Für Verwaltungsjob werden Studiengebühren erlassen
20.11.2008 | 09:53 Uhr 2008-11-20T09:53:00+0100Duisburg. Die Stadt zahlt rund 200 Studenten die Studiengebühr von 500 Euro. Im Gegenzug arbeiten die angehenden Akademiker 60 Stunden für die Verwaltung. Vom Austausch profitieren beide Seiten.
500 Euro Studiengebühren pro Semester sind kein Pappenstiel. Viele angehende Akademiker jobben neben den Vorlesungen, um das Leben und den Uni-Eintritt zu bezahlen. Ihr Herz für klamme Studenten, so scheint es, hat nun die Stadt Duisburg entdeckt. Sie übernimmt für maximal 200 Kommilitonen die Gebühren - im Gegenzug arbeiten diese 60 Stunden im Semester für die Verwaltung.
Eigentlich ist die Mama von Michael Roquet Schuld, dass er nun im Referat für Integration mitarbeitet und im Gegenzug 500 Euro kassiert. "Die hat von dem Projekt im Radio gehört und so lange gesagt, dass ich mich dort mal melden solle, bis ich das dann gemacht habe", erinnert sich der Geschichtsstudent - und ist der Mutter jetzt dankbar. "Die Leute sind sehr nett und ich kann meine eigenen Ideen einbringen." Zunächst hat er einen Text über das Forum der Kulturen verfasst, der im Intranet für die städtischen Mitarbeiter zu lesen ist. Außerdem soll er sich ein Konzept zur Geschichte der Migration überlegen. "Meist rufe ich an und arbeite von zu Hause aus." 60 Stunden im ganzen Semester seien gut machbar.
Auch Katrin Schmidt durfte sich einen Bereich aussuchen, der sie besonders interessiert. Sie arbeitet im Referat für Repräsentation und Internationale Beziehung. "Ich finde die Schnittstelle zwischen Verwaltung und Bürger spannend", erklärt die 21-Jährige. Ihr geht es nicht nur um die 500 Euro, sondern um die praktische Erfahrung. "Ich habe mich sogar mal bei der Stadt beworben, bin aber nicht genommen worden. Für mich wäre ein Job bei der Stadt definitiv ein guter Plan B." Im Rahmen des Bachelor-Studiums muss sie ein verpflichtendes Praktikum machen. Wenn es ihr weiterhin gefällt, will sie dies bei der Verwaltung machen.
Und doch ist etwas anders bei diesem Praktikum als bei anderen Schnupper-Einsätzen. Kollege Frederik Stepprath, eingesetzt beim Amt für Stadtentwicklung: "Wir werden nicht zum Kaffeekochen benutzt, sondern erledigen sinnvolle Aufgaben." Seine Arbeitszeit widerspricht übrigens jeglichen Studentenklischees: Zwischen 7 und 11 Uhr ist der 25-Jährige topfit. Er könnte sich sogar vorstellen, seine Diplom-Arbeit über die Stadtentwicklung Duisburgs zu schreiben. Seine Kollegen vom Amt würden ihn dabei unterstützen. Personalleiter Dr. Thomas Lambertz, der das Projekt betreut, freut sich über die Zufriedenheit der Studenten: "Es wird Zeit, dass die Stadtverwaltung ein anderes Image bekommt."
Auf der angenehmen Seite des Tisches saß neulich Sebastian Falkenhagen. Der Wirtschaftswissenschaftler absolvierte seine 60 Stunden in der Personalabteilung - und wurde Zeuge eines Einstellungstest. Diesmal wurde er aber nicht selbst geprüft, sondern begutachtete angehende Kinderpflegerinnen. "Natürlich ist das schöner, wenn man nicht selbst in der Situation ist." Ganz nebenbei hat er herausgefunden, ob er sich einen Job in einer Personalabteilung vorstellen könnte. "Es hat mir gut gefallen."
Einig sind sich die Studenten allerdings in einem Punkt: Auch mit der Aussicht auf 500 Euro Studienzuschuss wären sie nicht nach Duisburg gezogen. Alle vier wohnten bereits hier und konnten das Geld deshalb in Anspruch nehmen. "Das ist vielleicht das Tüpfelchen auf dem i, wenn man sowieso herkommen wollte", vermutet Katrin Schmidt. Dass die Studenten Duisburger sind, ist Voraussetzung für die Unterstützung. Interessierte können sich für das kommende Semester bewerben.
Interview: "Gut angelegtes Geld"
09:50
Ach, das ist ne super Sache.. Wer hier Ausbeutung schreit hat die harte Arbeitswirklichkeit der 2000er noch nicht erfahren.
Solche Tätigkeiten wie oben beschrieben macht man auch in Praktika.. und da grundsätzlich UNbezahlt.
11:08
Billige Arbeitskräfte, ach deshalb das Bürgerforum!
08:44
Intelligente Art an billige Arbeitskräfte zu kommen... Moralisch ? Naja...