Studium
Rektorenkonferenz-Chefin verteidigt Bologna-Reform
24.11.2009 | 14:31 Uhr 2009-11-24T14:31:00+0100
Leipzig. Die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, Margot Wintermantel, hält die Hochschulreform für einen Erfolg. Am Bachelor-System sei nicht zu rütteln, sagte sie. Schuld an den Problemen sei der Geldmangel der Unis. Die Situation in Leipzig drohte jedoch zwischenzeitlich zu eskalieren.
Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) hält die Umsetzung der europäischen Hochschulreform in Deutschland ungeachtet der massiven Studentenproteste für erfolgreich. HRK-Präsidentin Margot Wintermantel sagte am Dienstag in Leipzig, man sei dem Ziel des Bologna-Prozesses bereits sehr nahe gekommen, durch Einführung von Bachelor- und Masterstudiengänge die europäischen Hochschulabschlüsse zu vereinheitlichen. Die Reform sei unumkehrbar. Gegen die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkonferenz demonstrierten in der sächsischen Stadt mehrere tausend Studenten.
Wie Wintermantel erläuterte, ist in 80 Prozent der Studienfächer an deutschen Hochschulen die sogenannte Bologna-Architektur umgesetzt. «Die Akzeptanz der Bachelor-Abschlüsse in der Wirtschaft wächst, Studienzeiten haben sich verkürzt, die Zufriedenheit der Studierenden ist gestiegen», sagte die HRK-Präsidentin. Den Ländern warf sie aber vor, die Finanzierung der Hochschulen und ihre Koordinierungsaufgaben zu vernachlässigen. Auch versäumten sie es an wesentlichen Punkten, Rechtssicherheit und Verlässlichkeit für Hochschulen und Studierende zu schaffen.
HRK verteidigt Studiengebühren
Wintermantel verteidigte die Empfehlung der HRK zu Studienbeiträgen. Wo diese erhoben würden, seien sie zu einer qualitativen Verbesserung der Lehre eingesetzt worden. So seien zum Beispiel kleinere Gruppen für Tutorien umgesetzt worden. Insbesondere die Haltung der HRK in diesem Punkt hatte am Dienstag nach Polizeiangaben zwischen 4.000 und 5.000 Studierende aus dem gesamten Bundesgebiet nach Leipzig getrieben, wo sie unter dem Motto «Keine Stimme ohne uns - Für eine demokratische Bildungspolitik» auf die Straße gingen.
Neben ihrer Ablehnung von allgemeinen Studiengebühren wandten sie sich mit dem Motto «Keine Stimme ohne uns» auch gegen den Anspruch der HRK, sich in der Öffentlichkeit als die Stimme der Hochschulen darzustellen. «Außer den Hochschullehrern hat keine andere Gruppe wie etwa die Studierenden ein Mitbestimmungsrecht», kritisierte Dorothee Riese von der Konferenz Sächsischer Studierendenschaften (KSS). Eine Gruppe von Studenten stürmte die Pressekonferenz der HRK und beklagte die aus ihrer Sicht unzureichende demokratische Legitimierung der Hochschulrektorenkonferenz.
Klagen nachzuvollziehen
Der Klage der Studierenden über zum Teil schlechte Bedingungen in der Lehre konnten die Teilnehmer der HRK-Jahresversammlung jedoch zumindest teilweise zustimmen. Sie führten sie aber in erster Linie auf die mangelnde Finanzierung der Hochschulen zurück.
Der Rektor der Universität Leipzig, Franz Häuser, erklärte, die Rektoren der sächsischen Universitäten hätten sich in diesem Zusammenhang an die Abgeordneten des Landtags gewandt. Dabei hätten sie bemängelt, dass den sächsischen Universitäten nur etwa 50 Prozent der Mittel pro Student zur Verfügung stünden, wie sie etwa an der Ludwig-Maximilians-Universität in München aufgewendet würden. «Der ehrgeizige Bologna-Prozess ist mit dieser Finanzierung nicht zu leisten», erklärte er.
Hochschulen beklagen Unterfinanzierung
Wintermantel wies zudem den Vorwurf der mangelnden Mitbestimmung der Studierenden an der Umsetzung der Hochschulreform zurück. In allen Hochschulen seien sie an der Konzeption der Studiengänge beteiligt. Nach Ansicht der HRK-Präsidentin mischen sich bei den derzeitigen Protesten der Studierenden vernünftige Forderungen wie die nach mehr Lehrpersonal und kleineren Seminaren mit allgemeiner Unzufriedenheit.
Nach einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young schätzt ein Viertel der staatlichen Hochschulen ihre Finanzausstattung als nicht ausreichend oder sogar existenzgefährdend an. Die Universitäten sähen sich gleichzeitig einem immer stärkeren Wettbewerb um Studierende, Lehrkräfte und finanzielle Mittel ausgesetzt. (ap)
19:50
«Die Akzeptanz der Bachelor-Abschlüsse in der Wirtschaft wächst, Studienzeiten haben sich verkürzt, die Zufriedenheit der Studierenden ist gestiegen»
In unserer Personalabteilung hat noch keiner einen blassen Schimmer, wie der Bachelor zu vergüten sei, die Studenten benötigen jetzt bereits nominell 10 statt acht Semestern und vor dem Bachelor ging kaum einer auf die Straße.
19:47
Wieso soll das ein Erfolg sein, die Reform besteht doch erst zu kurze Zeit? Und wie kann sie ein Erfolg sein, wenn es so viele Proteste gibt? Daß sie wiedereinmal die Wirtschaft betont, ist entlarvend, vermutlich wurde Bologna auf Wunsch der Verbände geschaffen. Sie sieht Vereinheitlichung als positiv an, man könnte dazu aber auch Gleichmacherei, Gleichschaltung sagen.
18:28
Die Hochschulrektorenkonferenz ist nur ein Kaffekränzchen und verkündet die neoliberale Bildungsideologie a la Bertelsmann. Die arbeiten weder auf der Basis einer demokratische noch einer öffentlich-rechtlichen Legitimation. Nicht einmal mit rationalen, der Kritik zugänglichen Argumenten. Statt dessen setzen sie auf die Mittel der PR und der oberfaulen Taktiererei. Deshalb spielt es auch keine Rolle, ob die Mehrheit der Studenten, die eine schweigende ist, aus welchen Gründen auch immer, an den Demos teilnimmt oder nicht. Die demonstrierenden Demonstranten haben rationale und vernünftige Gründe zu demonstrieren. Und damit hat man sich auseinanderzusetzen und dann nach rationalen Kriterien Veränderungen herbeizuführen. Die kann man sich dann am Ende demokratisch legitimieren lassen. Aber ob die Masse der Studenten im Moment mitmacht oder nicht, ist völlig irrelevant. Es geht um Argumente, nicht um Mehrheitsverhältnisse. Die Einführung von Studiengebühren ist mit gefälschten Meinungsumfragen unter anderem von der HRK durchgesetzt worden. Nicht nur deshalb ist die HRK als Gesprächspartner indiskutabel. Legitime Gesprächspartner sind entweder die Hochschulleitungen oder die Politiker. Keinesfalls Wirtschaftslobbyisten oder irgendwelche selbsternannten Bildungskaffeekränzchen.
10:49
Die meisten Studenten seien mit der Reform zufrieden
Wie kommt die Frau zu dieser Feststellung?
Ich kenne keinen aus meinem Studiengang, der die Meinung vertritt, daß die 8 Klausuren pro Semester in Ordnung sind. Vorallem weil wir feststellen mußten, daß wir die gleiche Menge an Lernstoff durchnehmen wie die Diplomanden. Die Skripte sind die gleichen. Im Gegenteil, wir haben sogar noch Fächer hinzubekommen, aber die Studienzeit wurde beschnitten. Niemand ist mit dem Bachelor zufrieden.
Wie immer leben die Verantwortlichen an der Realität vorbei.
09:49
Ich weiß nicht, wann diese Frau zum letzten Mal in einem Hörsaal oder eine Seminarraum war. Diese Wissenschaftsfunktionäre und Technokraten haben viel Murks produziert. Ich bin durchaus dafür, dass die Studierenden intensiv studieren, aber dann mit Sinn und Verstand.
08:57
Die meisten Studenten seien mit der Reform zufrieden
So ein Statement ist doch wirklich albern. Oder absolvieren nun die meisten Studenten zwei Studiengänge, so das sie sich ein qualifiziertes Urteil erlauben können ?
Eine Qualitätsbeurteilung ist doch wohl nur mittelfristig möglich. Ersatzweise kann man natürlich auch die Beurteilung heranziehen, die ausländische Firmen haben. Und die gaben deutschen Diplomanden immer klar den Vorzug vor den Prüfungslernern wie sie das Bachelor schon vorher im Ausland produziert hat.