Studenten stürmen den Wohnungsmarkt
01.09.2009 | 19:02 Uhr 2009-09-01T19:02:00+0200
Essen. WG-Zimmer oder Appartement? Innenstadt oder ruhiger Vorort? Für viele Erstsemester an NRW-Unis beginnt das Studium mit der Wohnungssuche. Wer seine Traumwohnung finden will, muss frühzeitig mit der Suche anfangen – und Geduld mitbringen.
Für viele künftige Erstsemester wird es höchste Zeit: Am 12. Oktober beginnt an den Universitäten von Nordrhein-Westfalen das Wintersemester. Wer nicht unter der Brücke übernachten möchte, muss bis dahin eine Wohnung gefunden haben.
"Keine Wohnungsnot in Münster"
Rund 6200 Studenten haben im vergangenen Herbst an der Wilhelms-Universität Münster angefangen zu studieren. Für dieses Jahr stehen die Zahlen noch nicht fest, doch die Zahl der „Erstis“ wird sich in ähnlichen Dimensionen bewegen. Jeder von ihnen, der nicht aus Münster stammt und bei Mama und Papa wohnen bleibt, muss sich zu Beginn seines Studiums eine Wohnung suchen.
Trotzdem betont Giesbert Schmitz, Sprecher des Studentenwerks: „Es gibt keine Wohnungsnot in Münster.“ Er geht davon aus, dass die rund 6000 Studentenwohnheimsplätze ausreichen, um allen Antragstellern einen Raum zuteilen zu können.
Kaum Wohnungen unter 350 Euro
Wer lieber privat eine Wohnung mieten möchte, sollte in Münster frühzeitig mit der Wohnungssuche anfangen. Drei Monate vor dem geplanten Umzug, rät Matthias Schäfer, erster Vorsitzender des Mietervereins „Wohn-In“. Allerdings ist das meist teurer. „Unter 350 Euro ist es in Münster sehr schwierig etwas zu bekommen“, sagt Schäfer. Zimmer im Studentenwohnheim sind ab 180 Euro zu haben.
Auch wenn er, ähnlich wie Schmitz, die Lage auf dem Wohnungsmarkt „relativ entspannt“ empfindet, rät er Studenten, die aus weiter entfernten Orten nach Münster ziehen, zunächst auch suboptimale Angebote anzunehmen: „Erst einmal ein Dach über dem Kopf haben, danach kann man viel entspannter weitersuchen.“
Die Situation heute sei aber deutlich besser als vor zehn Jahren. Damals hätten Erstsemester zu Beginn des Semesters noch in Zelten auf dem Vorplatz des Schlosses campiert. Die Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche liegen seiner Meinung nach auch an den gestiegenen Ansprüchen der Studenten: „Badewanne und Balkon – das gehört für viele heute schon zur Grundausstattung.“
Duisburg-Essen: 450 Zimmer werden renoviert
Wer sich für eine Ruhrpott-Uni entscheidet, hatte es bei der Wohnungssuche bislang leichter. Bis zu diesem Jahr konnte beispielsweise das Studentenwerk Duisburg-Essen jedem Studenten, der sich um einen Wohnheimplatz beworben hatte, auch einen Wohnraum zuteilen. Dieses Jahr könnte es erstmals knapp werden, fürchtet Petra Karst, Sprecherin des Studentenwerks.
Der Hintergrund: Weil das Studentenwerk Geld aus dem Konjunkturpakt II bekommen hat, lässt es sowohl in Essen als auch in Duisburg Wohnheime sanieren. Für das im Oktober beginnende Wintersemester fallen dadurch vorübergehend insgesamt 450 Plätze weg.
Im "Pott" sind die Mieten niedriger
Die Wohnungsmarktsituation bleibt aber dennoch verglichen mit den klassischen Universitätsstädten wie Münster oder Köln sehr mieterfreundlich. Karst führt das auf die kurzen Wege im Ruhrgebiet zurück: „Viele Studenten, die von hier kommen, bleiben während des Studiums bei ihren Eltern wohnen“, vermutet sie.
Die ruhigere Lage auf dem Markt zeigt sich auch an den Mietpreisen: Auf dem Wohnungssuchportal wg-gesucht.de finden sich für Essen rund 70 Angebote für WG-Zimmer unter 300 Euro, lediglich elf WG-Zimmer kosten mehr. Die vom Studentenwerk vermieteten Zimmer sind ab 164 Euro zu haben.
In Bielefeld reichen die Wohnheimplätze nicht
Die vom Studentenwerk Bielefeld angebotenen 3200 Wohnheimplätze reichen laut Studentenwerkssprecherin Annette Vormbrock-Reinert meistens nicht aus, um jedem Erstsemester einen Platz anbieten zu können. Dabei sei die Bielefelder Uni – ähnlich wie die Unis im Ruhrgebiet – „stark regional verankert“. Viele Studenten kämen aus dem näheren Umfeld und blieben bei ihren Eltern wohnen – zumindest wenn sie keinen Wohnheimplatz bekommen.
Um bei der Verteilung der Plätze möglichst gerecht vorzugehen, hält das Studentenwerk ein kleines Kontingent an Wohnungen zurück. Diese werden an Studenten vergeben, die ihre Zulassung erst kurz vor Semesterbeginn erhalten.
Wer sich spät um eine Wohnung kümmert, braucht Glück
Die Erstsemester, die trotz dieser Vorsichtsmaßnahme bei der Verteilung leer ausgehen, müssen es bei privaten Vermietern versuchen. „Relativ entspannt“ sei der Markt, sagt Andrea Kiesling, Abteilungsleiterin beim Hauseigentümer-Verband „Haus und Grund“, doch auch sie befürchtet eine Verschärfung kurz vor Beginn des Semesters: „Wer sich dann erst bei uns meldet, braucht viel Glück.“
Bereits seit Mitte August verzeichnet der Landesverband Ostwestfalen-Lippe eine deutlich gestiegene Nachfrage nach Studenten-Appartements. Die Mietpreise liegen dabei zwischen 250 Euro für ein einfaches Appartement und 400 Euro für eine noblere Einzimmer-Wohnung mit Laminat oder Teppich und komplett eingerichteter Küche.
Einzimmer-Appartements in Siegen sehr beliebt
Die Einzimmer-Appartements sind beim Studentenwerk Siegen eindeutig der Renner in diesem Jahr. „Die sind zwar mit eigener Nasszelle und Dusche vergleichsweise teuer, aber die liebste Wohnform unter den Studenten“, weiß Detlef Rujanski, Geschäftsführer vom Studentenwerk Siegen. Weniger beliebt ist die Form der Wohngemeinschaft, denn dabei muss man auch in Siegen die Einrichtung mit zunächst unbekannten Mitbewohnern teilen.
Trotzdem hält das auch in diesem Jahr die rund 2000 Erstsemester unter den insgesamt 12.300 Studenten nicht davon ab, sich um einen Wohnheimplatz zu bemühen. Die letzten Plätze sind allerdings in den letzten Tagen vergeben worden. Ab jetzt kommen weitere Bewerber in Siegen auf die Warteliste. „In diesem Jahr wird es eng“, erklärt Rujanski.„Wir haben einen Wohnheimengpass“. Trotzdem will der Geschäftsführer des Studentenwerks nicht von einer Not sprechen: „Denn unter der Brücke schlafen muss bei uns keiner“.
Notquartiere mit Waschmöglichkeit
Als Notlösung gibt es in Siegen dagegen 12 Notquartiere, in denen für kurze Zeit eine Schlafgelegenheit sowie eine Waschmöglichkeit angeboten werden. Schließlich gibt es vor Ort keine Jugendherberge. Das Angebot gilt aber nur tageweise, denn man wolle keine preiswerte Dauereinrichtung schaffen. Auch mit privaten Eigentümern im Wohnheimbereich und mit privaten Wohnheimbetreibern kooperiert das Studentenwerk. „Wenn es bei uns von der Kapazität einfach nicht reicht, dann sollen die Studenten gerne auch woanders unterkommen.“
Für Wohnungssuchende in allen Städten gilt: Lieber eine Wohnung zu viel angucken als eine zu wenig. „Viele Studenten lassen sich von Vorurteilen beeinflussen, die sie irgendwo aufgeschnappt haben. Deshalb schließen sie Stadtteile, die als ‚soziale Brennpunkte’ verschrien sind, komplett aus ihrer Suche aus“, erklärt „Wohn-In“-Vorsitzender Schäfer. Doch gerade in diesen Stadtteilen könne man manchmal tolle Wohnungen in guter Lage finden – und das zu günstigen Preisen.
Dabei sollten die Wohnungssuchenden alle potentiellen Wohnungsquellen ausschöpfen – von der Tageszeitung und kleinen Anzeigenblättern bis hin zu den Wohnungsportalen im Internet. Wenn das auch nicht zum Erfolg verhilft, rät Andrea Kiesling, dann sollten Studenten es mit einem eigenen Inserat in der Zeitung probieren.
05:10
Mein Nachbar,Hartz IV-Empfanger,bewohnt eine Möbliertwohnung im Nebenhaus.Der clevere Bursche hat seine Bude an ein Studentenpärchen,mit Wissen des Vermieters untervermietet,und kassiert zuzüglich der gesponsorten Miete des JobCenters an Mieteinnahmen nocheinmal ,diesmal aber reichlich dazu.Wohnt zur Untermiete bei seiner Schwester.
23:19
@ 10: wohl wahr.... aber ne Bassbox kostets dann halt im nächsten und im übernächsten die blaue unterbodenbeleuchtung.... ;-)
21:44
@3 und 4:
Wer legt denn schon monatlich seinen Golf tiefer? Das gabs nur bei Mantafahrern.. ;o)
20:59
geilster kommentar des tages! such dir einfach ein job du pappnase, auf dauer mit hartz4 in so eine mini bude hört sich auf jeden fall nach keiner option für mich an...
18:30
Während für Studenten oftmals die 25 m²-Bude reicht, ist es für Hartz IV-Singles um ein vielfaches schwieriger geeigneten und vor allem angemessenen Wohnraum zu finden.
Als Student von ausserhalb reicht die kleine Bude dann, wenn man regelmässig in der Unimensa gutes und günstiges Essen bekommt und am Wochenende nach Hause fährt.
Für ein Hartz IV-Single dagegen heißt es dauerhaft in einer solchen Bude zu wohnen. Sicherlich, ein Student sucht nicht nach der 45m²- Wohnung, aber eben in dem Preissegment, der für einen Hartz IV-Single relevant ist.
Während Vati und Mutti zwar nicht immer, aber doch schon oft noch etwas beisteuern, sind Hartz IV-Singles z. B. in Essen auf Wohnungen mit einem Mietpreis bis 217, 50 Euro angewiesen. Da legen viele Vermieter aufgrund von Vorurteilen die Mieten mal eben etwas über diese Angemessenheitsgrenze, weil Studis willkommener sind, als von Hartz IV Betroffene, obwohl die Miete gesichert wäre.
Was bleibt für von Hartz IV Betroffene? Der klägliche Rest auf dem Wohnungsmarkt und das auch nur in bestimmten, sowieso schon prekären Wohnumfeldern, in denen ein Student niemals wohnen wollen würde.
Ghettoisierung, obwohl nicht gewollt, steht auf der Tagesordnung oder man bewohnt ein Büdchen in dem jedem, außer eben Studenten, sofort die Decke auf den Kopf fällt.
Angemessener Wohnraum zwischen 40 und 45 m² ist Essen jedenfalls nicht zu bekommen! Da spielt es auch keine Rolle, dass Essen eine Universitätsstadt ist, in der zu jedem Semesterbeginn die entsprechenden Wohnungen von Studenten abgegriffen werden!
17:47
Dass die Universität Duisburg-Essen jedem Interessierten ein Wohnheimzimmer anbieten konnte, ist ja kein Wunder wenn man den Zustand der Wohnheime anschaut.
Bisher ist jeder aus meinem Bekanntenkreis, der mal ein Wohnheimzimmer hatte, nach spätestens 1 Semester ausgezogen.
17:47
Dass die Universität Duisburg-Essen jedem Studenten einen Wohnheimplatz anbieten konnte, ist auch kein Wunder, wenn man den Zustand der Wohnheime anschaut.
Jeder in meinem Umfeld, der dort mal gewohnt hat, war nach einem Semester wieder weg....
17:23
im monat natürlich....
17:22
@3: Aber nen 18-jähriger Industriemechanikerlehrling braucht 900 Euro, um seinen Golf 4 tiefer zu legen?
16:48
Seit wann braucht eine Studentin oder ein Student eine Traumwohnung?
Gibt es keine Studentenzimmer mehr bei privaten Vermietern?