Hochschulen beschenken Erstsemester
21.09.2009 | 18:57 Uhr 2009-09-21T18:57:00+0200
Kleve/Kamp-Lintfort. Die Hochschule Rhein-Waal stattet Erstsemester mit Fahrrädern und Laptops aus, Paderborn rückt einen Laptop für die Neuen raus und auch in Dortmund und Essen gibt's Geschenke. Finanziert werden die Studenten-Lockmittel durch private Sponsoren.
Für die gut 120 Erstsemester, die am Montag an der Hochschule Rhein-Waal in Kleve und Kamp-Lintfort ins Studentenleben gestartet sind, war der erste Tag ein bisschen wie Weihnachten. Immerhin gab's eine ordentliche Bescherung: Ein Notebook und ein Fahrrad überlässt die neugegründete Fachhochschule (FH) allen frischgebackenen Studenten als unbefristete Dauerleihgabe. 60 Sponsoren, vom Privatmann bis zu Sparkasse, Niag und Volksbank, haben die Begrüßungspräsente möglich gemacht – eine, so FH-Präsidentin Marie-Louise Klotz, „fantastische und einzigartige Unterstützung”.
Wobei: Einzigartig stimmt nicht ganz. Auch die Universität in Paderborn hat zu Beginn des Wintersemesters die Spendierhosen an – alle Erstsemester bekommen dort ein Netbook, also ein internetfähiges, kleines Notebook, der neuesten Generation. Geschenkt. Nur wer sich vor dem 15. November exmatrikuliert, muss den Computer zurückgeben.
Eine Million Euro für 3000 Netbooks
3000 Netbooks wurden geordert, die Kosten in Höhe von rund einer Million Euro stemmen wie auch bei der FH Rhein-Waal Sponsoren. „Wir wollen, dass die Studierenden bei uns gute Leistungen bringen”, sagt Professor Nikolaus Risch, Präsident der Uni. „Dann müssen wir aber auch dafür sorgen, dass sie die bestmöglichen Rahmenbedingungen vorfinden.”
Dass Hochschulen versuchen, potenzielle Studenten durch Vergünstigungen oder Geschenke anzulocken, ist in Ostdeutschland bereits weiter verbreitet – in Nordrhein-Westfalen sind die beiden beschriebenen Beispiele die Ausnahme. Vereinzelt kämen solche Aktionen immer mal wieder vor, berichtet Markus Langer, Experte für Hochschulmarketing beim Centrum für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh. „Das erregt natürlich Aufmerksamkeit und ist ein schönes Signal”, sagt er, aber man dürfe die Wirkung nicht überschätzen. „Ein Netbook alleine bewegt niemanden von Potsdam nach Paderborn.”
Andere Faktoren entscheidend
Im NRW-Wissenschaftsministerium kommt man zu einer ähnlichen Einschätzung: „Die Hochschulen im Land bieten viel Qualität und sind so attraktiv, dass es keine besonderen Werbemaßnahmen braucht”, meint Sprecher André Zimmermann und lobt die Aktionen dennoch: „Alles, was die Studienbedingungen verbessert, können wir nur begrüßen.” Bei der Auswahl des Studienstandortes indes stünden sicherlich „andere Faktoren als Geschenke auf der Prioritätenliste”, mutmaßt der Ministeriumssprecher.
Das glaubt auch Abraham van Veen, Leiter des Zentrums für Studieninformation und Beratung an der Technischen Universität (TU) Dortmund. Er hält üppige Begrüßungsgeschenke für ein arg „vordergründiges Argument” bei der Studienplatzwahl. „Da geht's doch viel mehr um die Frage, was interessiert mich, wofür kann ich mich begeistern?”, sagt van Veen. Nichtsdestotrotz: Würde ein Großsponsor an die TU Dortmund herantreten und ein ähnliches Angebot wie jenes in Paderborn finanzieren wollen, dann „möchte ich nicht bestreiten, dass wir das auch annehmen würden.”
Matchsack und Tageskalender
Es ist ja auch nicht so, dass die Unis an Rhein und Ruhr ihre Studenten mit ganz leeren Händen empfingen: In Dortmund bekamen die Erstsemester zuletzt immer Karten für ein BVB-Heimspiel geschenkt, an der Ruhr-Universität stiftet das Akademische Förderungswerk (Akafö) einen Tageskalender mit Tipps zum Leben in Bochum, und an der Uni Duisburg-Essen bekommen die neuen Studenten einen Matchsack mit Uni-Logo. Auf andernorts üblichen Werbegeschenk-Inhalt verzichtet man dort allerdings bewusst: „Wir wollen unsere Studenten nicht mit Tütensuppe und Deos begrüßen”, sagt Studienberaterin Sandra Dölling.
Allein an der Düsseldorfer Heine-Universität gibt's in diesem Jahr kein spezielles Willkommenspräsent. „Dafür sind wir aber die einzige Uni in ganz NRW, die im ersten Semester keine Studiengebühren erhebt”, betont Sprecherin Victoria Meinschäfer. Auch ein Argument. (NRZ)
13:47
Absoluter Tinneff! Wenn das die Ergebnisse der Bildungsreform sind, die Abhängigkeit der Unis von privaten Sponsoren, dann gute Nacht Deutschland.
11:56
Niag spendet? Sind das nicht die, die ihre Fahrpreise erhöhen?
10:28
Jetzt sind aber auch die Unternehmen gefragt,die eng aus der Zusammenarbeit mit Uni´s profitieren, z.B. im Dortmunder Technologiepark. Wie wäre es denn,Praktikanten mit ansprechenden Geschenken an sich zu binden , statt auszubeuten , für lau arbeiten zu lassen und nach Praktikumsende ohne Jobangebot zu entlassen ?
Ach ja, die nächsten Praktikanten warten ja schon ....
06:56
genau, schiebt den Studierenden doch noch alles in den Hintern ...
05:27
Wie wärs mit einer Schultüte - äh! Unitüte mit Goldbären, Harddrinks, Gras etc.?
00:02
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22:09
Die Unis sind inzwischen alles andere als unabhängige Wissenschaftszentren, muss ich feststellen. Wes Brot ich ess...
19:46
Folkwang in Esen/Duisburg/Bochum verzichtet auch auf die STudiengebühr im ersten Semster
19:29
Allein an der Düsseldorfer Heine-Universität gibts in diesem Jahr kein spezielles Willkommenspräsent. „Dafür sind wir aber die einzige Uni in ganz NRW, die im ersten Semester keine Studiengebühren erhebt”, betont Sprecherin Victoria Meinschäfer. Auch ein Argument. (NRZ)
Das ist nicht ganz richtig: An der FernUni Hagen, NRWs und deutschlands größte Uni, werden keine Studiengebüphren erhoben - und das nicht nur im ersten Semester. Auch dort bekommen neue Studenten keine Geschenke.