Fraunhofer sucht junge Talente
06.01.2008 | 15:27 Uhr 2008-01-06T15:27:18+0100Dortmund. "Wir brauchen die besten Naturwissenschaftler und Ingenieure", sagt Prof. Hans-Jörg Bullinger. Bis zu 1500 neue Jobs will der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft in diesem Jahr vergeben lassen.
Die nachhaltige Positiventwicklung der beiden Dortmunder Institute wird daher ebenfalls kaum abreißen. Das ist eine Hausnummer: Die Fraunhofer-Gesellschaft will im neuen Jahr bis zu 1500 neue Mitarbeiter einstellen. Schon in den vergangenen zwölf Monaten ist die größte Organisation für angewandte Forschungs- und Entwicklungsdienstleistungen Europas kräftig gewachsen. 520 zusätzliche Stellen stehen in der Jahresbilanz. "Der Aufschwung geht weiter", freut sich Präsident Bullinger. Fast alle der 56 in ganz Deutschland verteilten Fraunhofer-Institute suchten dringend weitere Wissenschaftler, Ingenieure, Techniker und Verwaltungsangestellte. "Alles hochwertige Arbeitsplätze mit großem Zukunftspotenzial", wirbt Bullinger.
Auch wenn sich die hohe Zahl durch den steten Wechsel von Fraunhofer-Mitarbeitern in die Wirtschaft (ca. 500 im Jahr) etwas relativiert - es bleibt eine ungewöhnlich großzügige Prognose für Neuanstellungen. Auch für die beiden Dortmunder Institute, die seit Jahren den Ruf der Westfalenmetropole als Logistik- und Systemtechnik-Standort befeuern, ist das eine mehr als gute Nachricht. So ist man sich beim Institut für Software- und Systemtechnik (ISST) mit den Nachbarn des Institutes für Materialfluss und Logistik (IML) einig - die Zukunft darf in Rosé-Tönen gezeichnet werden.
"Wir haben große Hoffnung, unser Stück des Kuchens abzubekommen", sagt Volker Zurwehn. Bei derzeit 170 Beschäftigten hofft er "auf eine zehnprozentige Steigerung der Angestelltenzahlen". Die positiven Wachstumsprognosen des eigenen Instituts sieht der stellvertretende ISST-Leiter als einen Grund für die tollen Neuigkeiten aus der Münchener Zentrale. "Wir haben schon vor einem halben Jahr den massiven Bedarf nach neuem Personal gemeldet." Der Markt für anwendungsorientierte Forschung entwickele sich rapide. "Wir suchen sowohl Absolventen direkt von der Uni als auch praxiserfahrene Leute aus der Wirtschaft." Besonders gefragt ist beim ISST die Erfahrung mit "IT-Anwendungsarchitekturen".
Auch Personalchef Elmar Schulte vom IML braucht neue Leute. "Wir könnten jede Menge weiterer Aufträge erfüllen, aber unsere Mitarbeiter gehen schon heute auf dem Zahnfleisch", betont er. Am IML würden "eigentlich immer Absolventen direkt von der Uni abgeworben." Wer eine gute Diplom-Arbeit schreibe, "den versuchen wir abzugreifen", so Schulte. Das hätte rein pragmatische Gründe: "Wer aus der freien Wirtschaft kommt, hat meist zu hohe Gehaltsvorstellungen für unseren Etat."
Die beiden anderen großen wissenschaftlichen Gesellschaften in Dortmund bestätigen den positiven Geschäfts-Trend, möchten aber noch keine konkreten Arbeitsplatz-Prognosen abgeben. "Ich kann nur bedingt bestätigen, dass es in diesen Dimensionen bergauf gehen kann", sagt Sprecher Peter Herter vom Max-Planck-Institut. "Das liegt aber wohl daran, dass wir keine angewandte, sondern Grundlagenforschung betreiben." Neue Stellen seien abhängig von Bund und Ländern. Im Institut für Arbeitsphysiologie Dortmund (IfADo), das zur Leibnitz-Gemeinschaft gehört, sorgt die neue europäische Chemikalienverordnung "REACH" für Mehrarbeit. Daher hofft auch dessen Direktor Hermann M. Bolt langfristig auf mehr Jobs. "Durch REACH besteht ein großer Untersuchungsbedarf."
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