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Bildungsstreik

Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?

16.06.2009 | 08:36 Uhr
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?

Essen. Schüler und Studenten demonstrieren bundesweit gegen die verkürzte Oberstufe, Studiengebühren und Verschulung des Studiums. Über die Unzufriedenheit der jungen Menschen mit den Bildungsbedingungen sprach Christopher Onkelbach mit NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP).

Minister Pinkwart, würden Sie für eine bessere Bildung auf die Straße gehen?

Andreas Pinkwart, Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie NRW, Landesvorsitzender der FDP/NRW, stellvertretender Bundesvorsitzender FDP im Gespräch mit der WAZ. (Foto: WAZ/Matthias Graben)

Pinkwart: Auf jeden Fall würde ich mich auch als Bürger öffentlich für Bildungsinvestitionen stark machen. Das macht die Landesregierung auch: Unsere Hochschulen haben dieses Jahr eine halbe Milliarde Euro mehr zur Verfügung als vor vier Jahren. Es gibt nur eins, was teurer ist als Bildung: keine Bildung.

Verstehen Sie den Bildungsstreik?

Das kommt auf die Botschaft an. Aber dass man für eine bessere Bildung demons-triert, finde ich in Ordnung. Ich beobachte, dass junge Leute mit den Füßen abstimmen. Hochqualifizierte verlassen unser Land, das vollzieht sich schleichend, ohne Großdemonstrationen. Während andere Gruppen ihre Interessen kraftvoll zu vertreten wissen.

Denken Sie an Arcandor, Opel oder andere Betriebe?

Ich denke an die Hilfen für die Steinkohle. Diese Mittel hätte man viel früher in die Bildung investieren sollen.

Viele Studenten fühlen sich seit Einführung der Bachelor-Studiengänge wie im Hamsterrad. Muss man die Bologna-Reform überdenken?

Ich ziehe eine positive Bilanz der Reform. In NRW haben sich in den letzten Jahren die Studienbedingungen verbessert. Das heißt nicht, dass wir nicht noch besser werden können. Man muss jetzt genau hinsehen, ob Programme überfrachtet wurden, etwa ob ein kompletter Diplomstudiengang in einen sechsemestrigen Bachelor-Studiengang gepresst wurde.

Was muss passieren?

Die Hochschulen sind in der Pflicht, das System studierbar zu machen. Ausdrückliches Ziel war ja, die Studiendichte zu erhöhen und zugleich das Studium planbarer zu machen. Zuvor waren die Studienzeiten im internationalen Vergleich inakzeptabel hoch.

Turbo-Abi, Bologna, Studiengebühren – die Jugend lehnt offenbar die offizielle Bildungspolitik ab ...

Dabei verbessert sich vieles: Studienanfänger - und Absolventenzahlen sind auf Rekordhoch. Beim Thema Studienbeiträge wird längst nicht mehr über das Ob diskutiert, sondern darüber, wie die Mittel eingesetzt werden, um die Studienbedingungen zu verbessern. Wir in NRW haben Ernst damit gemacht, dass das Geld nicht an den Finanzminister geht, sondern direkt den Hochschulen zufließt. Einige müssen sich sogar anstrengen, das Geld in angemessener Zeit auszugeben. Wer keine Möglichkeit sieht, das Geld sinnvoll auszugeben, sollte die Höhe der Beiträge überdenken. Diese Freiheit haben die Hochschulen.

Ministerpräsident Rüttgers sagte einmal: Wer die Bildung ökonomischen Zwängen unterwirft, erzeugt Unbildung. Wie sehen Sie das?

Wer sein Studium hinreichend ernst nimmt, kann seine wissenschaftlichen Freiheiten nutzen. Diese Möglichkeiten sind mit der Bologna-Reform größer geworden als in der Massenuni früherer Prägung.

Was raten Sie den Menschen, die jetzt für ihre Zukunft auf die Straße gehen?

Sie sollten auch an sich selbst hohe Anforderungen stellen. In Zeiten der globalen Wissensgesellschaft ist die Konkurrenz groß.

Christopher Onkelbach

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Kommentare
18.06.2009
11:48
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von Oliver Wulf | #37

Pinkywinky durfte doch noch umsonst Studieren und sein Abi in 3 Jahren bauen. Wir müssen was tun!!!!!!!!!!!!

18.06.2009
02:29
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von interessierter Beobachter | #36

@ Svenä

Wenn du Dich mit den Themen und Anliegen des Bildungsstreiks wirklich beschäftigt hättest, wüsstest du, dass keine Abschaffung der Bachelor/Master Studiengänge gewollt ist. Es geht um die momentan praktizierte Form.

Du befürwortest Studiengebühren?! Gut. Kann ich so akzeptieren auch wenn es nicht meine Meinung ist. Allerdings sollte doch die Möglichkeit bestehen, dass man diese Gebühren nicht während des Studiums bezahlen muss, sondern im späteren Lebensverlauf abbezahlt. Man hat schon mit den normalen Lebensunterhaltungskosten genug Ausgaben die man erstmal bezahlen muss. Und jetzt komm mir bitte nicht mit Krediten.

Ich studiere übrigens auch Politikwissenschaften in Duisburg, allerdings zwei Semester länger. Nebenbei bemerkt, ich werde mein Studium in der Regelstudienzeit beenden, bevor mir etwas anderes unterstellt wird. Ich habe von vielen älteren Studenten das genaue Gegenteil gehört was die Investitionen der Studiengebühren angeht. Gut, es gibt mittlerweile einige Bücher in der BIB die einen Stempel mit dem Spruch Mit Ihren Studiengühren finanziert beinhalten. Es gibt in mehr Räumen Beamer. Aber insgesamt betrachtet hat sich seit der Einführung nichts grundlegendes verändert. Es gibt immer noch Raummangel, undichte Fenster, Heizungen die im Sommer heizen, ein überfordertes Prüfungsamt, unqualifizierte bzw. überforderte Tutoren die keinerlei Schulung oder ähnliches gemacht haben. Falls es gewünscht ist kann ich die Liste noch fortführen. Zur Verbesserung der Lehre haben die Studiengebühren bislang jedoch definitiv nicht beigetragen.

Stattdessen sollte eine Proffesur durch die Studiengebühren finanziert werden.

Ich bin kein Linke Liste Wähler oder ähnliches. Ich versuche die Dinge aber soweit es geht Objektiv zu betrachten. Ich war kürzlich im europäischen Ausland und habe festgestellt, dass dort die Studierenden viel mehr wertgeschätzt werden als hier. In diesem Nachbarstaat werden die Studierenden viel mehr unterstützt. In Leistungsvergleichen liegen die Schüler und Studenten jedesmal weit vor Deutschland. Ob das damit zusammenhängt weiß ich nicht. Ich wollte es nur gesagt haben.

17.06.2009
20:18
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von osis | #35

Da Herr Pinkwart zur Elite gehört, hat er keinerlei Probleme. Zumal die Studiengebühren für seine Kinder dann wohl der Steuerzahler zahlt...

So ein Irrsinn...


Der bachelor ist totaler Unfug in seiner aktuelle Form. Und Das Leute klagen müssen um den master machen zu dürfen ist Wahnsinn.

17.06.2009
19:09
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von Svenä | #34

Also ich habe auch schon von verfehlten Investitionen aus den Studiengebühren gehört (Beispiel: Uni Gießen, dort ist sie mittlerweile auch wieder abgeschafft worden, weil man nichts vernünftiges damit anzufangen wusste....), aber bei mir an der Uni (Uni Duisburg/Essen) merkt man, dass die UB gut ausgestattet ist, genügend tutorien eingerichtet und ausreichend dozenten vorhanden sind.... in gesprächen mit älteren semestern wurde mir gesagt, dass dies früher nicht so gewesen sei und sich die situation an einigen stellen seit einführung der studiengebühren verbessert hat (tut mir leid, dass ichs nicht aus eigener erfahrung sagen kann, aber ich war bis vor 8 monaten noch nicht an der uni!... bevor mir das hier negativ ausgelegt wird...), von daher befürworte ich studiengebühren, solange sie SINNVOLL eingesetzt werden und nicht für z.b. pinseleien auf den fassaden (wies in gießen wohl der fall war)....

@manfred:
schön, dass du so ein guter moderator bist, der einem erklärt was indiskutabel ist und wer sich hier durch was diskreditiert und wer studieren sollte und wer sofort damit aufhören sollte....
auch schön, dass du eine umfassende kenntnis über alle unis hast, dass du beurteilen kannst, dass nirgendwo positive effekte auftraten.... ich sag nicht, dass die studiengebühren flächendecken gut eingesetzt wurden (hab ja das beispiel gießen gebracht), aber bei mir an der uni schon und von der uni münchen hab ich auch positives gehört...

ich bin durchaus kritisch und kommunalpolitisch aktiv, aber der bildungsstreik geht mir zu weit, da ich weder für die flächendeckende abschaffung der studiengebühren, noch die abschaffungs des bachelor/master-studiengangs bin, da ich internationale vergleichbarkeit von studienabschlüssen in einer globalisierten welt für sehr wichtig erachte....

auch ein poltisches mandat für die studierendenschaft in dem jeweiligen bundesland halte ich für utopisch....

ich begrüße forderungen wie kostenlose Kitas, die Schaffung von neuen Professuren, Mittelbaustellen und Tutorstellen, aber die hauptpunkte des bildungsstreiks teile ich wie gesagt nicht, denn das sind die abschaffung von studiengebühren und dem bachelor/master.... zumindest wird das so transportiert, dass das das hauptanliegen sei..

17.06.2009
16:13
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von Uwe | #33

In Zeiten schlechter Wahlbeteiligungen ist es sinnvoll Junge Menschen das Recht zu geben , Demokatie zu Leben! (Grundrechte jedem Menschen). Solche zivile ungehorsamme Menschen die sich nicht von, von Verweise, Fehlstunden etc. aufhalten, sind wichtig in einer Demoktatie (Ein Hinweis 1989 Montagsdemos in Leibzig). Es wäre schon wenn die Politik mal uns Junge Menschen anhören, mit uns Reden und nicht in einem schönen Pelnalsaal miteinander Streiten. Zumal Studiegebüren teilweise für schöne Flure, Parkplätze und Feruerwerk (RUB) und Verwaltung ausgeben werden. Studiengebüren kommen nicht an. Ich selber studiere ein Dipl Studiengang. Das Studium ist nicht besser gerworden wir haben jetzt nach umstellung sogar weniger Porfs, als zu meinen Anfangzeiten. Die Studiengebüren haben sogar den evektt das ich länger studiern muss, da ich 1000€ mehr Erarbeiten muss. Liebe Politiker nimmt mal uns ernst wir sind auch Wähler und eure Zukunft, und laber nicht soon en mist.

17.06.2009
14:35
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von verklaerbaer | #32

Wer so ein dummes Zeug wie Gerade der Mindestlohn ist eine absolute Notwendigkeit unserer Marktwirtschaft... redet, zeigt, dass er seine Uhr 30 Jahre zurückdrehen sollte, dann passt er zu Helmut Schmidts gescheiterter Wirtschaftspolitik. Herr Pinkwart hat recht, unsere Schüler und Studenten sind weltweit gesehen eine Lachnummer, ich habe meine drei Kinder dem GEW-verseuchten Bildungssystem entzogen und auf eine internationale Privatschule geschickt. Ich danke dem lieben Gott jeden Tag dafür, dass es diese Schulen gibt.

17.06.2009
07:56
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von oh mein gott | #31

@ Manfred
Es ist offensichtlich, das du nicht ein Wort verstanden hast, was ich geschrieben habe. Nur du bist der der sich diskreditiert. Ich habe recht deutlich geschrieben, wie man das Problem der fehlenden Kaufkraft lösen könnte. (Es ist ein Vorschlag, bzw. eine Idee).
Zudem ist es doch sehr primitiv mir Unverständnis zu unterstellen nur weil ich nicht deiner Meinung bin und dies auch noch mit einen dümmlichen Argument, wie wenn man das nicht einsieht gibt man zu dass…, zu unterlegen.

Ich habe sogar H.4 sehr deutlich kritisiert. Da dein geringes Leseverständnis sehr offensichtlich nicht ausgereicht hat, das zu verstehen ist dies keine Begründung mich anzugreifen.

Und was das mit Faschismus zu tun hat bleibt mir sehr rätselhaft. An dieser Stelle muss ich sagen, geht die Diskreditierung deiner eigenen Ausführungen von dir Selbst aus.

Zudem ist es von mir niemals bestritten worden, dass ein vernünftiges Einkommen der breiten Bevölkerung eine wichtige Stütze für die Wirtschaft sein muss und ist.
Dies mit dem Mindestlohn gleich zu setzten ist doch sehr einfach gestrickt.
Noch mal ich finde es einer sachlichen Diskussion mehr als unwürdig was du geschrieben hast.
Du hast meinen Text definitiv nicht verstanden.
Ich habe aber auch keine Lust ihn noch einmal zu erklären, da mir diese primitive Anfeindung eindeutig klar gemacht hat, dass du an einer sachlichen Diskussion nicht interessiert bist, sondern nur sehr einseitig diskutieren kannst.
Nenne mir Gründe warum die von mir getroffenen Aussagen nicht stimmen, die besser sind als, wenn du den Mindestlohn nicht willst, hast du keine Ahnung und vielleicht werde ich mich noch einmal melden.

17.06.2009
02:36
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von Manfred | #30

@ oh mein Gott: Aussagen wie Grundsätzlich befürworte ich Hartz IV und Ich bin gegen einen Mindestlohn diskreditieren Dich endgültig. Gerade der Mindestlohn ist eine absolute Notwendigkeit unserer Marktwirtschaft, in der die Lohnkosten auf der Arbeitsseite zwangsweise als Kaufkraft auf der Konsumseite für den Kreisschluss des Wirtschaftskreislaufs sorgen müssen. Wer das nicht einsehen kann, gibt damit nur zu, von Volkswirtschaft gerade mal überhaupt nichts zu verstehen!
Wer Hartz IV befürwortet, befürwortet (neben den faschistoiden Schweinereien, die im Namen dieses Gesetzes begangen werden) eine gigantische Einschränkung der Binnenkaufkraft und eine höchst ungesunde und auch unsoziale Polarisierung der Menschen in hart arbeitende mit übermäßiger Kaufkraft und nicht (erwerbs-)arbeitende praktisch ohne jede Kaufkraft. Wer ALG II bezieht, ist de facto kein Wirtschaftssubjekt, obwohl er es qua seiner Arbeit - die ihm auch noch als sinnstiftendes Lebenselement vorenthalten wird - sein müsste. Wer Hartz IV befürwortet, befürwortet den erneuten Absturz in die Barbarei, die Auflösung der Zivilisation, wie wir sie derzeit erleben.

17.06.2009
02:31
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von dasKollektiv | #29

@27
Mit einer solch undifferenzierten, unselbständigen Einstellung

wie gut das es auch Erwachsene Studenten gibt di für ihr Anliegen eintreten und nicht glauben das Jesus ein liberaler Schenker war...

17.06.2009
02:21
Herr Pinkwart, würden Sie für gute Bildung demonstrieren?
von Manfred | #28

@der_Manni: Du siehst das absolut richtig! Das liberale Bürgergeld ist nichts als Augenwischerei, ein Anreiz zur freiwilligen Ausbeutung, ein Tranquilizer für die leider viel zu bereitwillig sich ausbeuten lassenden Massen. (Das ZDF zeigte am Abend eine Reportage über den Traumjob Kassiererin... Nichts als kaputte Gestalten! Unfassbar! Tragisch!) Das Bürgergeld der FDP ist weder bedingungslos noch erfüllt es die anderen Kriterien für die Einstufung als Grundeinkommen. In die Tonne mit dem liberalen Bürgergeld! In die Tonne mit der Lobbyistenpartei FDP!

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