosteiger | #14

Und das ist das nächste, was diese tolle Regierung in NRW einführt: Wartegebühr in Höhe der Studiengebühr...

25.08.2008
20:06
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von feder24 | #13

#10
Das von mir herausgesuchte Beispiel ist ein Bachelor Studium. Die TH Aachen ( nur zur Erinnerung, das ist eine Uni) stellt gerade die Studiengänge auf Bachelor um, sodass auch ein anschließend Masterabschluß (+3 Semester ) sichergestellt ist. Ziel ist, die Ausbildung vergleichbar mit dem früheren Diplomabschluß zu haben!
Link:
www.rwth-aachen.de/aw/main/deutsch/Themen/~dl/fachbereiche

25.08.2008
18:07
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von feder24 | #12

Beispiel TH Aachen ( Internet der TH )
Erstsemesterinfo 2008

Um an einer Hochschule studieren zu
können, muss man sich dort immatrikulieren
(das heißt: einschreiben). Für den
Studiengang Computational Engineering
Science (CES) besteht in Aachen
keine Zulassungsbeschränkung, so dass
du dich direkt an die Hochschule wenden
kannst und dich nicht bei der ZVS
(Zentrale Vergabestelle für Studienplätze)
um einen Studienplatz bewerben

Das gilt m. E. auch für das Studium Maschinenbau

25.08.2008
17:16
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von feder24 | #11

Wenn nicht alle naturwissenschaftlichen Fächer, die zugegebenermaßen lernintensiver sind, abgewählt wurden, kann doch ein Ingenieurstudium angesagt sein. Keine Wartezeiten, und ein angemessenes Einkommen ist auch möglich.

25.08.2008
16:45
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von Pit01 | #10

Bei den scheinbar schlechten Verdienst Aussichten ist das Interesse an einem Studienplatz doch schon sehr erstaunlich. Oder ist das Berufung?

25.08.2008
15:38
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von Gernot Kloss | #9

Es ist erschreckend was sich im deutschen Bildungswesen abspielt. Es ist eine Spielwiese für Kleinstaaterei und Inkompetenz (Föderalismus, Hochschulrahmengesetz). Dass gerade in diesem Bereich Politiker ihre Verblendung an höchst motivierten, lernwilligen Jugendlichen und Studenten abarbeiten können, ist ein Skandal. Dieser Skandal prägt. Deshalb werden viele Studenten, insbesondere Medizinstudenten, dem Land gegenüber keine Bringeschuld empfinden und nach ihrem Abschluss ins Ausland gehen. Zumal sie hier nicht nur bessere Arbeitsbedingen, sondern auch bessere Vergütungen vorfinden.

25.08.2008
15:33
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von Gernot Kloss | #8

Es ist erschreckend was sich im deutschen Bildungswesen abspielt. Es ist eine Spielwiese für Kleinstaaterei und Inkompetenz (Föderalismus, Hochschulrahmengesetz). Dass gerade in diesem Bereich Politiker ihre Verblendung an höchst motivierten, lernwilligen Jugendlichen und Studenten abarbeiten können, ist ein Skandal. Dieser Skandal prägt. Deshalb werden viele Studenten, insbesondere Medizinstudenten, dem Land gegenüber keine Bringeschuld empfinden und nach ihrem Abschluss ins Ausland zu gehen. Zumal sie hier nicht nur bessere Arbeitsbedingen, sondern auch bessere Vergütungen vorfinden.

25.08.2008
15:17
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von carsten1 | #7

Wenn die 3er-Studenten sofort einen Platz bekämen, wären die Durchfallquoten fiel höher. Dann würden die Studierenden anfangen herumzumeckern und man müsste notfalls das Niveau senken.

Eine Ministerin sagte mal zu einem mir bekannten Hochschulprofessor (inoffziell). Setzen Sie doch 3 Studenten an einen Computer. Dann lassen sie halt 80-90% durchfallen und sie haben ein bis zwei Jahre später wieder ihre Einz-zu-Eins-Bestzung an den PCs. (Anmerkung: 67% Durchfaller reichen ja nicht, da einige Studenten ihre Prüfungen ja auch noch wiederholen, statt einfach alles hinzuschmeissen ;-)

25.08.2008
07:00
Zehn Semester Warten auf ein Studium der Medizin
von vantast | #6

Nur gut, daß wir sowieso zu viele Ärzte haben.
Und überall werden Kliniken geschlossen, da ist dieser marktwirtschaftliche Weg schon richtig. Die sollten lieber Jura studieren, denn gute Juristen werden dringender gebraucht, wie man z.B. bei Siemens sehen kann.

Trackbacks

Die Trackback URL zu diesem Artikel ist: http://www.derwesten.de/services/trackbacks/article/939018/create

Aktuelle Fotos und Videos
Simulierte Verhandlung
Bildgalerie
Studenten vor Gericht
Der Medizin-Papst feiert
Bildgalerie
Fotostrecke
Schröder an der Uni
Bildgalerie
TU Dortmund
Dortmunds Hochschultage
Bildgalerie
Universität
Aus dem Ressort
Medienforscher wollen Veranstaltungen sicherer machen
Campus
Die Medienforscher der Uni Siegen sind an einem Projekt beteiligt, das „Bausteine für die Sicherheit von Großveranstaltungen“ schaffen soll. BaSiGo soll praktische Erfahrungen und wissenschaftliche Forschungen miteinander kombinieren, um die Sicherheit bei Musikkonzerten oder Volksfesten zu erhöhen.
Uni Siegen schneidet gut ab im DFG-Förderatlas
Forschung
Im Förderatlas der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) werden die Forschungsleistungen aller Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen in Deutschland untersucht. Der Universität Siegen wird dabei eine hervorragende Positionierung bestätigt.