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Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos

23.08.2010 | 07:40 Uhr
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos

Essen/Düsseldorf.An der Universität Düsseldorf werden derzeit tausende Kinder vermessen. Hintergrund des neuen Projekts: Durchschnittsdaten zu sammeln, um gegen Kinderpornografie vorzugehen.

Alle sind sie einzigartig. Wenn sie lachen oder schmollen. Wenn sie ihre Stirn in Falten legen oder die Nase rümpfen. Und doch haben sie eines gemeinsam. Sie verkörpern einen Durchschnitt. Einen immens wichtigen Durchschnitt. Darum stellen sie sich nacheinander unter die Messschiene und lassen ihre Körpergröße ermitteln. Setzen sich auf einen Stuhl, drehen sich von links nach rechts, lassen sich fotografieren. Dann setzen sie sich auf einen anderen Stuhl und lassen ihr Gesicht vermessen - Augenabstand, Ohrenabstand, Ohrengröße, die Abstände zwischen Nase und Mund, die Länge des Nasenrückens, die Abstände zwischen Ohren und Kinn.

Kinder und Jugendliche aus Schulen in Essen, Leverkusen und Düsseldorf, die das Team der Uni Düsseldorf näher ans Ziel bringen: Eine Software, die die Polizei national und international bei der Ermittlung von Straftaten gegen Kinder unterstützen soll.

„Vom Alter hängt
das Strafmaß ab“

Es ist ein Projekt, das eine transparente Schneise durch das Datendickicht auf deutschen und europäischen Rechnern schlagen soll. Denn die Verbreitung des Internets hat die Zahl der Webseiten mit kinderpornografischen Inhalten weltweit auf mehr als 500 000 steigen lassen. Was daraus entstand, war ein er­mittlungstechnischer Hemmschuh: Rund 3800 Fälle von Kinderpornografie hat die Polizei im vergangenen Jahr aufgedeckt – 2007 waren es noch mehr als 8000.

Ob man den Ermittlungsrückgang tatsächlich nur auf die Datenmenge schieben kann, ist nicht sicher, gleichwohl der Schluss nahe liegt. Die Ermittler sichten Foto für Foto, Video für Video. Der Wust aus Bits und Bytes wird immer größer, die Anforderungen immer höher. Denn problematisch wird es häufig bei der Altersbestimmung eines Kindes oder Jugendlichen.

„Von dem Alter hängt aber das Strafmaß für den Täter ab“, erklärt Rechtsmedizinerin Melanie Ratnayake. Und seit die Europäische Union auch Jugendpornografie bis zur Altersgrenze von 18 Jahren unter Strafe gestellt habe, werde der Datenberg immer größer. Und auch eine Frage drängt sich dann auf: Ist der Junge oder das Mädchen, das auf einem Foto zu sehen ist, wirklich minderjährig? Gerade am Gesicht sei das Alter besonders gut feststellbar, sagt die Rechtsmedizinerin. Mit der Zeit veränderten sich die weichen Gesichtszüge eines Kindes zu denen einer jungen Frau oder eines Mannes. „Das gesamte Gesicht wird ovaler, die Nase länger und der Abstand zwischen den Augen größer.“

Ein Gesicht für alle gewissermaßen. Diese von der Natur genormten Eigenheiten, die bei jedem Menschen gleich sind, machen sich die Forscher jetzt zunutze. Mit ihren Kolleginnen Tanja Arent und Zuzana Obertova vermisst die Rechtsmedizinerin dazu in der Region Schüler und junge Erwachsene zwischen zehn und 21 Jahren.

Jungs zwischen 14
und 18 fehlen noch

Es ist der mittlerweile dritte Abschnitt des internationalen Projektes, das noch bis Ende des Jahres läuft. Neben dem Institut für Rechtsmedizin der Uni Düsseldorf sind Forscher aus Italien und Litauen parallel dabei, in ihren Ländern die Bilder und rund 20 Gesichtsproportionen von insgesamt 2150 Jungen zwischen zehn und 21 und 540 Mädchen zwischen 19 und 21 Jahren aufzunehmen. Sämtliche Eigenheiten der menschlichen Entwicklungsstufen möchten die Forscher so dokumentieren und zusammenfassen.

Und insgesamt 720 Jungen und 180 Mädchen müssen die deutschen Forscher vermessen, um die gesamte Liste zu komplettieren. Vor den Ferien waren sie am Essener Don-Bosco-Gymnasium, nahmen dort die physiognomischen Eigenheiten von 32 Kindern und Jugendlichen auf. Nach den Ferien nehmen sich die Rechtsmediziner und Biologen einige Schulen in Düsseldorf vor. Vier bis fünf sollen es laut Institut noch werden. Aus dieser Liste soll dann eine virtuelle Schablone entstehen, die sämtliche kindlichen Entwicklungsphasen in sich vereint und auf jedes Gesicht übertragen kann, das sich auf einer der Millionen Festplatten befindet, die die Polizei europaweit durchsucht.

Eine große Hilfe soll die Software sein – wenn sie entsteht. Noch ist nicht sicher, wie teuer das Projekt letztendlich wird. Mit 600 000 Euro hat die EU die Datensammlung finanziert. Ganz reichen dürfte das noch nicht. Und auch die Jungs lassen auf sich warten. Besonders Teenager „zwischen 14 und 18 Jahre“, brauchen Melanie Ratnayake und ihre Kolleginnen noch, um der Software ein Stück näher zu kommen. Allerdings: Einen Prototyp der Software gibt es schon. „Und der hat funktioniert.“

Philipp Ortmann

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Kommentare
23.08.2010
20:34
Blockierter Kommentar.
von Silvia_Bogdanic | #26

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.08.2010
18:22
Blockierter Kommentar.
von Thorsten Kluth | #25

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

23.08.2010
16:30
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von ist alles in Ordnung | #24

@Kein-Bild-Leser - die gemessenen anatomischen Daten

kommen dann über Liechtenstein als Steuer-CD in den Umlauf?

23.08.2010
16:26
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von transparent | #23

Es wäre wünschenswert, dass mal dem Publikum transparent gemacht wird, welche Leute in welchen Positionen dieses zweifelhafte Projekt ausgebrütet und seine Durchführung veranlasst haben. Der Gedanke, dass speziell auf EU-Ebene immer mehr Spinner relativ unkontrolliert fuhrwerken können, beschleicht mich verstärkt.

23.08.2010
16:23
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von Kein-Bild-Leser | #22

Bei so manchen Kommentatoren hier sollte man auch mal was messen, nämlich den Abstand zwischen beiden Gehirnzellen - mit dem Zollstock. Werden die gemessenen anatomischen Daten denn zusammen mit Foto, Namen, Anschrift und Arbeitsgewohnheiten der Eltern zusammen bei Google Streetview veröffentlicht oder vielleicht als Premium-I-Phone-App zum Herunterladen angeboten? Dann, wirklich dann könnte ich hier ein bischen Verständnis für die Ühantastische Diskussion hier aufbringen. Aber auch nur dann.

23.08.2010
16:01
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von johnix | #21

@KumpelChristus
Ich bin Wissenschaftler. Ich stelle daher; alles in Frage. Und ich kenne dies Erlebnis; für verrückt erklärt zu werden, nur weil man selber nachfragt, was wirklich passiert. Zu dem gehört es ja in der Zwischenzeit, zur political Correctness in Deutschland, nur ja keine Fragen zu stellen; oder das 3. Reich, auch nur zu erwähnen.

23.08.2010
15:49
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von johnix | #20

Ich kenne übrigens eine Frau, die ist 36 Jahre alt; wird aber meistens; als 17 identifiziert. Wie will Software, solches ausschliessen? Umgekehrt, gibt es so etwas ja auch. Reichlich hohe Kosten, für das zu erwartende minderwertige Ergenis.

23.08.2010
15:44
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von johnix | #19

@Otto99
Ach, dann geht das wie in den Staaten los. dann werden 12 Jährige in Haft genommen, weil Sie die Schwester; nackt gesehen haben. Oder wie die eine 14 Jährige; welche von der Schule, das Handy konfisziert wurde. Sie hatte dort, ein nackt Bild von sich gemacht.

23.08.2010
15:40
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von KumpelChristus | #18

Schön dass es doch noch Leute gibt, die sich mal ein wenig mehr Gedanken machen, so was fehlt leider mehr und mehr in unserer heutigen Zeit - schade eigentlich, wird man doch sofort als Verrückter abgespeist wenn man Dinge mal aus einer anderen Sicht betrachtet...

23.08.2010
15:24
Messdaten für Kampf gegen Kinderpornos
von Otto99 | #17

Hier geht es ja gar nicht um Kinder-, sondern um Jugendpornographie, ein Fass, daß die EU erst vor kurzem aufgemacht hat.

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