Wie im wahren Leben
13.08.2008 | 19:05 Uhr 2008-08-13T19:05:44+0200Zum dritten Mal bietet die Uni Duisburg-Essen die "Notfallmedizinischen Sommerakademie".30 Medizinstudenten proben zur Zeit den Ernstfall und gewinnen Einblicke in die ärztliche Praxis
Laut schallt die Musik durch die sechste Etage des Hochhauses. "Sofort raus", schreit der Mann, als die Rettungsärzte die Wohnung betreten. Chaos überall, Tabletten, Rauschgift, Wein- und Schnapsflaschen liegen verstreut auf dem Boden. "Sofort raus oder ich springe", droht der Junkie. Im Sprung aufs Fensterbrett greifen ihn die Retter, dann sackt der junge Mann wild zuckend in sich zusammen.
Was sich liest wie eine wilde Kriminalgeschichte, ist in Wirklichkeit ein simuliertes Szenario im Skills Lab auf dem Gelände des Uni-Klinikums. Zum dritten Mal findet hier die Notfallmedizinische Sommerakademie für Medizinstudenten der Uni Duisburg-Essen statt. Der Junkie ist ein Schauspieler, die Retter sind Studenten in klinischen Semestern.
"Der Hintergrund dieser Aktion ist, Studenten möglichst frühzeitig mit der medizinischen Praxis vertraut zu machen", erläutert Hanjo Groetschel, Organisator der Sommerakademie. Und die Nachfrage für dieses freiwillige Angebot in den Semesterferien ist riesig. 30 Studenten sind auch in diesem Jahr wieder dabei, um fünf Tage lang den Ernstfall zu proben. Morgens büffeln sie die Theorie, nachmittags müssen sie ihren "Arzt in spe" stehen, in den verschiedensten Situationen.
Um den Junkie kümmern sich inzwischen Alexander, Tobias und Falk. Im Nu haben sie die Lage im Griff. Die Musik ist aus und Ruhe eingekehrt, Hand in Hand laufen die Rettungsmaßnahmen: Kontrolle von Atmung, Blutdruck, -zucker und (kunst)blutenden Wunden, das Anlegen des EKG's und eines intravenösen Zugangs. Ruhig gehen die Anweisungen hin und her - die drei sind ein eingespieltes Team. Abschließend diagnostizieren sie einen Krampfanfall nach Selbstmordversuch und veranlassen die Einweisung des Patienten in eine Klinik. Ihre Leistung erntet großes Lob bei den Tutoren von Skills Lab und Johanniter Unfallhilfe. "Aber es war ganz schön schwer, diesen aggressiven Mann zu beruhigen", meint Alexander kritisch. "Das war schon etwas anderes, als mit einer wehrlosen Puppe zu üben."
Und dieser Einsatz bleibt nicht der letzte an diesem Tag. Die Ärzte von morgen müssen noch einen Menschen wiederbeleben, die allergische Reaktion einer Bäckereiverkäuferin behandeln, den Schlaganfall eines 95-jährigen Mannes diagnostizieren und einen Asthma-Patienten von akuter Luftnot befreien. Ein anstrengender Tag! Doch die Studenten sind begeistert. "Endlich komme ich weg von den Büchern und kann anwenden, was ich gelernt habe", meint Tobias, Medizinstudent im achten Semester. Und Inken gesteht: "Ich bin total aufgeregt und angespannt. Es wirkt alles so echt und wir müssen zeigen, was wir gelernt haben." Ines dagegen meint: "Je öfter man das jetzt macht, umso ruhiger wird man."
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