Wie Skifahren ohne Schnee
30.04.2008 | 15:50 Uhr 2008-04-30T15:50:00+0200Die Uni Duisburg-Essen bietet jetzt erstmalig "Skiken" im Hochschulsport an.Mit speziellem (Roll-)Schuhwerk geht es um den Baldeneysee und durch Wald und Flur
Da gucken die Spaziergänger am Baldeneysee schon zweimal hin. Die langen Stöcke, mit denen Jürgen Schmagold, Leiter des Hochschulsports an der Uni Duisburg-Essen (UDE) und seine Schüler unterwegs sind, sind einfach nicht zu übersehen. Und diese (Roll-)Schuhe? Das sind doch keine Inlineskates? Nein, das sind Skikes und Basis des neuen Trendsports, des "Skikens".
Als erste Universität in Deutschland nahm die UDE den Sport ins diesjährige Hochschulsportangebot auf. Und zwar mit Erfolg - die ersten zehn Teilnehmer sind begeistert. Sabine Brecklinghaus (29) ist eine von ihnen. Sie hat das Skiken vor vier Wochen im Internet entdeckt und sich direkt mit knallroten Skikes ausgestattet. Die ehemalige Sportstudentin liebt Ausdauersport, kann wegen zahlreicher Knieverletzungen aber beispielsweise nicht joggen. Das "Skiken" allerdings sei sehr gelenkschonend, versprechen die Erfinder und speziell mit den Stöcken auf alle Muskelgruppen bezogen, sehr effektiv.
Die Technik ist dem Ski-Langlauf sehr ähnlich. Somit können Skihasen auch in schneearmen Zeiten fit bleiben und an ihrer Technik feilen. Was Schmagold und seinen Kursteilnehmern besonders gefällt, ist zudem, dass die Luftreifen unter den Schuhen den Weg in Wald und Flur eröffnen. Denn für den Straßenverkehr sind die Stöcke zu unhandlich und an sonnigen Tagen müssen sich die "Skiker" so nicht zwangsläufig die Fahrradwege mit Radfahrern, Skatern und Fußgängern teilen. Gegen Ende des Sommersemesters sollen Schmagolds Schützlinge dann so weit sein und Mountainbike-Tracks rund um den Baldeneysee erobern.
Bis dahin, wird allerdings brav an der Seepromenade geübt. Die unterschiedlichen Grade an Fitness bei den Teilnehmern tun dabei dem Spaß aber keinen Abbruch. So sagt Arno Groß (46), der weder geübter Ski-Langläufer noch Inlineskater ist, "beim letzten Mal war ich richtig alle, aber es macht so viel Spaß". Zudem fühle man sich nicht so unsicher wie auf Inlineskates. Denn im Gegensatz dazu sind die Rollen der "Skikes" größer, mit Luft befüllt und nicht direkt unter den Füßen. Außerdem hat man die Stöcke in der Hand, um Schwung zu holen und sich abzustützen.
In der zweiten Sitzung ging es nach einem ersten Kennenlernen dann um das richtige Bremsen. Beine durchstrecken, den Po herausschieben und das Rad ist blockiert. Sieht witzig aus, ist bei Geschwindigkeiten von bis zu 30km/h aber eine sinvoll einfache Technik.
Geht es nach Jürgen Schmagold, soll sich das "Skiken" als ständige Größe im Hochschulsport etablieren. Darüber hinaus wird er demnächst eine Trainer-Ausbildung anbieten, die in Deutschland bisher noch recht wenig verbreitet ist.
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