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Studiengebühren

Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit

18.10.2012 | 17:55 Uhr
Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
Auch in NRW demonstrierten die Studenten gegen die Campus-Maut von 500 Euro im Semester. Zum Herbst 2012 wurden sie von der rot-grünen Landesregierung abgeschafft.Foto: dapd

Düsseldorf.   Er gilt in Nordrhein-Westfalen als „Professor Klartext“: Der Bochumer Wirtschaftswissenschaftler Stefan Winter hat in seinem Buch „Die Studiengebühren-Lüge“ mit der rot-grünen Hochschulpolitik abgerechnet - und tritt eine neue Debatte über die Semesterbeiträge los.

Das NRW-Wissenschaftsministerium reagiert trotz der strapazierten Loyalität des Professors zum Dienstgeber Land betont gelassen. Buchrezensionen gehörten nicht zum Aufgabenbereich des Ministeriums, wiegelte eine Sprecherin von Wissenschaftsministerin Svenja Schulze (SPD) ab. Auch für Professor Winter gelte die Meinungsfreiheit.

Der Bochumer Wirtschaftswissenschaftler will mit seinem provokanten Stil eine neue Debatte über Studiengebühren entfache n.

Rot-Grün hatte die erst 2006/2007 eingeführten Semesterbeiträge von bis zu 500 Euro im Wintersemester 2011/12 wieder abgeschafft . Winter prophezeit, dass sich die Frage der Studienfinanzierung unter dem Druck der Schuldenbremse neu stellen werde. Bis 2020 sind die Bundesländer per Verfassung verpflichtet, ausgeglichene Haushalte vorzulegen.

Nur noch zwei Gebührenländer

Der Kampf um die Studiengebühren wogt in Deutschland seit Jahren hin und her. Als die rot-grüne Bundesregierung 2002 ein vollständiges Verbot der „Campus-Maut“ ins Hochschulrahmengesetz schreiben wollte, klagten sechs Bundesländer dagegen erfolgreich vor dem Bundesverfassungsgericht.

In der Folge erhoben Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Niedersachsen, NRW und das Saarland Semesterbeiträge. Wahlniederlagen von CDU und FDP führten – ähnlich wie an Rhein und Ruhr – zu einer Umkehrbewegung. Bis auf Bayern und Niedersachsen haben alle Länder die Studiengebühren wieder abgeschafft.

Für Professor Winter wird die Debatte über das Bezahlstudium von Befürwortern bislang zu hasenfüßig und technokratisch geführt. Seine These: „Die Gebührenfreiheit staatlicher Universitäten ist sozial ungerecht.“ Sie sei eine Umverteilung von unten nach oben, da die Gesamtheit der Steuerzahler jenen die Ausbildung spendiere, die später die besten Einkommen erzielten. „Wir können nicht einerseits die Gebührenfreiheit propagieren und andererseits unsere eigenen Kinder zum Studieren ins Ausland jagen, weil wir es nicht schaffen, genügend Studienplätze mit qualitativ hochwertigen Ausstattungen zu schaffen“, findet Winter.

Nachgelagerte Gebühren

Der Bochumer Betriebswirt hat gemeinsam mit seinem Doktoranden Alexander Pfitzner errechnet, dass ein Beitragsmodell wie in Australien in NRW auf größere Akzeptanz stoßen könnte und die notorische Finanzklemme der Hochschulen lindern würde. Studienbeiträge müssten erst nach Examen und Berufseinstieg bezahlt werden, gestaffelt nach Einkommen mit einer Freigrenze von 30 000 Euro Bruttojahresverdienst. Anders als bei festen Kreditverträgen wäre die Rückzahlung flexibel und über Jahre streckbar. So kämen für die NRW-Hochschulen 650 Millionen Euro pro Jahr zusammen.

Tobias Blasius



Kommentare
23.10.2012
19:13
Studiengebühren bei Bedarf.
von prorevier | #13

Staatliche Leistungen dienen zur Steuerung der Interessen der Gesellschaft. Wenn wir mehr Bildung benötigen, muss diese natürlich gefördert werden. Niemand wird ernsthaft abstreiten wollen, dass dies z.Zt. der Fall ist. Sollte sich das jemals ändern, kann man dies ja wieder ändern.
Gelder erheben sollte man nicht von Akademikern oder Vermögenden, sondern von finanziell Leistiungsfähigen und das sind Menschen mit hohem Einkommen. Das mag z.T. identisch sein, aber nicht immer und deshalb sollte die wichtigste Bemessungsgrundlage das Einkommen sein.

21.10.2012
19:32
Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
von Berufshartzer | #12

Warum nur müssen solche Leute mit dickem Geldbeutel auch immer auf dicke Hose machen?

21.10.2012
17:59
marcwause | #10
von peerbeinstueck | #11

Andere Ausbildungen bringen, wie ich weiter unten schon ausgeführt habe, sogar Geld. Während der angehende Student noch fürs Abi büffelt, verdienen seine ehemaligen Schulkameraden in der Lehre schon Geld. Und wer den Meister macht, hat vorher schon jahrelang Geld verdient.

Ich weiß gar nicht, warum ich als Vater mehrerer Kinder dafür bestraft werden soll, dass meine Kinder studieren.

1 Antwort
Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
von Lukbo | #11-1

Inwieweit werden SIE bestraft, wenn ihre Kinder NACH dem Studium ein Prozentsatz ihres Gehalts an die Uni zurückzahlen müssen? Anscheinend sind sie beim Lesen des Artikels nicht bis zum letzten Absatz gekommen

21.10.2012
16:34
Der Prof hat völlig recht!
von marcwause | #10

Andere Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen kosten ja auch Geld (z. B. Meisterschule).

Warum bekommen die einen eine Ausbidlung vom Staat bezahlt die später zu höheren Verdienstmöglichkeiten führt, während andere alles selbst finanzieren müssen?

Das ist ja nicht nur sozial ungerecht sondern auch noch ein Wahlkampfgeschenkt in NRW, dass mit neuen Schulden finanziert wurde.

21.10.2012
13:51
Nachgelagerte Studiengebühren sind doch was Feines,
von meigustu | #9

Das macht man ganz unbürokratisch, indem man einfach den Spitzensteuersatz um ein paar Prozentpunkte anhebt. Dann zahlen nicht nur die gut verdienenden Akademiker sondern auch all jene die davon profitieren, dass Akademiker Unternehmerprofite ermöglichen.

21.10.2012
12:57
Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
von FrankNeu | #8

Ein Professor, der auf einer einsamen Insel besser aufgehoben wäre. Vielleicht ist Ihnen ja bekannt, dass wir in einer sozialen Marktwirtschaft leben und nicht in einer reinen freien kapitalistischen Wirtschaft. Zumindest das was davon noch übriggeblieben ist. Das Recht auf kostenlose Bildung für jeden deutschen Bürger sollte ins Grundgesetzt verankert werden. Im Gegenzug kann man gerne die Steuern für hohe Einkommen erhöhen, welche durch die kostenlose Bildung erst ermöglicht worden sind.
So einfach kann man eine faire Kostenverteilung einführen.Aber dies wäre ja für Ihr Professoreneinkommen nicht von Vorteil,gelle?!?!

1 Antwort
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von Lukbo | #8-1

Es gibt keine kostenlose Bildung, da können sie soviel ins Grundgesetz reinschreiben wie sie wollen... Eine Ausbildung verursacht immer Kosten, es ist nur entscheidend wer für diese Kosten trägt. Wenn der Staat die Kosten trägt, dann bezahlt jeder Steuerzahler die Ausbildung mit.

Nehmen wir ihr 2. Argument mal auseinander. Das Problem ist, dass der Staat chronisch hoch verschuldet ist. Im Zuge der Schuldenbremse wird er gezwungen sein Kosten einzusparen. Die Budgets der Universitäten sind daher immer auf einem sehr niedrigen Niveau. Daran wird sich auch nichts durch höhere Steuereinnahmen von Einkommensstarken Steuerzahler ändern. Die Einnahmen wären ein Tropfen auf dem heißen Stein, bei 170 Milliarden Schulden allein in NRW.
Außerdem geht es darum die Kosten seines Studiums zurückzuzahlen. Wenn ich nun 30 Jahre diesen höheren Steuersatz zahle, habe ich am Ende mein Studium überfinanziert.

21.10.2012
12:41
Australien
von vaikl2 | #7

Jaja, die Betriebswirte. Immer einen flotten Spruch auf Lager, aber über den eigenen Zaun zu denken, fällt denen unheimlich schwer.

In Australien entwickelt sich das hierzulande so dolle gelobte HECS-Modell aus den schon hier genannten Gründen zur großen Belastung des Staatshaushalts und zu einer staatsautoritär gelenkten Differenzierung in "gute" und in "belanglose" Studienfächer.

Die Einkommens-Untergrenzen, ab denen hinterher zurückgezahlt werden muss, werden immer weiter in Richtung unqualifizierte Berufe gesenkt, viele Studenten arbeiten nach dem Studium in den USA und müssen nichts zurückzahlen, der Staat zieht sich massiv aus der eigentlichen Hochschulförderung zurück und Fächer, die allein aus Sicht des Staates "nich so viel bringen", werden überproportional teurer.

Wer solch eine Entwicklung als empfehlenswert bezeichnet, der sollte seine Professur zurückgeben.

1 Antwort
Studiengebühren
von Broncezeit | #7-1


Ihr Argument:
"viele Studenten arbeiten nach dem Studium in den USA und müssen nichts zurückzahlen"
zieht nicht.

Denn auch Studenten, die gebührenfrei studiert haben, gehen nach dem Studium in die USA.
Hier ist das von den Bürgern für das Studium erbrachte Steuergeld weg..

21.10.2012
12:40
Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
von peerbeinstueck | #6

Diese Diskussion wird durch ständige Wiederholung nicht besser. Natürlich zahlt die Allgemeinheit für die Ausbildung junger Menschen, da diese im Interesse der Gesellschaft liegt. Wenn mir der Klempner die Wasserleitung repariert, zahle ich mit der Rechnung auch die Ausbildung des Azubi mit, der die ganze danebengesatanden hat und höchstens mal die Wasserpumpenzange angereicht hat. Das ist auch völlig in Odnung. Warum soll das bei Studenten anders sein?

1 Antwort
Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
von Lukbo | #6-1

Seeeehr ungünstiges Beispiel. Nehmen wir an der Klempner sei ein Meister. Wussten sie, dass Handwerker die Meisterschule in Deutschland selber finanzieren müssen?
Der Lehrling wird durch den Staat mitfinanziert, darüber sollten sie sich keine Gedanken machen. Viel mehr bezahlen sie am Ende den Kredit mit ab, den der Meister für seine Ausbildung aufnehmen musste

21.10.2012
12:30
Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
von badchefin | #5

Ist doch ganz einfach: Vermögenssteuer und Steuern auf Aktienhandel einführen und das Geld gezielt in Bildung investieren. Das reicht dann für alle Ebenen, von der Kita, Schule, über Förderprogramme bis zur Uni.

1 Antwort
Vermögenssteuer.
von Broncezeit | #5-1

Der Hausbesitzer bringt dann jedes Jahr ein paar herausgepickte Steine zum Finanzamt. oder soll er eine Hypothek zum begleichen seiner Steuer aufnehmen?

Beim Bargeld wird überhaupt keine Vermögenssteuer fällig da der Besitzer sein Geld ins Ausland schafft. Die sind doch nicht blöd und versteuern ihr Geld zweimal.

Zu der Erkenntnis, daß bei den vielen möglichen Steuererfindungen,das Interesse an einer wirtschaftlichen Betätigung erlischt werden die Sozis wohl nie kommen.

Sie schaffen die idealen Voraussetzungen für Schwarzarbeit, Schwarzhandel und der damit verbundenen Steuerhinterziehung und Schwächung der Sozialkassen.

Und das alles nur um zu verhindern, daß Ärzte, Rechtsanwälte und Richter später einige Prozente ihres Einkommens für Studiengebühren zurückzahlen müssen.

21.10.2012
11:34
"..da die Gesamtheit der Steuerzahler jenen
von Pottriotin | #4

die Ausbildung spendiere, die später die besten Einkommen erzielten..."

Bei solchen Sätzen bleibt mir stets das Lachen im Hals stecken. Aber polemisieren ist ja so einfach. Oder wir dürfen demnächst nur noch Ingenieurswesen oder Medizin studieren. Alle anderen Studiengänge bringen ja eh nicht die gewünscht Wirkung aufs Bruttosozialprodukt.

Denn das man mit Studienabschluss durch die Bank weg besser verdient, ist schlicht gelogen. Und dann sollte man doch bitte auch mal mit berechnen, welches Einkommen einem in der Zeit des Studiums entgeht. Das andere aber in der Zeit haben, die "nur" eine Ausbildung machten. Also meine nicht-studierten Freunde sind die, die sich in letzter Zeit Wohnungen und Häuser gekauft haben. Den Akademikern fehlt das Geld / das Ersparte dazu.

Wo wir wieder zu meinem ersten Satz kommen: Haben wir wohl das falsche studiert. Und in Zukunft kann man die mit dem falschen Studium ja ruhig wieder doppelt finanziell bestrafen...

3 Antworten
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von DKWF12 | #4-1

Wer sein Hobby studiert, hat das Falsche studiert.

Ein akademischer Titel bringt nicht automatisch ein Einkommen.

Vorher den Markt sondieren.
Danach studieren und in seinem Studienfach Geld verdienen.

Ansonsten, um Taxifahrer oder Telefonverkäufer zu werden, benötigt man keinen Hochschulabschluss

Wie sozial sind Studiengebühren? - Bochumer Professor provoziert Streit
von RennYuppieRenn | #4-2

Und danach, aufgrund des verfehlten Lebenssinns in Depressionen verfallen und psychologische Hilfe in Anspruch nehmen. Schon mal daran gedacht, dass Menschen in dem, was sie gerne machen sehr viel besser und motivierter sind?

#4-1 Sie unterliegen in IHrer Argumentation
von meigustu | #4-3

außerdem der falschen Annahme, dass gesellschaftlicher Nutzen und finanzielle Honorierung einhergehen. Nach Ihrer Logik können wir alle Unis schließen, denn ein Börsenmakler braucht keinen akademischen Abschluss.

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