Protest
Heißer Start in den Bildungsstreik
16.06.2009 | 07:33 Uhr 2009-06-16T07:33:00+0200
Essen. Mit Blockaden und Demos in ganz NRW machten Schüler und Studenten ihrem Ärger Luft. In Wuppertal besetzten sie sämtliche Eingänge der Universität. In Bochum blockierten sie Parkhäuser. NRW-Wissenschaftsminister Pinkwart hat grundsätzlich Verständnis, sieht aber zu Protesten wenig Grund.
Heißer Start in den "Bildungsstreik 2009": Studenten aus Wuppertal besetzten schon am frühen Morgen sämtliche Eingänge der Bergischen Universität. Die Organisatoren des Streiks sprechen von rund 2000 Demonstranten in Wuppertal. An der Ruhr-Uni Bochum gab es Blockaden der Parkhäuser und einer Brücke, in Münster wurde das Gebäude der Philosophischen Fakultät besetzt. Ähnliche Aktionen gab es in Berlin, Hamburg und Heidelberg.
Pflaster auf dem Mund
Auch Schüler beteiligten sich in zahlreichen Städten an Aktionen. In Dortmund klebten sich Schüler zweier Gymnasien mit Pflastern die Münder zu. In Düsseldorf zogen am Nachmittag rund 100 Schüler durch die Innenstadt bis zum Landtag. Zuvor hatte das Schulministerium die Kinder und Jugendlichen davor gewarnt, innerhalb der Schulzeiten zu protestieren.
Linke Hochschulgruppen, Studierenden- und Schülervetrtreter sowie Gewerkschaften rufen zum Streik auf, weil sie das deutsche Bildungssystem für sozial ungerecht halten. Sie kritisieren u.a. das „Turbo-Abitur”, zu große Klassen und Seminare und die „misslungene Umstellung auf Bachelor- und Master-Abschlüsse”.
Pinkwart: "Studienbedingungen sind heute besser"
NRW-Wissenschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) äußerte grundsätzlich Verständnis für die Aktionen der Jugendlichen. „Dass man für eine bessere Bildung auf die Straße geht, finde ich in Ordnung”, sagte Pinkwart. In NRW aber sieht er zu Protesten wenig Grund. „Die Studienbedingungen haben sich in den letzten Jahren verbessert.”
Die ganze Woche über wollen Studenten und Schüler ihre Unzufriedenheit mit der deutschen Bildungspolitik auf die Straße und in die Hörsäle bringen. In Städten wie Münster, Bielefeld, Bochum, Düsseldorf und Dortmund wurden „Protestcamps” errichtet.
An der Uni Duisburg-Essen wollen sich Studierende heute als Schafe verkleiden und mit „Bäh-Chelor”-Rufen gegen den ungeliebten neuen Bachelor-Abschluss demonstrieren. Haupt-Aktionstag ist der Mittwoch mit Demonstrationszügen in nahezu allen Großstädten an Rhein und Ruhr. Die Organisatoren des Streiks wollen am Mittwoch in Deutschland bis zu 150 000 junge Leute auf die Straßen bringen.
Banküberfälle für bessere Bildung
Für den Donnerstag sind vielerorts „symbolische Banküberfälle” geplant; „Geld für Bildung statt für Banken” ist dann das Motto. Die Streik-Kampagne endet am Samstag in Nordrhein-Westfalen mit einer zentralen Abschlusskundgebung in Düsseldorf.
Das Schulministerium in Düsseldorf warnte gestern: „Protest muss außerhalb der Schulzeiten erfolgen. Schüler haben kein politisches Streikrecht, das sie legitimieren könnte, während des Unterrichts ihre Unzufriedenheit über politische Sachverhalte zu dokumentieren.” Wer in dieser Woche nicht den Unterricht besuche, müsse die Fehlzeit mit einem ärztlichen Attest begründen.
Liberale Hochschulgruppen warnen
Während sich u.a. die Lehrergewerkschaft GEW und der Deutsche Gewerkschaftsbund mit den Streikenden solidarisieren, blieb der Philologenverband auf Distanz. Der Vorsitzende, Heinz-Peter Meidinger, kritisierte die Forderung nach „Einführung einer Einheitsschule”. Auch sei Unterrichtsboykott kein probates Mittel, um auf ein Anliegen aufmerksam zu machen.
Liberale und konservative Hochschulgruppen nennen den Protest „ideologisch unterwandert” und rückschrittlich.
18:46
Das Schulministerium in Düsseldorf warnte gestern: „Protest muss außerhalb der Schulzeiten erfolgen. Schüler haben kein politisches Streikrecht, das sie legitimieren könnte, während des Unterrichts ihre Unzufriedenheit über politische Sachverhalte zu dokumentieren.” Wer in dieser Woche nicht den Unterricht besuche, müsse die Fehlzeit mit einem ärztlichen Attest begründen.
sehr geil und wenn nicht ,.... kriegen dann 100 schüler oder mehr ne klassenkonferenz!!!!nix einreden lassen MITMACHEN
17:43
Studenten haben JEDES Recht zu streiken, denn sie werden ja auch zur Kasse gebeten. Ist nur RECHT UND BILLIG WENN SIE ES TUN!
13:31
Deutschland sieht sich als ein Land das demokratisch ist und sich für die Meinungsfreiheit einsetzt,nur wenn man dies einfordert wird man in seinen Rechten beschnitten.
Bravo Deutschland wir haben aus unserer Geschichte nichts gelernt,wie wäre es wenn wir gleich wieder die Mauer hochziehen und die Stasi einführen.
P.S. Nicht jeder der Streikt ist ein Linker,nur wird man aus Ignoranz und Angst gleich so tituliert
Wir haben mittlerweile solche Angst vor Veränderungen das wir erstarrt sind und uns arrangiert haben mit den Zuständen an den Unis und Schulen.Und das ist das Traurigste an diesen Diskussionen.
Ich solidarisiere mich mit den Protestierenden im In-und Ausland.
12:37
Allein das große Interesse derer die sich über das Thema Informationen beschaffen und informiert werden wollen, zeigt, dass die Akzeptanz nicht links aufhört.
Diejenigen, die mitten im Bachelor stecken, wissen um die Probleme, auch ohne politische Aktivität.
Ich habe alle Schattenseiten bisher selbst erlebt und freue mich sehr über die breite Zustimmung im Bekannten, Verwandten und Freundeskreis, aber auch der stetig wachsenden Solidarität.
Allerdings ist vielen leider nicht bewusst, was ihre Aktivität am Streik bewirken kann, da Teilinteressen in allgemeinen Forderungen schnell untergehen. Daher werden die wenigen Wortführer schnell links abgestempelt, verunglimpft und die die indifferent sind einfach weiter im Unialltag festgehalten, in dem Verantwortliche der entscheidenen Positionen, z.B. Asta Essen, lieber weiter wirtschaftlich denken und sich abgrenzen wollen, statt wie vorher gern behauptet, für Veränderungen einzusetzen.
Daher freut mich jede Uni die friedlich besetzt wird, und in der z.B. trotzdem Veranstaltungen stattfinden. Immerhin dürften es nun bereits rund 30 in D, A und CH besetzte Unis sein.
20:34
Ist es wirklich rechtlich verboten, das wir Schüler streiken?
Wenn ja wäre es für mich glatt ein Grund mehr zu streiken.
Ich bin 15 und generell mit unserer Bildungform unzufrieden.
Da ich im letztem Jahrgang auf einem Gymnasium bin der 13 Schuljahre bis zum Abi hab, bin ich sauer. MEin Jahrgang kommt gleichzeitig mit noch einem Jahrgang auf den Arbeitsmarkt, wie sollen wir da, bei der jetzigen schon so schlechten Situation, einen Job finden?
Kopfnoten sind noch so ein Fall für sich...
Wie kann ein Lehrer, das Verhalten in den Pausen oder sonst wo bewerten? Bewachen die uns?
Ja und diese Studiengebühren...
Wie will z.B. eine Familie mit Harz IV empfängern Studiengebühren bezahlen ...
Liebe Grüße ans Ministerium: Gehen sie heute nochmal zur Schule :O
13:52
Die verbindliche Grundschulempfehlung ist sowieso das größte Verbrechen des beschissenen Bildungssystems. Wer da mit knapp 10 Jahren nicht schon richtig funktioniert hat schon verloren. Das Turboabi ist natürlich auch gut durchdacht. 1 Jahr verkürzt, aber die Lehrpläne werden nicht oder nur unzureichend angepasst. Kann mich noch gut daran erinnern wie mein Nachwuchs im letzten Jahr mit 2 verschiedenen Englisch Büchern ausgestattet wurde, da noch nicht klar war mit welchem man in Zukunft arbeiten will. Toll natürlich auch das jetzt 4 mal die Woche 7 Stunden auf dem Stundenplan stehen.
Der Streik ist schon längst überfällig! Aber Dank der Bezierksregierung und Eierlosen Schuleitern, die mit Tadeln, etc. drohen, versucht man schon die Meinungsfreiheit im Keim zu ersticken und die Medien leisten mit einer mickrigen Berichterstattung auch noch glänzende Beihilfe.
Ich kann gar nicht soviel essen wie ich kotzen möchte.
13:17
Ich bin Bachelorstudent und teile die Ansichten nicht ganz.
Die Schulreform (8Jahre) finde ich grundsätzlich sinnvoll, auch das Bachelor + Mastersystem finde ich gut. In den technischen Berufen gibt es nicht wenige Studenten, denen hierdurch ein Job/Studium im Ausland erleichtert wird.
Das Problem ist nur die Umsetzung! Anstatt sich mal anzuschauen wie es in anderen Ländern läuft gibt es hier eigene Versuche, die halbherzig durchgeboxt werden. Da wird der gleiche Stoff in 8 Jahren durchgeknüppelt, aus dem Diplom wird 1:1 ein Bachelorstudiengang, Eltern beklagen sich, dass sie für jedes Kind in der Grundschule neue Bücher kaufen müssen, weil ständig etwas reformiert wird etc.
Die Hochschule Niederrhein zeigt stellvertretend für andere Unis, was mit den Studiengebühren passiert (Berge anhäufen und trotzdem beim Land die Hand aufhalten):
http://www.spiegel.de/unispiegel/studium/0,1518,629762,00.html
Genau wegen dieser mangelnden Transperenz und der gefühlten Abzocke werde ich an den Protesten in Düsseldorf am Mittwoch teilnehmen!
10:35
Herr Pinkwart reagiert gelassen. Das könnte daran liegen, dass die meisten Menschen die Inhalte seiner Gesetze (Hochschulfreiheitsgesetz) noch nicht verstanden haben.
Minister Pinkwart wollte 2007 gesetzlich verankern, dass Hochschulen Insolvent gehen können. Ich hoffe im Jahr 2009 kann sich so mancher besser vorstellen, was dies bedeutet hätte.
Desweiteren wurde die Entdemokratisierung vorangetrieben, Hochschulräte bestimmen über Hochschulentwicklungspläne ect. darin sitzen dann so illustere Gestalten wie Thomas Middelhoff, der für derzeitige Pleite des Arcandor (Karstadt-) Konzerns verantwortlich ist.
Die vielen kleinen Veränderungen findet Rückmeldung gleich null. Abschaffung von gesetzlich festgelegten Freischuß-Regelungen, Einschränkung des Rechts, Lehrveranstaltungen außerhalb des eigenen Studienganges zu besuchen und die mögliche Privatisierung von Bibliotheken, Medien- und Computerpools inklusive zusätzlicher Gebühren für ebensolche.
Für das alles ist Minister Pinkwart verantwortlich, wir werden daher nicht aufgeben, die Privatisierung des Bildungssystems anzuprangern.
03:25
@ interessierter Beobachter Da kann ich dir nur Rechtgeben - der Verlust des Diploms ist schon hart - ich kann froh sein das ich noch eins bekomme (denn das Dipl. Ing. ist schon eine int. Auszeichnung und sehr annerkannt) und ich hoffe das die nachfolgenden Master Absolventen im Ausland (gerade USA/Japan/EU), nicht in einen Topf geworfen werden mit Absolventen von qualitativ schlechteren Unis (leider offt Master Absolventen aus Ländern in denen man sich für 5000euro einen Abschluss kaufen/legitimieren kann).
Ich denke die Studenten sollten (mich eingeschlossen), mal für das einstehen weswegen es Hochschule/Uni heisst, wir sind doch angeblich die Bildungselite, also sollten wir auch
1.Den Mitbürgern klar machen das es um unser aller Zukunft geht
2.Klar und deutlich die Fakten darlegen
3.Uns selbst in die Pflicht nehmen eine Lösung zu finden!
In diesem Sinne uns allen viel Erfolg und nicht nachlassen auch wenn es Rückschläge gibt, denn selbst der dümmste Politiker wird einsehen das er uns braucht - für das WOHL aller Menschen in unserem Land!
02:00
ich finde es sehr lobenswert, dass die Studiererenden ihre Probleme an die Öffentlichkeit bringen.
In anderen Ländern, sogar Nachbarländern, werden Studierende noch wertgeschätzt. Wohingegen ich das Gefühl habe, dass Studierende in Deutschland so eben noch geduldet werden.
Man kann für Deutschland nur hoffen, dass sich die Studenten nach dem Studium dem Staat gegenüber wohlwollender verhalten als es der Staat den Studenten gegenüber tut. Ansonsten muss sich Deutschland damit abfinden langfristig in sämtlichen Bereichen nur noch mittelmäßig zu sein.