So wenig wissen NRW-Studenten
19.05.2009 | 17:47 Uhr 2009-05-19T17:47:00+0200
Essen. Ein ganz schwaches Ergebnis erreichten Nordrhein-Westfalens Studenten beim großen Studenten-Pisa-Test. Viele Universitäten landeten nur auf den hinteren Rängen. Als beste NRW-Hochschule erreichte die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Platz neun.
Eigentlich müssten sich die Studenten aus Nordrhein-Westfalen ganz schnell in der Ecke verkriechen. Unterdurchschnittlich – mit diesem Ergebnis schnitten nämlich viele NRW-Unis beim gemeinsam vom Magazin „Der Spiegel“ und vom Netzwerk „StudiVZ“ initiierten Studenten-Pisa-Test ab. Unter den neun am schlechtesten platzierten Hochschulen befinden sich sieben aus NRW – mit der Bergischen Universität Wuppertal als Schlusslicht. Immerhin: Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn (Rang 9) und die Westfälische Wilhelms-Universität Münster (Rang 12) liegen recht gut im Rennen.
200.000 Studenten nahmen teil
Mehr als 200.000 Studenten machten nach Spiegel-Angaben bei dem Test mit, über 600.000 Menschen haben insgesamt teilgenommen. Damit dürfte der Test eine der größten Befragungen zum Allgemeinwissen sein, die es jemals in Deutschland gegeben hat. 45 Aufgaben musste jeder Teilnehmer lösen, per Zufallsprinzip aus einem Katalog von 180 Aufgaben ausgewählt. Die Wissensgebiete: Politik, Geschichte, Wirtschaft, Naturwissenschaften und Kultur.
Wie viele Fraktionen hat der Bundestag? Wann endete das Mittelalter? Welche Sinneszellen sind für das Farbsehen verantwortlich? Mit Fragen wie diesen durften sich die Studenten auseinandersetzen und – wie es in aktuellen Quiz-Formaten üblich ist - unter jeweils vier Antwortmöglichkeiten auswählen.
Während die Studenten aus Berlin und Mannheim im Schnitt rund 29 von 45 Aufgaben korrekt lösen konnten, taten sich die NRW-Studenten oft schwer. Studenten aus Wuppertal kamen nur auf knapp 24 richtige Antworten, Studenten der Uni Duisburg-Essen auf knapp 25 korrekt gelöste Aufgaben. Nicht viel besser schnitten auch die anderen Ruhrgebiets-Unis ab: An der Technischen Universität Dortmund wurden 25,8 Fragen, an der Ruhr-Uni Bochum waren 26,1 Fragen richtig beantwortet. Der Vollständigkeit halber sollte man erwähnen, dass in der Auswertung nur Universitäten mit mindestens 1000 Teilnehmern eine Rolle spielen.
Lichtblick Uni Bonn
Einer der wenigen Lichtblicke in Nordrhein-Westfalen: die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Immerhin beantworteten die Studenten hier 28,5 von 45 Fragen richtig und waren damit nicht viel schwächer als die Studenten der führenden Berliner Humboldt-Universität (29,2 richtige Antworten).
In den nach Hauptfächern aufgeschlüsselten Ranglisten erreichen die Bonner sogar zweimal die Top-Drei: Besonders schlau waren die Studenten der Fächer Geschichte (Platz 2) und Mathematik (Platz 3). Immerhin konnten sich in den Fächer-Rankings noch zwei weitere NRW-Hochschulen weit oben platzieren – die Aachener Elektrotechniker erreichten den dritten Platz. Gleiches gilt für die Düsseldorfer Soziologen und Sozialwissenschaftler.
Die Rangliste der Universitäten (NRW-Unis fett markiert) mit jeweils mindestens 1000 Teilnehmern:
- Humboldt-Universität Berlin
- Universität Mannheim
- Freie Universität Berlin
- Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
- Universität Fridericiana (TH) Karlsruhe
- Eberhard Karls Universität Tübingen
- Ruprecht Karls Universität Heidelberg
- Universität Konstanz
- Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
- Ludwig-Maximilians-Universität München
- Technische Universität München
- Westfälische Wilhelms-Universität Münster
- Technische Universität Berlin
- Johannes Gutenberg-Universität Mainz
- Technische Universität Dresden
- Philipps-Universität Marburg
- Georg-August-Universität Göttingen
- Universität Potsdam
- Universität Leipzig
- Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen
- Julius-Maximilians-Universität Würzburg
- Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
- Christian-Albrechts-Universität Kiel
- Universität Regensburg
- Otto-Friedrich-Universität Bamberg
- Universität Bayreuth
- Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
- Friedrich-Schiller-Universität Jena
- Universität Stuttgart
- Universität Trier
- Technische Universität Darmstadt
- Universität Hamburg
- Universität des Saarlandes Saarbrücken
- Technische Universität Carolo-Wilhelmina Braunschweig
- Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt/Main
- Universität Köln
- Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg
- Universität Osnabrück
- Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover
- Universität Augsburg
- Technische Universität Chemnitz
- Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
- Universität Rostock
- Universität Bremen
- Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
- Ruhr-Universität Bochum
- Justus-Liebig-Universität Gießen
- Universität Bielefeld
- Technische Universität Dortmund
- Universität Paderborn
- Universität Kassel
- Universität Duisburg-Essen
- Bergische Universität Wuppertal
20:14
Ihr habt doch alle einen dachschaden: bei einer rangliste, gibt es immer einen letzten, auch wenn alle weltklasse sind bzw. wären!
01:30
Nach der Kenntnisnahme dieser Seite von oben bis unten, Artikel inklusive Kommentare, bin ich doch froh nicht Statistik studiert zu haben. Auch an den 45 Fragen habe ich nicht teilgenommen, es wäre bei der unglaublich geringen Aussagekraft von einem derartigen Test aber auch nicht interessant gewesen.
Um ein wirklich brauchbares Testergebnis zu erhalten kann man evtl. 1000 Testwillige an einer jeweiligen Universität auslosen, das Ganze dann an allen 53 Positionen in der Rangliste. Denn der Test hat doch den Makel, dass er im Internet stattgefunden hat. Wo im Ergebnis tauchen Studenten auf, die nicht oder nicht zu der Zeit auf StudiVZ oder spiegel.de surfen, sondern die zur Abwechslung einmal studieren? Ich gehe doch stark davon aus, dass es auch solche Studenten gibt.
Was sagt das Ergebnis denn nun genau aus? 200.000 Studenten haben mitgemacht, im Ergebnis hat man eine Rangliste von 53 Universitäten. Durchschnittlich haben also weniger als 4000 Studenten (für Statistiker: 3773,58) pro Universität an dem Test teilgenommen. Das sieht für einen Außenstehenden wie mich nicht nach einem repräsentativen Test aus. Ausgehend davon, dass mE. es an der Kölner Universität (ähnlich wie in München?) an die 40.000 Studenten gibt, kann man also die Universitäten-Rangliste aufgrund einer zu geringen Wahlbeteiligung von unter 10% getrost in die Tonne kloppen.
01:50
Danke. Habe den Test ebenfalls gemacht. Die Fragen sind nun wirklich wischi-waschi, wobei ich leider kein Arabisch kann und deswegen nicht wusste, was Al-Qaida nun wirklich heißt.
Ich frage mich nun aber, was diese Diskussion soll? Es handelt sich nicht um einen wissenschaftlichen Test. Der Spiegel schreibt selber, jeder konnte daran teilnehmen und führt eine 79jährige in Amerika lebende Alumna an! Dieser Test sagt demzufolge nichts aus. Wie wurde kontrolliert, dass ausschließlich Studenten teilnehmen, dass diese nicht schummeln etc.
Zweitens, die Kenntnis von Goethe und Schiller, Zitaten von Shakespeare, grundlegender mathematischer Gesetze ist etwas, was jeder kennen soll, aber nicht zwingend muss. Allgemeinwissen wie wir es heute kennen ist das Ergebnis einer humanistischen Bildung wie sie Mitte des 19. Jh. betrieben wurde. Ich kann nachvollziehen, dass heute nicht mehr jeder in Goethe und Schiller die Antworten auf seine ihn beschäftigenden Fragen finden kann. Naturwissenschaften gehören übrigens eigentlich gar nicht zur Allgemeinbildung in der humanistischen Erziehung.
Diese Fragen würden so ja nie in einer Abitur-, geschweige denn in einer Abschlussprüfung an der Uni, auftauchen. Da fehlt nun schon das Denken. Ich arbeite selbst an einer Uni und kann durchaus bestätigen, dass dort auch Menschen, die denken vorkommen. Aber die werden halt in diesem Staat nicht mehr gerne gesehen.
Was den meisten Studenten, aber auch den meisten Menschen in Deutschland (in Japan sehe ich das übrigens ebenfalls) fehlt, ist nicht das Allgemeinwissen, sondern der Trend jegliches Interesse zu verlieren, gar überhaupt etwas wissen zu wollen oder gar sich mit etwas intensiver zu beschäftigen. Ein Studium ist nun eben keine Schulveranstaltung. Das vergessen die meisten halt. Erschreckenderweise muss ich aber auch zugeben, dass das Wissensniveau der letzten Jahre erheblich gesunken ist - übrigens nicht nur bei Studenten und Jugendlichen, sondern allgemein.
Im Übrigen, nur weil man alle Fragen bei diesem Test oder gar bei Wer wird Millionär beantworten kann, bedeutet das noch lange nicht, dass man ein Studium auch mit 1.0 abschließen würde.
19:29
Ach,Du heiliger Bim-Bam !
Habe die Tests auch gemacht und frage mich :
Ist das alles was von der Elite erwartet wird ?
Mir schwant nichts Gutes für die Zukunft.
Erschreckend simpel !
14:48
@ K.B., #32
Oben im Text ist der Link zum Spiegel.
Oder für Scroll-Faule:
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,625140,00.html
Lohnt sich aber nicht wirklich, mittelprächtiges Allgemeinwissen, sollte auch von Oberstufenschülern erfolgreich absolviert werden können.
09:30
Gut zu wissen, wie die Leute drauf sind, die mal Deutschland leiten wollen... . Mit Verlaub, aber jeder Kauwärter weiß mehr, und der hat nicht studiert....
Stimmt genau. Diese vortreffliche und wohlüberlegte Analyse passt genau. Dafür muss mensch sicherlich nicht studieren, dafür muss mensch nicht wissentschaftlich arbeiten können - dafür muss mensch vielleicht nicht einmal ein Buch gelesen haben. Ich sags ja immer, Intuition und Verallgemeinern ist die Lösung und Deutschlands leitet sich von alleine. Manche wenige Schlaue unter uns scheinen das System und Universum durchschaut. Die studierten Luhmann, Adorno und alle Anderen, die die Zeit hätten anders nutzen sollen. Mit Verlaub, warum habt ihr bloss detaillierte Gedankengänge aufgeschrieben - jeder Kauwärter weiss es anscheinend besser! Sofortigen Stopp aller wissenschaftlichen Untersuchungen in Bereichen Medizin, Biologie. Benz, stell bitte deine Forschungen zu den Rechten ein und frag einfach nach - du weisst schon wo... bei dem Kauwärter! Lasst die Zügel schweifen - keine Basis mehr für Alles!
Gut zu wissen, es wird ein prachtvoller demokratischer Staat werden, indem alle BürgerInnen und PolitikerInnen (sofern es die noch geben soll) Hand in Hand - nein Arm in Arm -glücklich um das goldene Kalb tanzen.
07:56
Es gab einmal einen sehr gebildeten Mann, der sagte von sich selbst: Ich weiß, dass ich nichts weiß. Heute messen unfähige Leute Wissen, ohne etwas zu wissen.
04:18
Kann man die Fragen denn irgendwo einsehen? Dann kann man ja selbst überprüfen, ob man diesen Test besser bestanden hätte bzw. ob es sich um faire Fragen handelte.
20:52
Gut zu wissen, wie die Leute drauf sind, die mal Deutschland leiten wollen...
Mit Verlaub, aber jeder Kauwärter weiß mehr, und der hat nicht studiert....
20:49
Es wurde nur Allgemeinwissen abgefragt, keine fachspezifische Bildung.
Deshalb verstehe ich nicht, was ein Ranking nach Universitäten bringen soll, wobei das Ranking nach meiner Meinung noch zu sehr durch statistische Streuung entstanden ist.
Rechnet man die richtigen Antworten in Prozent um, so liegt selbst die beste Uni noch unter 65% .. das wäre in der Schule eine ganz schwache 3- .. Also kein Grund zum Jubeln .. (würde man mir Überheblichkeit vorwerfen, wenn ich mein Ergebnis angebe, das deutlich über .. liegt?)
#20 Jo: Die Frage nach dem Aussehen von Klaus Zumwinkel ist nur für Türsteher relevant .. und vielleicht für Grenzbeamte ..